Im August haben wir über den harten Konflikt zwischen Kaspersky und der US-Regierung berichtet. Das FBI empfahl, alle Produkte des Unternehmens aufzugeben, aber laut den neuesten Informationen des Wall Street Journal ist es bereits zu spät. Der Bericht zeigt, dass eine Gruppe von Hackern unter dem Schutz der russischen Regierung klassifizierte Daten von einem Auftragnehmer der NSA erbeuten konnte, der das beliebte Antivirenprogramm von Kaspersky verwendete.
Der Konflikt zwischen Kaspersky und der US-Regierung
Ende August riet das FBI von der Installation und Verwendung der Lösungen des russischen Unternehmens ab und nahm sogar Kontakt zu mehreren Konzernen und Energieversorgern auf. Mitte September verschärfte das Heimatschutzministerium (Homeland Security) die Lage, indem es ankündigte, dass alle Bundesbehörden die Produkte von Kaspersky innerhalb von 90 Tagen identifizieren, einstellen und entfernen müssten. Die Position der Regierung von Donald Trump ist, dass Kaspersky zu einem „inakzeptablen Risiko“ für die nationale Cybersicherheit geworden ist, da seiner Auslegung des russischen Rechts zufolge Unternehmen wie Kaspersky mit Moskau zusammenarbeiten müssen (ob verpflichtend oder freiwillig), wenn dies verlangt wird.
Der Bericht des Wall Street Journal
Das Wall Street Journal hat mit einem Artikel den letzten Stein ins Rollen gebracht, in dem es einen organisierten Angriff von Hackern beschreibt, die mit dem russischen Geheimdienst in Verbindung stehen. Der Angriff ereignete sich irgendwann im Jahr 2015, als ein Auftragnehmer der NSA klassifiziertes Material aus seinem Netzwerk nahm und auf seinen persönlichen Computer kopierte, der mit dem Kaspersky-Antivirenprogramm geschützt war. Die Hacker hätten das Vorhandensein des Antivirenprogramms auf diesem System ausgenutzt, um die klassifizierten Dateien zu identifizieren und ihr Ziel zu erreichen. Die Informationen enthielten Details über die Eindringtechniken der NSA in fremde Netzwerke, einen Teil des für die Spionage verwendeten Codes sowie Verteidigungsverfahren, die in ihren internen Netzwerken angewendet wurden. Die Sicherheitslücke wurde im ersten Quartal 2016 entdeckt.
Keine Beweise
Nun gibt es ein sehr wichtiges Element, das man nicht ignorieren kann: Es gibt keine Beweise. Der Artikel des Wall Street Journal zitiert „anonyme Quellen“ und „Leute, die mit der Angelegenheit zu tun haben“, aber nichts davon wurde von unabhängigen Journalisten analysiert und untersucht. Tatsächlich schließt er auch nicht die Möglichkeit aus, dass die Hacker eine Schwachstelle im Antivirenprogramm ausgenutzt haben, um an das Material zu gelangen. Eugene Kaspersky sagte zwei Stunden vor der Veröffentlichung voraus, dass eine neue „Verschwörungstheorie“ in den Medien auftauchen würde. Das Unternehmen wies die Vorwürfe zurück und sieht sich in einem geopolitischen Kampf gefangen. Unabhängig vom Fehlen von Beweisen hat Washington höchstwahrscheinlich das Schicksal von Kaspersky und seiner Geschäfte besiegelt.