Zwei experimentelle Projekte nutzen den MediaTek MT7921AU als SDR-Empfänger: BirriaSDR und Mtk79ICAP. Welche Adapter sie unterstützen und wie weit sie abstimmen können, hängt vom jeweiligen USB-Gerät ab. Auch die Softwarewege unterscheiden sich: BirriaSDR greift direkt über USB zu, Mtk79ICAP setzt auf angepasste Firmware und einen Linux-Treiber.
Ein SDR, kurz für softwaredefiniertes Radio, verarbeitet Funksignale mit Software statt mit einer fest auf einzelne Funkaufgaben zugeschnittenen Empfangskette. Beide Projekte verwenden dafür I/Q-Abtastung: Sie erfassen zwei Signalanteile, aus denen sich das Funksignal digital weiterverarbeiten lässt. Die Projekte beschreiben experimentellen Empfang, keine allgemeine Funktion aller MT7921AU-Adapter.
Welche Adapter die Projekte unterstützen
Vor dem Ausprobieren lohnt sich ein Blick auf die USB-ID des Adapters. BirriaSDR nennt als getestetes Gerät einen COMFAST-Dongle mit der ID 3574:6211. Für diese Platine gibt das Projekt einen Abstimmungsbereich von 2.156 bis 2.610 MHz an. Bei Geräten mit der generischen ID 0e8d:7961 liegt die angegebene Untergrenze höher, bei 2.190 MHz; die Obergrenze beträgt ebenfalls 2.610 MHz. Die BirriaSDR-Projektdokumentation führt beide Gerätekennungen getrennt auf.
Mtk79ICAP nennt MT7921AU- beziehungsweise MT7961-USB-Sticks mit der ID 0e8d:7961 als unterstützte Hardware. Die Chipfamilie allein ist daher kein sicherer Hinweis darauf, dass ein bestimmter Dongle funktioniert. Entscheidend ist, ob sein USB-Gerät zu den vom jeweiligen Projekt genannten Varianten passt.
Abtastung und Empfangsbereiche im Vergleich
Die Abtastrate beschreibt, wie viele Signalwerte pro Sekunde erfasst werden. Die erfasste Bandbreite bezeichnet dagegen den Frequenzbereich, der in einem Modus auf einmal abgebildet wird. Der Abstimmungsbereich gibt an, auf welche Frequenzen sich der Empfänger einstellen lässt. Diese Angaben beantworten unterschiedliche Fragen.
| Merkmal | BirriaSDR | Mtk79ICAP |
| Dokumentierte USB-Hardware | Getesteter COMFAST-Dongle 3574:6211; außerdem Geräte mit ID 0e8d:7961 | MT7921AU- beziehungsweise MT7961-USB-Sticks mit ID 0e8d:7961 |
| I/Q-Abtastung | 14 Bit je I- und Q-Anteil, fest 40 MS/s; 40 MHz erfasste Bandbreite | Modi mit 20, 40 und 80 MHz; dazu 20,0008, 40,0016 und 80,0032 MS/s |
| Empfangsbereich | 3574:6211: 2.156–2.610 MHz; 0e8d:7961: 2.190–2.610 MHz; kein 5-GHz-Empfang | 2,4- und 5-GHz-Bänder; 80 MHz kontinuierlicher Betrieb erfordert das dichte Datenformat |
| Softwareweg | Userspace-Programm über libusb | Angepasste Linux-mt76-Treiber, gepatchte Firmware und SoapySDR-Schnittstelle |
| Änderungen und Betrieb | Programm wird in flüchtigen Speicher geladen; laut Projekt keine Schreibzugriffe auf Flash oder eFuse | Gepatchte Firmwaredatei und angepasste Treibermodule; Module nach Kernel-Updates neu bauen und installieren |
Mtk79ICAP dokumentiert 80-MHz-Betrieb, doch auf 5 GHz ist dieser Modus ohne aktiviertes dichtes Datenformat nur für Momentaufnahmen vorgesehen. Die hohe Datenrate beansprucht den Host stark. Für 80 MHz auf 2,4 GHz nennt das Projekt zudem ein Problem mit Kanal beziehungsweise Empfangsqualität. BirriaSDR bleibt bei 40 MS/s und unterstützt nach eigener Dokumentation kein 5-GHz-Band.
Ein Spektrum- und Wasserfalldiagramm zeigt, wie SDR-Software empfangene Signale darstellen kann. Gqrx visualisiert dabei Frequenzanteile im Spektrum und deren zeitliche Entwicklung im Wasserfall.
Treiber, Firmware und gleichzeitiger Monitor-Modus
BirriaSDR nutzt libusb im Userspace und lädt sein kleines Programm in den flüchtigen Gerätespeicher. Das Projekt gibt an, weder Flash noch eFuse zu beschreiben. Für den Zugriff muss die WLAN-Schnittstelle für libusb frei sein; außerdem darf kein herstellerspezifischer ROM-Patch geladen sein. Als getestete Umgebungen nennt das Projekt Linux auf dem Raspberry Pi 5 und macOS auf Apple Silicon.
Mtk79ICAP verlangt eine gepatchte WLAN-Firmware, passende Linux-Kernel-Header und angepasste mt76-Module. Nach einem Kernel-Update müssen die Module neu gebaut und installiert werden. Die Firmwaredatei der Distribution lässt sich laut Projekt wiederherstellen, indem die gepatchte Datei entfernt wird.
Mit Mtk79ICAP kann die WLAN-Erfassung im Monitor-Modus parallel zum SDR-Datenstrom laufen, wenn die automatische Verstärkungsregelung (AGC) eingeschaltet ist. Bei fest eingestellter Verstärkung dekodiert der Chip während des SDR-Streamings keine Monitor-Modus-Frames. Für gleichzeitige Erfassung ist die AGC-Einstellung also entscheidend.
Was die Empfangswerte aussagen
Beide Projekte beschreiben experimentelle Systeme. BirriaSDR bezeichnet Empfindlichkeit, Verstärkung und Frequenzgenauigkeit als unkalibriert; außerdem können Signale außerhalb der erfassten Bandbreite durch Aliasing in den erfassten Bereich gelangen. Mtk79ICAP weist ebenfalls auf unkalibrierte Pegel hin und erklärt, dass einige Registereinstellungen durch Reverse Engineering ermittelt wurden. Die angegebenen Modi und Frequenzbereiche sind daher keine kalibrierten Leistungswerte für jeden Adapter.