Nokia weitete am 21. Oktober 2026 seine AI-RAN-Zusammenarbeit mit NVIDIA aus: Die Arbeit soll KI stärker in die Funkverarbeitung bringen, Rechenleistung näher an Datenquellen rücken und KI-Agenten für verschiedene Netzbereiche ermöglichen. Am selben Tag meldete die Deutsche Telekom bei gemeinsamen Labortests mit Nokia und NVIDIA 10 bis 15 Prozent mehr Uplink-Durchsatz durch KI-basierte Kanalschätzung. Nokia berichtete außerdem von einem AI-RAN-Anruf über T-Mobiles Live-Netz in Bellevue, Washington.
Wie AI-RAN Rechenarbeit zwischen Funk und KI aufteilt
Ein Funkzugangsnetz, kurz RAN, verbindet Mobilgeräte über Funk mit dem übrigen Netz. Nokia beschreibt AI-RAN als Ansatz, bei dem KI-Anwendungen und Funknetzfunktionen beschleunigte Rechenleistung gemeinsam nutzen können. Die Berechnungen lassen sich näher an die Datenquellen verlagern, wenn etwa kurze Reaktionszeiten, begrenzte Geräteleistung oder Anforderungen an die Datensouveränität dafür sprechen.
Bei einer Vorführung auf dem MWC26 übertrug ein Smartphone Video per 5G an eine mit einer GPU ausgestattete VDU. Dort analysierte ein KI-Modell Kamerabilder und erkannte unter anderem ein Notizbuch und eine Tastatur. Das veranschaulicht einen möglichen Arbeitsablauf: Das Gerät liefert Bilddaten, das Mobilfunknetz transportiert sie und ein Rechner verarbeitet sie nahe am Netz. Nokia stellte diese Vorführung auf der Messe vor.
Deutsche Telekom meldet 10 bis 15 Prozent mehr Uplink-Durchsatz
Die Deutsche Telekom berichtete am 21. Oktober 2026 von typischen Durchsatzsteigerungen zwischen 10 und 15 Prozent bei KI-basierter Kanalschätzung im Uplink, also bei der Datenübertragung vom Endgerät zum Netz. Die Tests fanden in Laboren der Telekom in Bonn und von Nokia in Oulu statt; bei komplexeren Funkbedingungen fiel der Zugewinn größer aus.
Die Tests kombinierten kommerzielle 5G-RAN-Software von Nokia mit NVIDIA Aerial RAN Computer. Das KI-Modell schätzte dabei den Funkkanal für den Physical Uplink Shared Channel (PUSCH), über den Nutzerdaten vom Gerät zum Netz gelangen. Nach erfolgreicher Validierung im Labor wollten die Unternehmen die Technologie in einem Feldtest mit kommerziellen Systemen unter realen Funkbedingungen prüfen.
Nokia meldete einen AI-RAN-Anruf auf T-Mobiles Live-Netz
Nokia berichtete, dass ein AI-RAN-Anruf an einem kommerziellen Mobilfunkstandort in Bellevue über T-Mobiles produktives Netz geführt wurde. Nach Nokias Angaben kamen dabei ein Massive-MIMO-Funkgerät, 5G-Software von anyRAN, Serverinfrastruktur auf Basis von NVIDIA Aerial RAN Computer, ein kommerzieller 5G-Kern und kommerzielle Endgeräte zum Einsatz.
Der berichtete Anruf und die Labormessungen der Deutschen Telekom sind unterschiedliche Vorgänge: Der Anruf lief über ein produktives Mobilfunknetz, während die 10 bis 15 Prozent aus kontrollierten Labormessungen zur Kanalschätzung stammen.
Supermicro stellte eigene AI-RAN-Systeme vor
Supermicro kündigte am 21. Oktober 2026 eine separate Infrastrukturkonfiguration mit NVIDIA und Nokia an. Sie verbindet Supermicros Server, NVIDIA-Beschleuniger und Aerial RAN Computer mit Nokias Funknetztechnik und Software. Zu den von Supermicro beschriebenen Systemen gehören:
- ARC-Compact: ein kurzes 1U-System für Netzfunktionen am Rand des Mobilfunknetzes.
- ARC-Pro mit zwei Knoten: pro Knoten eine NVIDIA Grace C1 CPU und eine NVIDIA RTX PRO 4500 Blackwell Server Edition GPU. Supermicro nennt ein 429 Millimeter tiefes Gehäuse und bis zu 1,6 PFLOPS FP4-KI-Rechenleistung.
- ARC MGX 2U: für zentrale Standorte mit wahlweise zwei NVIDIA Vera CPUs oder zwei x86-Prozessoren sowie zwei NVIDIA RTX PRO 6000 Blackwell Server Edition GPUs.
- ARC MGX 4U: für Kernstandorte mit bis zu acht NVIDIA RTX PRO 6000 Blackwell Server Edition GPUs.
Supermicro erklärte am 21. Oktober, seine NVIDIA-ARC-Server seien allgemein verfügbar. Für das ARC MGX 2U mit zwei Vera-Prozessoren nannte das Unternehmen eine Verfügbarkeit später im Jahr 2026. Kundentests des 2U-ARC-Pro waren ebenfalls für später im Jahr 2026 geplant; dessen allgemeine Verfügbarkeit sollte in der ersten Hälfte 2027 beginnen.