Ein Angreifer mit ausreichend Geschick kann einen Computer dazu bringen, Informationen auf eine Weise preiszugeben, die der durchschnittliche Nutzer nicht einmal in Betracht zieht. Wir haben bereits Fälle wie das Radio eines Mobiltelefons, die Lüfter und sogar das Geräusch der Festplatte untersucht, aber jetzt sind die Kopfhörer an der Reihe. Mit einer Modifikation an den Realtek-Audio-Treibern wird jedes angeschlossene Kopfhörerpaar zu ein Mikrofon mit ähnlicher Leistung wie ein dediziertes passives Modell.
Die Ben-Gurion-Universität hat ein besonderes Interesse an Computersicherheit und Datenschutz gezeigt, so sehr, dass ihre Experten verschiedene Exfiltrationssysteme entwickelt haben, die aus allgemeiner Sicht zu komplex oder unpraktisch erscheinen. Dennoch erinnern uns diese Arbeiten an eine einfache Wahrheit: Verbrauchergeräte wurden nicht mit Sicherheit als Priorität entworfen. Selbst das Geräusch eines Lüfters kann Informationen übertragen, solange auf der anderen Seite ein geeigneter Empfänger vorhanden ist, aber das Filtern von Daten ist nur eine von vielen möglichen Aufgaben. Tatsächlich könnte ein Computer alles belauschen, was wir sagen, selbst wenn kein Mikrofon angeschlossen ist …
SPEAKE(a)R: So werden Kopfhörer zu Mikrofonen
Der offizielle Name für diese Technik ist „SPEAKE(a)R“, und im Wesentlichen verwandelt sie Kopfhörer in Mikrofone. Die Neuzuweisung von Anschlüssen ist bei integrierten Soundkarten recht üblich, und je nach Hersteller kann der Benutzer die Rollen nach Belieben ändern. Die Treiber und Chips von Realtek fallen in diese Kategorie, sodass die Forscher der Ben-Gurion-Universität mit einem kleinen Hack am Treiber ein Paar Kopfhörer in ein Standard-Mikrofon verwandeln, das Stimmen mit einer Audioqualität aufnimmt, die der eines passiven Mikrofons ähnelt – mehr als genug, um ein privates Gespräch abzuhören.
Dass Kopfhörer als Mikrofon funktionieren, ist keine Neuheit. Das eigentliche Problem besteht aus zwei Teilen: Die Treiber sind unsicher, und die Präsenz der Realtek-Chips auf dem Markt ist beeindruckend. Die Leute von Realtek haben nach der Veröffentlichung von „SPEAKE(a)R“ keinen Kommentar abgegeben, und ich persönlich glaube nicht, dass sie etwas sagen werden. Möglicherweise gibt es die Möglichkeit, die Funktion auf Treiberebene zu „kauterisieren“, aber diese können durch frühere Versionen ersetzt werden, und außerdem würden andere Ressourcen wie die Konfiguration für mehrere Lautsprecher (5.1, 7.1 usw.) zunichte gemacht.