Am 8. Oktober 2026 veröffentlichte SemiAnalysis einen Zensus zu Sicherheitsergebnissen chinesischer KI-Modelle: Bei 31 von 857 Releases (3,6 Prozent) fand die Forschungsfirma ein veröffentlichtes Ergebnis, das einem bestimmten Modell zugeordnet war. Bei neun Releases (1,1 Prozent) lag ein solches Ergebnis bereits zum oder vor dem Start vor.
Die Erhebung umfasste Releases von neun chinesischen Entwicklern aus dem Zeitraum 2021 bis zum 15. September 2026. Sie erfasst die öffentliche Offenlegung von Testergebnissen – nicht, ob ein Unternehmen ein Modell intern geprüft hat.
Was als modellspezifisches Sicherheitsergebnis galt
Für den Zensus zählte ein quantitativer oder inhaltlich konkreter Befund, der einem benannten Modell zugeordnet war. Die geprüften Bereiche umfassten etwa schädliche Ausgaben, die Widerstandsfähigkeit gegen Jailbreaks, Toxizität, Datenschutz, Verweigerungsverhalten und gefährliche Fähigkeiten.
Eine allgemeine Aussage, ein Modell sei auf Sicherheit trainiert oder evaluiert worden, reichte nicht aus. Auch ein Ergebnis für eine Modellgröße oder einen Versionsstand wurde nicht automatisch anderen Größen oder Versionen zugerechnet. So blieb die Zählung an das tatsächlich benannte Modell gebunden.
Wann die 31 Ergebnisse veröffentlicht wurden
SemiAnalysis teilte die Releases mit einem qualifizierenden Ergebnis nach dem Zeitpunkt der Veröffentlichung beziehungsweise der Zuordnung des Ergebnisses auf:
| Kategorie | Releases | Zeitpunkt oder Zuordnung |
| Ergebnis zum oder vor dem Start | 9 | Bis zum Start verfügbar |
| Ergebnis erst nach dem Release | 16 | Median 42 Tage später; längste angegebene Verzögerung: 349 Tage |
| Zeitpunkt oder Modellzuordnung unklar | 6 | Ein Ergebnis war vorhanden, aber Zeitpunkt oder Zuordnung ließ sich nicht eindeutig bestimmen |
Zusammen ergeben die drei Gruppen 31 Releases. Die Zahl für Ergebnisse zum oder vor dem Start bezieht sich auf den gesamten Zensus von 857 Releases, nicht nur auf die 31 mit irgendeinem Ergebnis.
Was fehlende öffentliche Angaben bedeuten
Für 813 Releases fand SemiAnalysis in den geprüften Materialien keine Entwickler-Offenlegung zu Sicherheitstests. Das bedeutet nicht, dass diese Modelle nicht getestet wurden: Unternehmen können Prüfungen intern durchgeführt haben, ohne Ergebnisse zu veröffentlichen.
Der Zensus unterscheidet damit zwischen dokumentierten Ergebnissen und einer nicht gefundenen öffentlichen Offenlegung. Für Leser, die die Sicherheitsarbeit von KI-Entwicklern beurteilen wollen, ist diese Trennung entscheidend: Eine veröffentlichte, einem Modell zugeordnete Bewertung lässt sich nachvollziehen; eine allgemeine Sicherheitsbehauptung liefert keinen vergleichbaren konkreten Befund.
Framework 3.0 empfiehlt Tests und Offenlegung
Das Nationale Technische Komitee 260 für Cybersicherheit (TC260) veröffentlichte am 14. September 2026 unter der Leitung der Cyberspace Administration of China (CAC) das AI Safety Governance Framework 3.0. Das Rahmenwerk empfiehlt regelmäßige Sicherheitstests sowie die wiederkehrende Offenlegung von Sicherheitsbewertungen, Audits und dem Umgang mit ungewöhnlichen Reaktionen. Die offizielle Mitteilung zur Veröffentlichung und der englische Rahmenwerkstext nennen außerdem Risiken wie unbefugten Zugriff auf Systemberechtigungen oder externe Ressourcen, das Umgehen von Schutzmaßnahmen, Täuschung bei Bewertungen und verborgene Fähigkeiten.
SemiAnalysis ordnet die bindenden chinesischen Regeln so ein, dass sie keine verpflichtenden, an Modellfähigkeiten geknüpften Risikoprüfungen für Frontier-Modelle vorschreiben. Diese rechtspolitische Einordnung der Forschungsfirma steht neben den Empfehlungen des Frameworks; eine Empfehlung zur Offenlegung ist für sich genommen keine gesetzliche Pflicht.
Was sich aus den Zahlen ableiten lässt
Der Zensus umfasst chinesische Entwickler, darunter Alibaba, ByteDance, Tencent, Baidu, DeepSeek, Moonshot AI, Zhipu, MiniMax und StepFun. SemiAnalysis weist darauf hin, dass die Release-Zahlen je nach Zählweise unterschiedlich viele Modellvarianten und Versionsstände erfassen. Unternehmenswerte eignen sich deshalb nicht als verlässliche Rangliste.
Die 857 Releases stammen aus China; für einen Vergleich der Offenlegungsquoten mit den USA bietet diese Erhebung keine entsprechende Grundlage. Sie zeigt, wie oft SemiAnalysis in seiner chinesischen Stichprobe ein konkretes, öffentlich zugängliches Sicherheitsergebnis einem Modell zuordnen konnte.