Zwei Monate. Zwei Monate sind vergangen, seit Nintendo die NES Classic auf den Markt gebracht hat. Sie wurde schnell zum begehrtesten System der Weihnachtssaison, so sehr, dass sich ihr Preis verdreifachte auf dem Zweitmarkt. Worauf alle gewartet hatten, war der Hack zum Installieren zusätzlicher Spiele. Der Vorgang ist noch etwas umständlich, liegt aber bereits auf Softmod-Niveau – wir müssen die Hardware also nicht aufschrauben.
Die Geschichte eines angekündigten Hacks
Die NES Classic (Classic Mini in unseren Breiten) war in erster Linie eine Reaktion auf tiefe Nostalgie. Viele Nutzer, die damals keine originale NES kaufen konnten, sahen hier die ideale Gelegenheit zur Revanche und dazu, ihr persönliches Universum in Ordnung zu bringen – ganz abgesehen von den Lieferproblemen, die die neue Konsole betrafen (und noch betreffen). Doch mit der Bestätigung des Starts begann unser „innerer Hacker“ zu schreien. Nintendo traf die seltsame Entscheidung, die Anzahl der Spiele auf dreißig zu begrenzen (mit je nach Region exklusiven Titeln), und auch die Auswahl war nicht gerade einleuchtend: So gibt es Mega Man 2 und Double Dragon 2, aber deren erste Teile fehlen. Sobald die Hardware-Enthusiasten ihre Krallen in die Konsole geschlagen hatten, begannen sie zu arbeiten…
Zwei Monate später: Der Hack ist da
… und sie brauchten nur zwei Monate. Mehrere Berichte deuten darauf hin, dass zwei Nutzer namens „madmonkey“ und „ClusterM“ die Methode und das Installationsprogramm entwickelt haben (getauft „hakchi“). Der Schlüssel für das Funktionieren des Hacks ist ein Spielstand im ersten Slot von Super Mario Bros. – sehr einfach zu erreichen. Danach schaltet man die Konsole aus, verbindet sie über ein hochwertiges Micro-USB-Kabel mit dem Computer, wechselt in den FEL-Modus (RESET gedrückt halten, während man die Konsole wieder einschaltet), installiert mit einem Werkzeug namens Zadig den USB-Treiber für den FEL-Modus der Allwinner-Chips und wählt danach entweder den manuellen Weg oder die Anwendung „hakchi2“, die anfangs mit einem offenbar falschen Positiv unter Windows Defender und anderen Antivirenprogrammen zu kämpfen hatte (die verlinkte Version zeigt 2 von 54 bei VirusTotal). Um die Zweifel auszuräumen, veröffentlichte ClusterM den Quellcode von hakchi2 und verzichtete auf UPX.
https://www.youtube.com/embed/DfklPLb14TQGrenzen, Risiken und Ausblick
Der Nutzer muss für jedes Spiel zusätzliche Metadaten ergänzen, darunter das Cover im JPG-Format (hakchi2 kann die Bilder direkt von Google holen) und die Anzahl der Spieler. Der Ladevorgang dauert insgesamt nicht länger als fünfzehn Minuten, auch wenn das je nach Spieleanzahl variiert. Wo liegt die Grenze? Die NES Classic besitzt einen internen Speicher von 512 Megabyte, aber auch das Betriebssystem und der Platz für Spielstände müssen berücksichtigt werden. Bis hierher empfiehlt die Community ein Maximum von 65 Spielen (30 originale + 35 nachgeladene), was zugleich einen Speicherplatz-Slot für jedes Spiel garantiert. Zum Abschluss sei betont: Manche ROMs funktionieren auf der Konsole schlicht nicht. Der bekannteste Fall ist Battletoads, das auf dem zweiten Bildschirm hängenbleibt. Ja, der ganze Vorgang birgt einige Risiken, aber die allgemeine Resonanz ist sehr positiv. Es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis man einen Weg findet, die Software von Grund auf zu ersetzen und den Speicher der Konsole zu erweitern.