Die ASRock X870E Taichi White ist eine leistungsfähige, aber teure AM5-Platine. Ihr Mehrwert liegt in der konsequent weißen Optik, 10-GbE-Netzwerk, sehr vielen Anschlüssen, starker Kühlung und komfortablen Einbau-Details – nicht in einem klaren Vorsprung bei der Spieleleistung. Für einen weißen High-End-PC ist sie spannend; für einen gewöhnlichen Gaming-Rechner wirkt der Aufpreis deutlich schwerer begründbar.
Das kurze Urteil
Die ASRock X870E Taichi White richtet sich an Enthusiasten, die ein abgestimmtes weißes System bauen und die zusätzliche Konnektivität auch ausreizen. Wer ein schnelles Netzwerk mit 10 GbE, mehrere Hochgeschwindigkeitsgeräte per USB4 oder besonders viel Spielraum bei Speicher und Erweiterung braucht, bekommt ein sehr gut ausgestattetes Fundament.
Für Gaming allein kauft man hier jedoch keine schnellere Grafikkarte. Die vorliegenden Tests zeigen eine stabile, insgesamt durchschnittliche Plattformleistung. Das Board ist kompetent bei Spielen, Rendering, Encoding und Büroaufgaben, führt die Leistungstabellen aber nicht an. Kurz gesagt: Premium-Ausstattung statt Premium-FPS.
Was die White Edition anders macht
Die Platine setzt auf ein weiß-silbernes Erscheinungsbild mit großen Metall- und weißen Kühlkörpern. Das ist nicht bloß ein kleiner Farbtupfer: In einem hellen Showcase-Gehäuse wirkt die gesamte Plattform dadurch deutlich geschlossener als ein gewöhnliches schwarzes Mainboard.
Technisch bringt die White Edition eine Reihe von Eigenschaften mit, die über die Optik hinausgehen. Dazu zählen 10 GbE über den Controller Marvell Aquantia AQC113, Wi-Fi 7, zwei USB4-Anschlüsse und eine aktive VRM-Kühlung. ASRock beschreibt die Stromversorgung offiziell als 24+2+1-Phasen-Design mit 110A-SPS-Stufen. Diese Angabe ist die sinnvolle Grundlage für die Einordnung; auf eine weitergehende Phasenzählung lässt sich das Datenblatt nicht belastbar verkürzen.
Die Platine misst 30,5 × 26,7 cm und verwendet den E-ATX-Formfaktor. Das solltest du vor dem Kauf nicht als Nebensache abtun: Gehäuse, Kabeldurchführungen und Platz für breite Grafikkarten müssen zur größeren Platine passen.
Anschlüsse, Speicher und Erweiterung
Die Ausstattung ist der eigentliche Star dieses Boards. Die folgende Übersicht übersetzt die wichtigsten Daten in konkrete Bauentscheidungen:
| Ausstattung | Unterstützte Ausstattung | Praktische Folge | Geeignet für |
| Rückseitige USB-Anschlüsse | 12 Ports, darunter zwei USB4 Type-C mit 40 Gb/s | Viele schnelle Geräte lassen sich ohne zusätzliche Hubs anschließen | Arbeitsplätze mit Laufwerken, Docks und Aufnahmehardware |
| Netzwerk | 10 GbE über Marvell Aquantia AQC113, dazu Wi-Fi 7 | Sehr schnelle kabelgebundene Übertragungen und moderne Funkanbindung | NAS-Nutzer, große lokale Datenbestände und leistungsfähige Heimnetzwerke |
| M.2-Speicher | Ein PCIe-5.0-x4-Steckplatz und drei PCIe-4.0-x4-Steckplätze | Vier schnelle NVMe-Laufwerke sind möglich; nur eines nutzt PCIe 5.0 | Spielebibliotheken, Arbeitsdaten und mehrere getrennte Laufwerke |
