Nicht zum ersten Mal begegnen wir der Idee, ein Mobiltelefon auf Basis des Raspberry Pi zu bauen, und sicher nicht zum letzten Mal. Mit der Veröffentlichung des Raspberry Pi Zero haben sich die Regeln für Entwickler jedoch grundlegend geändert: Das kompakte Design und der geringe Stromverbrauch eröffnen neue Möglichkeiten. Eines der jüngsten Projekte im Bereich der „Pi-Telefonie“ ist das ZeroPhone, dessen Baukosten theoretisch nicht mehr als 50 US-Dollar betragen sollten.
Die Lage des Raspberry Pi Zero ist in mehrfacher Hinsicht seltsam. Während er in manchen Regionen problemlos erhältlich ist, hat er andernorts aufgrund seiner Knappheit bereits einen mythenhaften Status erlangt. Der niedrige Preis des Zero – und damit auch seine geringe Gewinnmarge – führt dazu, dass manche Händler kein Interesse daran haben, ihn zu verkaufen, was jedes DIY-Projekt mit bescheidenem Budget beeinträchtigt. Persönlich hoffe ich, dass sich die Situation bald verbessert (ich gebe zu, ich würde mir gern zwei oder drei kaufen), denn die zu entwickelnden Projekte häufen sich, und eins mehr kommt mit dem ZeroPhone auf unsere Liste.
Ziele und Komponenten
Das Ziel ist es, ein möglichst Open-Source-Smartphone zu schaffen – die mit dem Raspberry Pi verbundenen Blobs verhindern, dass dieses Ziel vollständig erreicht wird –, das sich einfach zusammenbauen und reparieren lässt, dessen Teile weit verbreitet sind und dessen Software nicht dem Wahnsinn von Berechtigungen und Datenschutzproblemen verfällt.
Laut dem verantwortlichen Arsenijs belaufen sich die Gesamtkosten der Teile auf etwa 50 US-Dollar, und komplexe Lötarbeiten sind nicht erforderlich. Die Benutzeroberfläche wurde in Python geschrieben, ein ESP8266-Modul übernimmt die WLAN-Konnektivität, und das SIM800L erledigt den Mobilfunkzugang. Allerdings ist das SIM800L auf 2G angewiesen, und da viele Länder ihre 2G-Netze bereits endgültig abgeschaltet haben, sucht Arsenijs nach einem brauchbaren Ersatz.
Ein erster Prototyp
Die verfügbaren Bilder machen deutlich, dass das ZeroPhone ein Prototyp ist und noch einige Details gelöst werden müssen, angefangen bei der Energieversorgung. In dieser ersten Version finden wir im Wesentlichen eine Powerbank an der Seite des Smartphones angebracht, und ich stelle mir vor, dass mit einem 3D-gedruckten Gehäuse und einem kompakteren Akku alles wunderbar werden könnte. Wir werden seine Entwicklung im Auge behalten.