Anthropic veröffentlichte am 12. Oktober 2026 eine Studie zu selbstreplizierender KI. Sie berichtet über drei getrennte Fähigkeiten in kontrollierten Tests: verteilte Inferenz auf Android-TV-Boxen, die Einrichtung von Modellen auf unterschiedlicher Hardware und einen gezielt ausgeführten Ablauf in einem Emulatornetz. Eine autonome Infektion realer IoT-Geräte gehörte nicht zu den Ergebnissen.

Drei Tests, drei verschiedene Fähigkeiten

Für die verteilte Inferenz – das Ausführen eines Modells auf mehrere Geräte verteilt – nutzte Anthropic Gemma4-26B-A4B auf 15 Android-TV-Boxen mit jeweils 4 GB RAM. Die angegebene Geschwindigkeit betrug 0,39 Token pro Sekunde.

Ein separater Hardwaretest prüfte, ob ein Modell die Inferenz auf unterschiedlichen Gerätetypen einrichten konnte. Qwen3.5-9B gelang das bei acht von neun getesteten Hardwaretypen, zu denen Jetson Nano, Mac-PCs und RTX 4090 gehörten. Für die untersuchten Geräte schätzte Anthropic die unoptimierte Einrichtung auf 71 bis 150 Stunden für Gemma4-26B-A4B und 28 bis 51 Stunden für Qwen3.5-9B.

Was der Netzwerktest umfasste

Anthropic prüfte außerdem einen gerichteten Replikationsablauf in einem abgeschirmten Netzwerk aus acht Android-15-Emulatoren. Zwischen den Knoten war der Zugang über die Android Debug Bridge (ADB) nicht authentifiziert. GLM-5.2 steuerte den Ablauf und richtete auf den Zielgeräten das Inferenzmodell Llama3.1-8B ein. Die Zielgeräte konnten das größere GLM-5.2 selbst nicht ausführen.

GLM-5.2 erreichte in vier von fünf Durchläufen alle acht Knoten; im fünften Durchlauf waren es sieben. Anthropic testete damit, ob ein Modell eine vorgegebene Abfolge von Aufgaben bewältigen konnte. Ob ein Modell selbstständig beschließt, sich auszubreiten, war kein Bestandteil dieses Tests.

Als möglichen Unterschied zu herkömmlichen IoT-Botnetzen beschreibt Anthropic die Anpassung der Inferenz an unbekannte Hardware und die Weitergabe von Notizen an spätere Modellinstanzen. Diese Fähigkeiten bilden den Kern der untersuchten Frage; der Netzwerktest blieb jedoch ein abgeschirmter Ablauf mit vorbereitetem Zugang und festgelegtem Zielmodell.

Wie Anthropic die Prognose für Ende 2026 ableitete

Anthropic schätzte, dass kleinere Modelle bis Ende 2026 das im Test erreichte Fähigkeitsniveau erreichen könnten, sofern sich ihre Entwicklung im bisherigen Tempo fortsetzt. Dafür wertete das Unternehmen den Epoch Capabilities Index (ECI) aus, einen allgemeinen Index für Modellfähigkeiten, und betrachtete bemerkenswerte Open-Weight-Modelle mit höchstens 30 Milliarden Parametern insgesamt.

Die angepasste Trendlinie ergab einen Zuwachs von 13,7 ECI-Punkten pro Jahr bei einem R²-Wert von 0,95. Anthropic bezeichnet den ECI als Näherungswert für die Fähigkeit zur Replikation und die zeitliche Prognose als grob. Sie ist eine bedingte Hochrechnung, kein direkter Test der Ausbreitung eines Wurms.

Ein historischer Mirai-Wert zur Eindämmung

Anthropic verweist auf eine frühere Bereinigung des IoT-Botnetzes Mirai: Ein Internetanbieter isolierte infizierte Anschlüsse, beschränkte den Zugriff auf eine Whitelist von Websites und leitete Browser zu Anweisungen für die Bereinigung um. Innerhalb von 14 Tagen wurden laut Anthropic 92 Prozent der Infektionen beseitigt, wenn Kunden benachrichtigt wurden; ohne Benachrichtigung waren es 74 Prozent.