| Arbeitsspeicher | Vier DDR5-Steckplätze, bis 256 GB, bis DDR5-8200+ übertaktet | Viel Kapazität und hoher Speichertakt sind vorgesehen | Enthusiasten, Produktivität und große Projekte |
| Erweiterung | Zwei PCIe-5.0-x16-Steckplätze, bei Belegung x8/x8 | Zwei Grafikkarten oder andere große Erweiterungskarten können grundsätzlich mit x8/x8 betrieben werden | Systeme mit mehreren Karten – sofern Gehäuse und Kartenbreite mitspielen |
| Massenspeicher über SATA | Drei SATA-Ports mit 6 Gb/s | Für einige SATA-Laufwerke reicht es, große Laufwerkssammlungen sind weniger bequem | Systeme mit überwiegend NVMe-Speicher |
Die zwei langen PCIe-5.0-Steckplätze unterstützen bei gemeinsamer Nutzung den Betrieb mit x8/x8. Das beantwortet die Frage nach zwei Grafikkarten grundsätzlich mit Ja. In der Praxis entscheidet aber die Mechanik: Eine E-ATX-Platine, breite Kühler und dicke Grafikkarten können sich im Gehäuse schnell gegenseitig die Luft und die Steckplätze nehmen.
Bei der drahtlosen Ausstattung solltest du außerdem den konkreten Nutzen deines Netzwerks prüfen. Wi-Fi 7 klingt groß, die hier angegebene Implementierung arbeitet mit 160 MHz. Wer bereits ein schnelles kabelgebundenes Netzwerk besitzt, fährt mit 10 GbE ohnehin planbarer – sofern die restliche Infrastruktur diesen Durchsatz unterstützt.
Kühlung und Einbau
Die Stromversorgung sitzt unter einem über eine Heatpipe verbundenen Kühlkörperverbund. Ein aktiver Lüfter unterstützt die VRM-Kühlung, bleibt im Leerlauf aus und wird unter Last zugeschaltet. Das ist eine ungewöhnliche, aber nachvollziehbare Lösung für eine Plattform, die mit leistungsstarken Ryzen-Prozessoren betrieben werden soll.
Auch beim Einbau zeigt sich, dass ASRock nicht nur auf Datenblatt-Maximalismus setzt. Die M.2-Kühlkörper verwenden einen Schnellverschluss, und ein M.2-Key-Latch hält mindestens ein Laufwerk ohne herkömmliche Schraube. Das spart keine Stunden, verhindert aber den typischen Mini-Schrauben-Zirkus unter dem Schreibtisch. Ein Zwei-Zeichen-Dr.-Debug-Display sowie Onboard-Tasten für Einschalten und Zurücksetzen helfen bei der Fehlersuche.
Für Lüfter und Pumpen stehen acht 4-Pin-Anschlüsse bereit, die PWM und DC unterstützen. Dazu kommen Anschlüsse für adressierbare Beleuchtung und ein 4-Pin-RGB-Anschluss. Der Audiobereich kombiniert den Codec Realtek ALC4082 mit einem ESS SABRE9219 DAC; der Kopfhörerausgang an der Front ist für Headsets bis 600 Ohm ausgelegt.
Leistung und Preis-Leistung
Die Leistung fällt solide aus, bleibt aber im großen Ganzen durchschnittlich. Das gilt für Spiele ebenso wie für Produktivitätsaufgaben: Die ASRock X870E Taichi White arbeitet zuverlässig und konsistent, liefert aber keinen überzeugenden Grund, sie allein wegen höherer Benchmarkwerte zu kaufen.
Stärker ist das Gesamtpaket bei den Temperaturen und der Plattformausstattung. Die VRM-Kühlung und die SSD-Kühlung schneiden gut ab, während die Unterschiede beim Gaming zwischen vergleichbaren Platinen generell klein bleiben. Auch DDR5-8000 wurde mit dem verwendeten Testkit bewältigt. Das spricht für eine solide Enthusiastenbasis, ist aber kein Freifahrtschein für jede beliebige Speicherkonfiguration.
