Ein Preprint von Forschenden bei IMDEA Networks berichtet, dass alle neun untersuchten KI-Chatbots in den getesteten Konfigurationen mindestens einen Drittanbieter für Werbung oder Tracking kontaktierten. Gesprächsbezogene Daten wurden in sechs von neun Web-Clients und drei von acht Android-Clients übertragen. Die Tests fanden im Mai 2026 in Spanien statt.
Was die IMDEA-Networks-Studie zu KI-Chatbots berichtet
Untersucht wurden ChatGPT, Claude, Grok, DeepSeek, Perplexity, Gemini, Microsoft Copilot, Le Chat von Mistral und Meta AI. Insgesamt ordneten die Forschenden 124 Drittanbieter-Domains 44 Organisationen zu; 34 Organisationen klassifizierten sie als Anbieter für Werbung oder Tracking.
Die Messungen beziehen sich auf ausgewählte Verbraucher-Clients und die getesteten Abläufe. Sie beschreiben, welche Verbindungen und Datenübertragungen in diesen Konfigurationen auftraten.
Gesprächsbezogene Daten in Web- und Android-Clients
In sechs von neun Web-Clients und drei von acht Android-Clients erfassten die Forschenden Übertragungen von Gesprächsartefakten. Dazu zählten beispielsweise Gesprächskennungen und -URLs, Titel, Prompts oder Screenshots. Die Android-Zahl umfasst acht Apps; Gemini ist darin nicht enthalten.
| Client-Plattform | Clients mit Gesprächsartefakt-Übertragungen | Getestete Clients |
| Web | 6 | 9 |
| Android | 3 | 8 |
In fünf Web-Clients gingen Gesprächs-URLs oder zugehörige Kennungen an Drittanbieter. Drei dieser Übertragungen traten standardmäßig auf, zwei nach Zustimmung zu nicht notwendigen Cookies. Beim getesteten ChatGPT-Web-Client betraf ein solcher Datenfluss eine Gesprächs-URL oder -Kennung, die an Datadog übermittelt wurde.
Tracking, geteilte Links und spätere Abrufe
Eine im Chat erzeugte Freigabe-URL ist ein eigener Datenpfad. In den getesteten Freigabeabläufen ließen sich die geteilten Unterhaltungen bei allen neun Diensten ohne Anmeldung öffnen. Drittanbieter-Elemente auf solchen Seiten erhielten in den Tests ebenfalls Informationen aus dem Freigabeablauf.
Davon getrennt untersuchten die Forschenden späteren Zugriff auf eigens angelegte Canary-URLs. Solche Köder-URLs registrieren, wenn sie erneut aufgerufen werden. Für Grok zählte die Studie 70 spätere Abrufe von 70 IP-Adressen aus 14 Ländern, verteilt auf 48 autonome Systeme und vier Kontinente. Die wiederholten späteren Abrufe betrafen in diesem Test Grok.
Was Cookie-Wahl und Kontotyp in den Tests änderten
Nach Ablehnung nicht notwendiger Cookies blieben in den untersuchten Web-Konfigurationen 80,8 Prozent der Drittanbieter-Tracker aktiv. Die Ablehnung verringerte einige Datenflüsse; weitere Tracker wurden bei manchen Diensten nach Zustimmung zu Cookies aktiv.
Auch kostenlose und Premium-Verbraucherkonten nutzten in den getesteten Konfigurationen weitgehend ähnliche Tracking-Infrastruktur. Eine beobachtete Ausnahme betraf die Android-App von Claude: Intercom und Sentry traten beim kostenlosen Zugang auf, nicht aber beim Premium-Zugang. Die Forschenden merkten an, dass dynamische Codepfade zu solchen Unterschieden beitragen könnten.
Was Nutzer aus den Ergebnissen ableiten können
Die Untersuchung umfasste Verbraucherangebote mit festgelegten Profilen und Testbedingungen. Unternehmens- und Behördenkonten gehörten nicht zum Testumfang. Für vertrauliche Inhalte können Nutzer sensible Angaben weglassen und auf öffentliche Freigabelinks verzichten.