Anthropic kündigte am 6. Oktober 2026 Claude für Google Workspace als öffentliche Beta für zahlende Claude-Kunden an. Das Add-on bringt Claude in die Seitenleiste von Google Docs, Sheets und Slides; daneben gibt es separate Beta-Konnektoren, mit denen Nutzer Google-Dateien aus dem Claude-Chat erstellen und bearbeiten können. Anthropics Ankündigung
Öffentliche Beta für vier Claude-Tarife
Das Add-on ist laut Anthropic für die kostenpflichtigen Tarife Pro, Max, Team und Enterprise vorgesehen. Eine Installation im Google Workspace Marketplace deckt Docs, Sheets und Slides ab. Claude arbeitet dabei mit der Datei, die gerade im jeweiligen Google-Programm geöffnet ist. Anthropics Hilfeartikel zum Add-on
Die separaten Beta-Konnektoren verfolgen einen anderen Ansatz: Sie ermöglichen die Arbeit an Google-Dateien direkt im Claude-Chat. Das sind zwei unterschiedliche Wege, Claude mit Workspace zu verwenden.
Was Claude in Docs, Sheets und Slides tun soll
Anthropic beschreibt die Funktionen je nach App unterschiedlich. In Docs kann Claude den geöffneten Text lesen und direkt bearbeiten. Größere Überarbeitungen kann es als Vorschlagskarten anzeigen. Übernommene Änderungen sind direkte Bearbeitungen und keine Google-Docs-Vorschläge; der Versionsverlauf weist sie unter dem Namen des angemeldeten Nutzers aus.
In Sheets kann Claude Formeln schreiben und korrigieren, Pivot-Tabellen und Diagramme erstellen sowie Tabellenblätter hinzufügen. Für Joins oder die Datenbereinigung kann es einen ausgewählten Datenbereich mit Python verarbeiten und das Ergebnis zurück in das Tabellenblatt schreiben. Mit BigQuery verbundene Connected-Sheets-Tabellen kann das Add-on dagegen weder lesen noch bearbeiten.
In Slides kann Claude Folien auf Grundlage der Layouts und Designs der geöffneten Präsentation erstellen. Außerdem kann es auf überlappende, außerhalb der Folie liegende oder schwer lesbare Elemente hinweisen. Diagramme, die Claude erstellt, werden als Bilder eingefügt und aktualisieren sich nicht, wenn sich die zugrunde liegenden Zahlen ändern.
Add-on und Chat-Konnektoren greifen auf unterschiedliche Weise zu
Das Add-on arbeitet mit der einzelnen Datei, in der es geöffnet ist. Dafür fordert es laut Anthropic die Berechtigung an, Inhalte in der Seitenleiste anzuzeigen und die betreffende Datei anzusehen und zu verwalten. Über dieses Add-on fordert es keinen Zugriff auf Drive, Gmail, Kalender oder Kontakte an.
Davon getrennt sind die Workspace-Konnektoren: Sie können – abhängig von den bestehenden Google-Freigaben und den Einstellungen der Organisation – auch Gmail, Kalender und Drive einbeziehen. Die neuen Docs-, Sheets- und Slides-Konnektoren ermöglichen außerdem das Erstellen und Bearbeiten von Google-Dateien aus dem Claude-Chat. Bei Team- und Enterprise-Konten muss ein Owner oder Primary Owner diese Konnektoren zunächst aktivieren. Anthropics Erläuterung zu den Workspace-Konnektoren
Installation, Freigaben und Grenzen der Beta
Für die Installation ist ein Google-Konto erforderlich, das Marketplace-Apps installieren darf. Workspace-Superadministratoren können die App für eine ganze Organisation, ausgewählte Gruppen oder Organisationseinheiten installieren. In Google Docs lässt sich Claude über das Menü „Erweiterungen“ öffnen.
„Vor Änderungen fragen“ ist standardmäßig aktiviert. Mit „Alle Änderungen akzeptieren“ kann Claude gewöhnliche inhaltliche Änderungen ohne erneute Pause ausführen. Bei bestimmten sicherheitsrelevanten Aktionen – etwa Links einzufügen, Bilder aus dem Web einzusetzen oder jemandem den Zugriff zu entziehen – ist weiterhin eine Bestätigung nötig. Dateien teilen, Eigentumsrechte ändern oder Zugriffsrechte vergeben kann Claude nicht.
Das Add-on unterstützt Chrome, Edge und Safari; Firefox wird für die Ausführung der Aktionen nicht unterstützt. Google beendet einen einzelnen Vorgang nach sechs Minuten. Diktieren per Sprache ist in der Seitenleiste nicht verfügbar. Der dateibezogene Chatverlauf wird lokal im Browser gespeichert und nicht zwischen Browsern oder Geräten synchronisiert.
Datenzugriff und Unternehmensfunktionen
Anthropic erklärt, dass Inhalte der geöffneten Datei, Nachrichten und Anhänge aus dem Add-on nicht zum Training seiner Modelle verwendet werden. Eingaben und Ausgaben würden innerhalb von 30 Tagen gelöscht; für Organisationsdaten nennt das Unternehmen eine Ausnahme. Zero Data Retention ist für diese Beta nicht verfügbar.
Auch Drittanbieter-Inferenz über Amazon Bedrock, Google Cloud Vertex AI, Azure AI Foundry oder ein LLM-Gateway wird für das Add-on nicht unterstützt; dafür ist die Anmeldung mit einem Claude-Konto erforderlich. Für Enterprise-Kunden nennt Anthropic außerdem eine Compliance API, kundenseitig verwaltete Verschlüsselungsschlüssel und den Export von Auditdaten über OpenTelemetry.