Ein deutscher Preis ist für die White Edition in den vorliegenden Marktdaten nicht belastbar ausgewiesen. Die US-Preise aus der Testphase lagen bei 449,99 US-Dollar beziehungsweise 438,99 US-Dollar – zeitgebundene Angaben, die sich nicht auf Deutschland übertragen lassen. Für die Kaufentscheidung hierzulande zählt deshalb vor allem die Ausstattung, die du tatsächlich nutzt, nicht eine vermeintlich exakte Umrechnung.
Für wen lohnt sich das Board?
Die ASRock X870E Taichi White ist besonders plausibel, wenn mehrere dieser Punkte auf deinen Rechner zutreffen:
- Du baust einen weißen Showcase-PC und möchtest, dass Mainboard, Kühler und Gehäuse optisch zusammenpassen.
- Du kannst 10 GbE mit einem passenden Switch, NAS oder einer schnellen Arbeitsstation nutzen.
- Du brauchst viele rückseitige USB-Anschlüsse und mindestens einen USB4-Port für schnelle Peripherie.
- Du planst mehrere NVMe-Laufwerke und willst trotzdem zwei PCIe-5.0-Erweiterungsplätze behalten.
- Du setzt auf einen Ryzen 7000-, 8000- oder 9000-Prozessor und möchtest eine üppig ausgestattete AM5-Plattform.
Für einen normalen Gaming-PC ist die Antwort nüchterner: Ja, das Board ist gut zum Spielen geeignet. Nein, es liefert keinen wichtigen Gaming-Vorteil gegenüber einer deutlich einfacheren Platine. Wenn eine Grafikkarte, ein Laufwerk und ein gewöhnliches 2,5-GbE-Netzwerk genügen, bezahlst du hier für Reserven und Komfort, die vielleicht ungenutzt bleiben.
Die Nachteile, mit denen du leben musst
Der größte Nachteil ist der Preisaufschlag. Die weiße Optik und 10 GbE sind echte Differenzierungsmerkmale, aber nur dann wertvoll, wenn sie zu deinem Build und Netzwerk passen. Dazu kommt, dass es trotz vier M.2-Steckplätzen nur einen PCIe-5.0-Anschluss für M.2-Laufwerke gibt. Wer viele SATA-Laufwerke einbauen möchte, stößt mit drei Ports schneller an Grenzen als bei der schwarzen Taichi-Variante, die sechs SATA-Anschlüsse bietet.
Auch die BIOS- und Lüftersteuerung wurde in den Tests nicht als völlig ausgereift beschrieben. Das ist kein Grund, die Platine grundsätzlich abzuschreiben, aber bei einem so teuren Mainboard darf die Software gern genauso souverän wirken wie die Hardware. Die Wi-Fi-7-Anbindung mit 160 MHz ist zudem nicht die maximal großzügige Auslegung dessen, was der Standard verspricht.
Fazit: Eine Luxusplatine mit klarem Einsatzgebiet
Die ASRock X870E Taichi White ist eine funktionsreiche, thermisch starke und optisch konsequente AM5-Platine. Ihre besten Argumente heißen weiß-silbernes Design, 10 GbE, USB4, umfangreiche I/O, aktive VRM-Kühlung und komfortabler Einbau. Bei der reinen Rechen- und Spieleleistung bleibt sie dagegen im erwartbaren Mittelfeld.
Damit ist sie keine schlechte Gaming-Platine – im Gegenteil. Sie ist nur eine schlechte Wahl, wenn du für den hohen Aufpreis ausschließlich mehr FPS erwartest. Für einen weißen Enthusiasten-PC mit schnellem Netzwerk und vielen Geräten ist sie eine überzeugende Luxuslösung. Für einen konventionellen Gaming-Rechner ist eine günstigere X870E-Platine wahrscheinlich die vernünftigere Wahl.