Künstliche Intelligenz zu trainieren ist nur der erste Schritt. Der Wettbewerb wird intensiver, und die großen Namen der Branche müssen die Leistung ihrer Projekte genauer bewerten. Das nächste Ziel liegt in Videospielen – genauer gesagt in der Eroberung von StarCraft. Das führt uns zu Facebook, das mit einem eigenen Bot namens CherryPi an der AIIDE StarCraft AI Competition 2017 teilnahm. Die Ergebnisse waren nicht sonderlich schlecht, aber es fällt auf, dass es nicht in die Top 3 kam.
Warum ausgerechnet StarCraft?
Um die Bedeutung von StarCraft besser zu verstehen, muss man nur bei YouTube nach einem Turnier suchen, besonders wenn es in Südkorea organisiert wurde oder Spieler aus diesem Land teilnehmen. StarCraft ist dort praktisch Nationalsport, und es gab keine Übergangsprobleme nach dem Erscheinen der Fortsetzung. Blizzard würdigte diese Hingabe teilweise mit der Figur D.Va in Overwatch, einer ehemaligen südkoreanischen Profispielerin, die zur Pilotin der MEKA-Division wurde. Wenn Menschen so gut in StarCraft sind, frage ich mich, wie sie sich fühlen, wenn sie wissen, dass viele Künstliche Intelligenzen versuchen, das Spiel zu beherrschen – aber bevor sie sich Menschen stellen, kämpfen sie vorerst gegeneinander.
Die AIIDE StarCraft AI Competition 2017
So gelangen wir zur AIIDE StarCraft AI Competition 2017, die von David Churchill von der Memorial University of Newfoundland organisiert wurde. Alle Bots treten über BWAPI gegeneinander an, eine Bibliothek, die die direkte Verbindung mit der Engine von StarCraft: Brood War ermöglicht. Wer seine Fähigkeiten zeigen möchte, kann den Open-Source-Bot UAlbertaBot als Basis verwenden, solange er keine exakte Kopie nutzt. Doch die Neuheit: Facebook hat das Turnier nicht nur gesponsert, sondern auch einen eigenen Bot namens CherryPi eingebracht. Nach Tausenden von Partien wurden die Endergebnisse letzten Sonntagmorgen veröffentlicht, und mit einer Siegquote von 69,08 Prozent belegte CherryPi den sechsten Platz von insgesamt 28 Bots.
Ein langer Weg bis zum menschlichen Niveau
Der Sieger-Bot heißt ZZZKBot und stammt vom australischen Entwickler Chris Coxe. Seine Siegquote von 83,11 Prozent ist beachtlich, doch Coxe zögerte nicht, seinen Bot als „ein Beweis des Konzepts“ zu bezeichnen, mit einem Quellcode, der „nicht so gut“ sei. Mit anderen Worten: Künstliche Intelligenzen müssen noch einen langen Weg gehen, bevor sie menschlichen Spielern eine akzeptable Herausforderung bieten. Laut Churchill werden Bots aus Einzelprojekten, die auf strengen Regeln basieren, die Szene noch ein paar Jahre dominieren. Aber wenn Unternehmen wie Facebook und Google bereit sind, ihre gesamte Feuerkraft auf StarCraft zu richten, könnten die Zeiten viel kürzer werden.