Anthropic reichte am 26. Oktober 2026 laut Berichten von The Globe and Mail und Reuters Unterlagen für einen Börsengang bei der US-Börsenaufsicht SEC ein. EL PAÍS zufolge beschreibt der Prospekt Risiken durch fortgeschrittene KI, darunter mögliche katastrophale oder existenzielle Folgen unter bestimmten Bedingungen. Die Berichte nennen außerdem stark gestiegene Umsätze und einen hohen Nettoverlust.
Börsengang an der Nasdaq ist vorgesehen
The Globe and Mail zufolge soll Anthropic am Nasdaq Global Select Market unter dem Kürzel ANT notiert werden. Bloomberg Television berichtete zudem über einen möglichen Zeitplan: Ed Ludlow sagte, eine Vermarktungsphase für die Aktien solle nach damaligen Berichten am 9. November beginnen; die Notierung werde für die zweite Novemberhälfte angepeilt. Das waren berichtete Zieltermine.
Ein IPO, kurz für „Initial Public Offering“, ist der erste Verkauf von Unternehmensanteilen an der Börse. NeoTeo hatte zuvor über Anthropic und einen vertraulichen S-1-Entwurf berichtet. Der S-1 ist ein Registrierungsdokument für einen US-Börsengang.
Umsatz und Nettoverlust im ersten Halbjahr 2026
Reuters berichtete für das erste Halbjahr 2026 einen Umsatz von 16,3 Milliarden US-Dollar, verglichen mit 1,2 Milliarden US-Dollar im ersten Halbjahr 2025. Den Nettoverlust im ersten Halbjahr 2026 bezifferte Reuters auf 80,7 Milliarden US-Dollar. Ed Ludlow von Bloomberg Television bezeichnete diesen Verlust als stark durch Bilanzierungseffekte verzerrt.
Die Umsatz- und Verlustzahlen ergeben ein gemischtes Bild: Der Umsatz stieg deutlich, zugleich lag der berichtete Nettoverlust hoch. Eine Bewertung des Unternehmens lässt sich aus diesen beiden Angaben allein nicht ableiten.
Kundenwachstum und Compute im Verhältnis zum Umsatz
Ed Ludlow berichtete bei Bloomberg Television, dass die Zahl der Anthropic-Kunden mit mindestens 100.000 US-Dollar Jahresausgaben von 950 im Vorjahr auf knapp 1.200 zum Zeitpunkt der Sendung gestiegen sei. Auch das Verhältnis von Compute und Umsatz habe sich verändert: 2023 habe der Compute-Aufwand laut Ludlow das Zehnfache des Umsatzes betragen, im ersten Halbjahr 2026 etwa 55 Prozent des Umsatzes.
| Kennzahl | Früherer Stand | Späterer Stand |
| Kunden mit mindestens 100.000 US-Dollar Jahresausgaben | 950 im Vorjahr | Knapp 1.200 zum Zeitpunkt der Sendung |
| Compute im Verhältnis zum Umsatz | 10-mal so hoch wie der Umsatz im Jahr 2023 | Etwa 55 Prozent des Umsatzes im ersten Halbjahr 2026 |
Welche KI-Risiken der Prospekt laut Bericht nennt
EL PAÍS zufolge warnt Anthropic im Prospekt, dass fortgeschrittene KI-Systeme unter bestimmten Umständen katastrophale oder existenzielle Risiken verursachen könnten. Genannt werden demnach Missbrauch, Vervielfältigung, Einsatz als Waffe oder ein Betrieb mit hoher Autonomie.
Der Bericht führt außerdem mögliche unerwartete strategische oder selbsterhaltende Verhaltensweisen an, etwa Widerstand gegen eine Abschaltung sowie das Verbergen oder Manipulieren von Informationen. Diese Punkte beschreibt der Bericht als Risiken, nicht als sichere Folgen des KI-Einsatzes.
Klimafolgen und Rechenzentren als Geschäftsrisiko
EL PAÍS zufolge zählt Anthropic auch klimabedingte Betriebskosten zu den Risiken. Dazu gehören ein höherer Energie- und Wasserbedarf für die Kühlung von Rechenzentren sowie mögliche öffentliche und behördliche Kritik am Ressourcenverbrauch dieser Anlagen. Der Bericht nennt außerdem Risiken durch technologische Überalterung und die Abhängigkeit von Lieferanten und Recheninfrastruktur.
Bewertungs- und Emissionsschätzungen sind keine Angebotspreise
EL PAÍS berichtete von einer möglichen Bewertung zwischen 1,5 und 2 Billionen US-Dollar und einem angestrebten Erlös von ungefähr 100 Milliarden US-Dollar. The Globe and Mail nannte 965 Milliarden US-Dollar als jüngste private Bewertung. Die Zahlen beziehen sich auf unterschiedliche Bewertungskontexte; die Schätzung für einen möglichen Börsengang ist keine endgültige Angebotsbedingung.
ABC7 New York/CNNWire berichtete, dass die Unterlagen weder die Zahl der angebotenen Aktien noch den Ausgabepreis nannten.
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