Am 10. Mai 2026 wurde ein 52-jähriger belgisch-chinesischer Forscher an einem Brüsseler Flughafen festgehalten, als er einen Flug nach Beijing nehmen wollte. Belgische Staatsanwälte vermuten, dass der frühere leitende Forscher von BelGaN Geschäftsgeheimnisse zur Produktion von Galliumnitrid (GaN) nach China übertragen haben könnte. Der Vorwurf ist Gegenstand eines laufenden Falls – eine Verurteilung liegt nicht vor.
Was im BelGaN-Fall berichtet wird
Im Mittelpunkt steht der Verdacht, dass der Forscher Wissen aus der Halbleiterproduktion von BelGaN weitergegeben haben könnte. BelGaN war auf Halbleiter aus Galliumnitrid spezialisiert. Die belgische Bundesstaatsanwaltschaft ermittelt nach den vorliegenden Angaben unter anderem wegen mutmaßlicher Industriespionage, der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, der missbräuchlichen Verwendung von Unternehmensvermögen und der unrechtmäßigen Offenlegung von Geschäftsgeheimnissen.
Die Festhaltung am 10. Mai 2026 erfolgte demnach kurz vor dem geplanten Abflug nach Beijing. Der Mann wird in der Berichterstattung als belgisch-chinesischer Staatsbürger beschrieben und war zuvor in einer leitenden Forschungsposition bei BelGaN tätig.
Die gemeldete Verbindung zu GanKool
Im Zusammenhang mit den Ermittlungen wird GanKool als chinesisches Unternehmen genannt, das an ähnlicher GaN-Technologie gearbeitet haben soll. Ermittler vermuten demnach, dass der Forscher dort gleichzeitig eine führende Rolle innehatte. Diese Verbindung ist jedoch nicht als gerichtliche Feststellung belegt; ebenso wenig ist geklärt, welche konkreten technischen Informationen möglicherweise übertragen worden sein könnten.
Damit sind zwei Dinge auseinanderzuhalten: Der Verdacht gegen den Forscher bezieht sich auf eine mögliche Weitergabe von BelGaN-Geschäftsgeheimnissen. Daraus folgt nicht, dass eine solche Weitergabe bewiesen ist oder dass GanKool diese Informationen erhalten hat.
BelGaN, Insolvenz und Beweismittel
BelGaN wurde im Juli 2024 für insolvent erklärt. Das Unternehmen hatte zuvor rund 400 Menschen beschäftigt. Die Untersuchung der Insolvenz steht im zeitlichen Zusammenhang mit den später bekannt gewordenen Spionageermittlungen; daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass ein möglicher Geheimnistransfer die Insolvenz verursacht hat.
Die Ermittler beschlagnahmten Datenträger sowie Geräte für elektronische Kommunikation. Diese Beweismittel wurden nach den vorliegenden Angaben ausgewertet. Welche Dateien, technischen Unterlagen oder Produktionsinformationen konkret betroffen sein sollen, ist nicht bekannt.
| Datum | Ereignis |
| Juli 2024 | BelGaN wurde für insolvent erklärt. |
| 10. Mai 2026 | Ein 52-jähriger Forscher wurde an einem Brüsseler Flughafen festgehalten, als er nach Beijing fliegen wollte. |
Warum Galliumnitrid wichtig ist
Galliumnitrid, meist GaN genannt, ist ein Halbleitermaterial. Im vorliegenden Fall geht es um Produktionswissen rund um dieses Material – nicht um eine öffentlich beschriebene Spezifikation eines bestimmten Verbraucherprodukts.
GaN wird mit verschiedenen technisch anspruchsvollen Einsatzfeldern in Verbindung gebracht, darunter Elektrofahrzeuge, Satelliten, Radarsysteme und elektronische Kriegsführung. Genau deshalb kann Know-how über die Herstellung von GaN-Halbleitern strategische Bedeutung haben. Welche Informationen in diesem Fall angeblich weitergegeben wurden, ist allerdings nicht öffentlich präzisiert.
Was offen bleibt
Die vorliegenden Angaben beschreiben einen Verdacht, eine Festhaltung und laufende Ermittlungen, aber keinen abschließenden gerichtlichen Befund. Es gibt keine berichtete Verurteilung des Forschers.
Die belgischen Staatsanwälte verfolgen außerdem einen zweiten Verdächtigen, dessen Identität nicht öffentlich genannt wurde. Eine mögliche Verbindung zu einem früheren BelGaN-Geschäftsführer bleibt Spekulation und ist nicht als Tatsache belegt.
Auch die Rolle von GanKool, der genaue Umfang einer möglichen technischen Überschneidung und die Art der angeblich übertragenen Geschäftsgeheimnisse sind nicht abschließend geklärt. Der entscheidende Punkt ist daher weniger ein fertiges Spionage-Narrativ als die Frage, ob sich der Verdacht anhand der beschlagnahmten digitalen Beweismittel und des weiteren Gerichtsverfahrens erhärten lässt.