Stell dir vor, du bist ein Softwareentwickler, der daran interessiert ist, einen eigenen Browser zu entwickeln. Das Projekt soll Open Source sein, und du willst fast jeden verfügbaren Dienst unterstützen, einschließlich das Streaming von Audio und Video. Das bedeutet Netflix, Hulu, Disney Plus ... und ihre Interessen, also den Schutz von Inhalten, wenn sie über das Web gesendet werden. Das Problem ist: Wenn du versuchst, eine DRM-Lösung in deinen Browser zu integrieren, wirst du höchstwahrscheinlich völlig ignoriert ... oder es wird dir ein Vermögen abverlangt. Genau das ist dem Entwickler Samuel Maddock passiert.
Die EME-Revolution
Im Jahr 2017 verabschiedete das W3C einen Standard, der das Web für immer verändern sollte: Encrypted Media Extensions (EME). Diese Technologie ermöglichte es den großen Streaming-Anbietern, DRM einzusetzen, obwohl die ursprüngliche Idee war, sich davon zu entfernen. Wer heute einen Webbrowser entwerfen möchte, will natürlich Unterstützung für Plattformen wie Netflix und Hulu, und sein Code muss über eine Content Decryption Module (CDM) mit der EME-API interagieren, um geschütztes Material abzuspielen.
Der Fall von Metastream
Und so kommen wir zum Entwickler Samuel Maddock, der an einem unabhängigen Browser namens Metastream arbeitete (heute als Erweiterung umgesetzt). Metastream konnte Videos im Web abspielen, synchronisiert mit anderen Benutzern. Die Peers tauschten lediglich Informationen über die Wiedergabe aus, es fand zu keinem Zeitpunkt eine Übertragung von Audio oder Video statt. Damit Metastream mit den wichtigsten Streaming-Diensten funktionierte, benötigte Maddock ein CDM ... und es gibt nur drei Optionen: Widevine von Google, FairPlay von Apple und PlayReady von Microsoft.
Hier beginnen die Probleme. FairPlay ist nicht für Lizenzen offen, daher ist die Nutzung Apple vorbehalten. PlayReady hat einen bürokratischen Prozess, der in weniger als 25 Tagen abgeschlossen sein sollte, aber am Ende verlangt Microsoft eine sofortige Zahlung von 10.000 Dollar und 35 Cent pro verkaufter Einheit, wenn das Projekt kommerziell ist. Also ... Widevine?
Leider nein. Nachdem er vier Monate auf eine offizielle Antwort gewartet hatte, erhielt Maddock eine offizielle E-Mail von Widevine mit der Mitteilung, dass man seinen Antrag nicht genehmigen könne, weil das Metastream-Projekt Open Source sei. Genau so ist es: Der Web-Riese, der seine heutige Position Chromium und Android verdankt, verweigert unabhängigen Open-Source-Projekten den Zugang zu seinem CDM.
Auch Brave ist betroffen
Und das Schlimmste ist, dass Maddock nicht allein ist. Unsere Leser haben sicher vom Brave-Browser gehört, der sein Abenteuer auf Electron begann und später zu Chromium wechselte. Brian Bondy, Mitbegründer und CTO von Brave, beschrieb im August 2017 ähnliche Schwierigkeiten: Ein völliger Mangel an Kommunikation seitens der Chrome- und Widevine-Teams, der alle alternativen Browser betrifft und in extremen Fällen kann deren Funktion unter bestimmten Diensten beeinträchtigen.
Seit EME in Kraft getreten ist, ist der Wettbewerb zwischen Browsern zusammengebrochen. Wer etwas anderes machen will und DRM unterstützt, ist auf die Zeitpläne von Google angewiesen, und soweit wir sehen können, sind die nicht gut. Doch die Geschichte endet hier nicht.
Einerseits bricht EME eine wesentliche Richtlinie des W3C, nämlich die Möglichkeit, Webkomponenten ohne Genehmigungen oder Lizenzen zu implementieren. Andererseits ... funktioniert DRM nicht! Weißt du, wie lange ich brauche, um die kompletten Staffeln von The Witcher oder The Mandalorian zu finden (und herunterzuladen)? Weniger als zwanzig Sekunden. DRM bestraft selbst diejenigen, die ein wenig Kreativität auf den Tisch legen wollen.
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