Am 15. Oktober 2026 wurde PwnEscape als Linux-Sicherheitslücke CVE-2026-99999 öffentlich bekannt. Vercel und PWN.AI berichten, dass in Vercels Produktions-Sandboxes Host-Speicher offengelegt werden konnte. Abstürze und Host-Codeausführung zeigten die Forscher dagegen in eigenen Laborumgebungen. Der Fehler steckt in der IPv4-Netzwerkverarbeitung des Linux-Hosts, nicht im KVM-Code. Next.ink berichtet über die Veröffentlichung; die technischen Details beschreiben PWN.AI und Vercel.

Wie PwnEscape den IPv4-Verarbeitungspfad trifft

PwnEscape: Linux-Fix blockiert den gezeigten IPv4-Überschreibpfad
Englischsprachige Einordnung: Cristi Vlad erläutert PwnEscape und den Fehler im Linux-Netzwerkpfad.

Gastkontrollierte Prüfsummen-Metadaten können eine verzögerte Schreiboperation im Netzwerkpfad auslösen. Dabei kann sich ein IPv4-Header ändern, nachdem der Linux-Kernel ihn bereits geparst hat. Der Fehler betrifft damit den Linux-Host, der den Netzwerkverkehr verarbeitet; eine Linux-VM ist nicht allein deshalb betroffen, weil sie KVM verwendet. PWN.AI erläutert den Mechanismus.

Der begrenzte Testfall von PWN.AI macht die Geometrie greifbar: Auf 28 Byte logische lineare Paketdaten folgte eine Interpretation als 60 Byte langer IPv4-Header. So ergaben sich 32 Byte jenseits der logischen Paketdaten. Das beschreibt diesen konkreten Test, nicht eine feste Ausbeute für jedes Paket. Die 32 Byte lagen außerdem nicht zwangsläufig außerhalb des physisch reservierten Speichers.

Was in Produktion und im Labor gezeigt wurde

Vercel und PWN.AI verorten die Offenlegung von Host-Speicher in Vercels Produktions-Sandboxes. Abstürze und Host-Codeausführung fanden nach ihren Berichten auf Forschungsrechnern statt. PWN.AI beschreibt dort ausgewählte Schreibvorgänge von 64 Byte in den Host-Kernel sowie eine begrenzte Kette bis zu Root-Rechten auf einem eigenen KVM-Testsystem. Vercel nennt für die Labortests außerdem KVM- und Firecracker-Rechner, die seiner Konfiguration entsprachen. Vercels Bericht und die technische Offenlegung von PWN.AI unterscheiden diese Ergebnisse von der Produktionsdemo.

Als Ausgangspunkt nutzte der Forscher laut Vercel eine gewöhnliche Sandbox ohne Sonderzugriff. Die beschriebenen Tests setzen also keinen vorherigen Zugriff auf den Host voraus.

Was der Linux-Fix absichert

Der akzeptierte Linux-Upstream-Commit prüft vor der Prüfsummenvervollständigung, ob csum_start mindestens hinter dem Anfang des Netzwerk-Headers plus der geparsten IPv4-Headerlänge liegt. So soll die Prüfsummenverarbeitung nicht in den bereits geparsten IPv4-Header schreiben.

PWN.AI beschreibt die Änderung als zusätzliche Schutzprüfung gegen den demonstrierten IPv4-Header-Überschreibpfad. Sie prüft nicht, ob das Schreibziel das korrekte TCP- oder UDP-Prüfsummenfeld ist, und gestaltet die gesamte Prüfsummenverarbeitung nicht neu.

PWN.AI zufolge wurde der Fehler am 4. September 2026 privat an Kernel-Ansprechpartner gemeldet. Die öffentliche Diskussion über Patch-Vorschläge lief vom 19. bis 22. September. Next.ink berichtet, dass der Fix am 8. Oktober in den Linux-Netzwerkbaum aufgenommen und am 14. Oktober in den Mainline-Kernel integriert wurde. Am folgenden Tag wurden laut Next.ink der CVE-Eintrag und korrigierte stabile Kernelversionen veröffentlicht.

Gemeldete Kernelversionen und Distributions-Backports

Next.ink führte am 19. Oktober 2026 folgende Versionen als korrigiert auf: 5.10.272, 5.15.223, 6.1.190, 6.6.159, 6.12.113, 6.18.57 und 7.2.11. Der Bericht nennt außerdem Version 7.3 als nicht betroffen. Diese Versionsangaben stammen aus Next.inks Bericht; Distributionen können Sicherheitskorrekturen zurückportieren. Deshalb lässt sich der Patchstand nicht allein an einer upstream-ähnlichen Ausgabe von uname -r ablesen. Für ein konkretes System ist der Sicherheitshinweis der jeweiligen Distribution maßgeblich.