Trotz der weiten Verbreitung von Android sind die meisten Dienste und Anwendungen in diesem Betriebssystem proprietär, und das gilt auch für die Hardware. Die Leute von Purism bieten seit einiger Zeit Tablets und Laptops mit einem deutlich stärker ausgeprägten Open-Source-Profil an, doch nun haben sie sich entschieden, den Mobilbereich zu betreten und ihr Librem 5 vorzustellen. Das Smartphone verspricht eine saubere und private Linux-Umgebung, Schalter zum Deaktivieren von Komponenten und mehr Sicherheit.
Das Smartphone ist ein eindrucksvolles Beispiel für die Kombination aus Technologie und Bequemlichkeit, aber abgesehen von seinem Erfolg wurden große Opfer gebracht. Die Flexibilität der mobilen Umgebung zeigt sich fast ausschließlich in Apps, doch die Betriebssysteme und Geräte selbst lassen zu wünschen übrig. Hersteller veröffentlichen Updates langsam – oder gar keine –, verhindern die Reparatur ihrer Produkte und fördern geplante Obsoleszenz, ganz zu schweigen von der ständigen Datensammlung. Mehrere Unternehmen haben versucht, offenere und privatere Alternativen auf den Markt zu bringen, aber der Prozess ist alles andere als einfach. Das neue Purism Librem 5 ist ein Beweis dafür.
Die technischen Daten
Zunächst das, was die Verantwortlichen planen: Ein Smartphone mit Fünf-Zoll-Bildschirm, einem SoC i.MX 6 oder i.MX 8 mit Vivante-GPU, 3 GB LPDDR3-RAM, 32 GB internem Speicher, zwei Kameras, MicroSD-Steckplatz, 3,5-mm-Klinkenanschluss, WiFi- und Bluetooth-Konnektivität, einem USB-Typ-C-Anschluss und der üblichen Sensorgruppe. Bisher ähnelt es jedem anderen Smartphone, aber es gibt mehr.
Das Librem 5 wird Schalter enthalten, um Kamera, Mikrofon, Konnektivität und Baseband zu deaktivieren – das Baseband ist übrigens vom Prozessor getrennt – und es wird eine spezielle Linux-Distribution namens PureOS verwenden, obwohl auch andere installiert werden können. PureOS garantiert, dass Anrufe und Nachrichten zwischen Librem-5-Geräten mit Hilfe des dezentralen Matrix-Netzwerks vollständig sicher sind, aber es wird auch Unterstützung für herkömmliche Anrufe geben.
Der Preis der Privatsphäre
Warum habe ich gesagt, dass der Prozess nicht einfach ist? Kurz gesagt: Purism benötigt 1,5 Millionen Dollar, um das Librem 5 zu entwickeln. Wenn dieses Ziel nicht innerhalb von 60 Tagen erreicht wird, gibt es entsprechende Rückerstattungen, und das Projekt wird höchstwahrscheinlich abgesagt. Der Preis des Librem 5 hilft nicht gerade: 599 Dollar. Ist das Paket „Open-Source-privat-anonym“ diesen Betrag wert? Das muss jeder Nutzer für sich selbst beantworten.