Tim Berners-Lee ist kein Name, den man leicht vergisst. Immerhin wären diese Worte ohne seine Arbeit – und die seiner Kollegen – nicht hier veröffentlicht. Doch Berners-Lee ist inzwischen ein scharfer Kritiker seiner eigenen Schöpfung und der Art, wie sie genutzt wird. Sein nächstes Ziel ist es, genau wie das vieler anderer Experten, sie neu zu erfinden.

Der Schöpfer des Webs will es jetzt neu erfinden
Tim Berners-Lee

Eine kritische Bilanz nach 27 Jahren

Wenn Tim Berners-Lee sich Zeit nimmt, über das Web zu sprechen, sollten wir zuhören. Vor 27 Jahren schrieb er seinen berühmten Vorschlag einer „eine große Hypertext-Datenbank mit geschriebenen Links“ – und wahrscheinlich ahnte er damals nicht, welche Dimension seine Schöpfung annehmen würde. Dennoch ist Berners-Lee nicht glücklich über das, was er sieht, und die Richtung, die das Web eingeschlagen hat, behagt ihm nicht. Natürlich ist das Web aus allgemeiner Sicht etwas Großartiges, aber er betont auch, dass Spionage, das Blockieren von Portalen, das Recyclen von Nutzerinhalten und Fehler bei Weiterleitungen nur dazu beitragen, den ursprünglichen Geist zu untergraben, mit dem das Web geschaffen wurde – nämlich den Menschen zu helfen.

Der Schöpfer des Webs will es jetzt neu erfinden
Beim Gipfel wurden viele Ideen diskutiert

Das Foto stammt von Jason Henry für The New York Times.

Die Pläne: Dezentralisierung und Beständigkeit

Um das zu korrigieren, traf sich Berners-Lee mit anderen sehr prominenten Namen des Webs, darunter Brewster Kahle vom Internet Archive und Vint Cerf, einer der Köpfe hinter dem TCP/IP-Protokoll. Der Plan ist, eine neue Phase für das Web zu eröffnen – oder es womöglich komplett neu zu erfinden – und dabei viel mehr Aufmerksamkeit auf das Konzept der Dezentralisierung zu legen. Im Kern soll verhindert werden, was heute passiert: staatliche Behörden greifen nach Belieben ein, ohne jede Regulierung, und Konzerne haben privilegierte Positionen erlangt, mit der Fähigkeit, das Web zu bestimmen oder zu zerstören.

Gleichzeitig soll dieses „neue Web“ zwei kritische Aspekte garantieren: Stabilität und Beständigkeit. Vint Cerf wird zitiert: „Die Leute denken, dass digitale Dinge ewig halten, aber das stimmt heute nicht mehr.“

Ein weiterer Punkt, der bei diesem „Gipfel für ein dezentrales Web“ diskutiert wurde, ist die Verteilung von Webseiten ohne die traditionellen Kontrollmethoden – also die Verringerung der Rolle des herkömmlichen Webservers. Mehr Dezentralisierung bedeutet natürlich, Zwischenhändler zu eliminieren, und Berners-Lee selbst erkennt an, dass das nicht einfach wird. Seinen Worten zufolge ist das Web „bereits dezentralisiert“, aber das eigentliche Problem liegt in der Dominanz eines sozialen Netzwerks, einer Suchmaschine oder einer Microblogging-Plattform. Das Problem ist nicht technisch, sondern sozial.