Berichten von Bloomberg und der Berliner Morgenpost zufolge machte Anthropic am 26. Oktober 2026 seinen S-1-Börsenprospekt öffentlich. Die Angaben darin betreffen mögliche KI-Risiken, Geschäftszahlen und die Stimmrechtsverteilung im Vorfeld eines geplanten Börsengangs. Ein S-1 ist die Registrierungsunterlage für einen geplanten Börsengang in den USA.

Die frühere NeoTeo-Berichterstattung zum vertraulichen S-1-Entwurf ordnete den damaligen Stand ein. Die nun berichtete öffentliche Fassung enthält weitere Einblicke in Risiken und Unternehmenszahlen.

Welche KI-Risiken der Prospekt laut Berichten nennt

Die Berliner Morgenpost berichtet, der Prospekt warne vor möglichen Schäden durch KI-Modelle, darunter katastrophale oder existenzielle Risiken. Zugleich gehe Anthropic davon aus, dass Schutzmaßnahmen womöglich nicht jedes Szenario vorhersehen können. Die Warnungen beschreiben mögliche Folgen, keine eingetretenen Katastrophen.

Umsatz, Rechenkosten und Verluste messen Unterschiedliches

WSJ News erläutert auf Englisch die gemeldeten Rechenkosten, Bewertungsänderungen und Kapazitätsengpässe.

Bloomberg, WSJ News, Ecosistema Startup und Bloomberg Tech berichten Kennzahlen zu verschiedenen Zeiträumen und Größen. Die Zuordnung und der jeweilige Aussagebereich sind in der Tabelle festgehalten.

KennzahlZeitraumBerichtete AngabeEinordnung
Umsatz1. Halbjahr 202616,3 Mrd. US-DollarBloomberg zufolge mehr als 1.300 % über dem 1. Halbjahr 2025
Umsatzanteil außerhalb der fünf größten Kundenerste neun Monate 202679 %Laut Bloomberg entfiel dieser Anteil auf die übrigen Kunden
Kosten für Rechenleistung1. Halbjahr 20269 Mrd. US-DollarAngabe von WSJ News
Nettoverlust1. Halbjahr 202680,7 Mrd. US-DollarEcosistema Startup zufolge entfielen nahezu 90 % auf Fair-Value-Änderungen bei Wandelanleihen, Derivaten und SAFEs
Zahlungsmittel und ZahlungsmitteläquivalenteEnde Juni 2026131,7 Mrd. US-DollarAngabe von Bloomberg
GAAP-Betriebsergebnis und -margeQ2974 Mio. US-Dollar und 8 %In einem Bloomberg-Tech-Interview genannt; GAAP bezeichnet US-amerikanische Rechnungslegungsstandards

Die Kennzahlen beschreiben verschiedene Ebenen. Die Nettoverlustsumme enthält laut Ecosistema Startup vor allem Neubewertungen von Finanzierungsinstrumenten. Die Kosten für Rechenleistung erfassen dagegen einen bestimmten betrieblichen Aufwand im ersten Halbjahr; das Betriebsergebnis bezieht sich auf ein Quartal.

Yuri Khodjamirian von Tema ETFs leitete aus dem Vergleich zwischen 141,1 Mrd. US-Dollar insgesamt eingeworbenem Kapital und 131,7 Mrd. US-Dollar an Zahlungsmitteln zum Ende Juni kumulierte Ausgaben von rund 9 Mrd. US-Dollar ab. Das ist seine Schätzung. Die von WSJ News genannten 9 Mrd. US-Dollar beziehen sich dagegen auf Rechenkosten allein im ersten Halbjahr.

WSJ-Reporterin Anissa Gardizy berichtet außerdem, Anthropic beziehe Rechenkapazität vor allem von Amazon, Google und Microsoft. Sie schildert Engpässe bei großen Cloud-Anbietern und Anthropic’s Blick auf kleinere Anbieter sowie eigene Rechenzentren.

Die Gründer kontrollieren laut Bericht die Mehrheit der Stimmen

Bloomberg Tech spricht auf Englisch mit Gil Luria über das Quartalsergebnis und die Stimmrechte der sieben Gründer.

Ein Bloomberg-Tech-Interview berichtet, dass sieben Anthropic-Gründer zusammen 50,1 % der Stimmrechte halten. Diese Zahl beschreibt ihre Kontrolle über Abstimmungen, nicht ihren Anteil am wirtschaftlichen Eigentum. Für künftige öffentliche Aktionäre könnte das entsprechend weniger Einfluss auf Unternehmensentscheidungen bedeuten.

Im selben Interview nennt Ed Ludlow das GAAP-Betriebsergebnis von 974 Mio. US-Dollar und eine Betriebsmarge von 8 % für Q2. Gil Luria von D.A. Davidson deutet die Zahlen als Hinweis auf Profitabilität. Das ist seine Einordnung eines Quartalsergebnisses, keine Aussage über eine dauerhaft erzielte Profitabilität.