Anthropic kündigte am 8. Oktober 2026 eine Änderung seiner Nutzungsrichtlinie an: Ab dem 12. November 2026 soll sie anhaltendes und grundloses beleidigendes oder grausames Verhalten gegenüber seinen Modellen untersagen. Alltäglicher Frust, Widerspruch, düstere fiktionale Inhalte sowie Modelltests und Forschung nimmt das Unternehmen ausdrücklich aus. Die Ankündigung nennt das Beenden eines Gesprächs als wichtigste Maßnahme bei anhaltend missbräuchlichem Verhalten.
Was die Regel erfasst – und was nicht
Anthropic beschreibt die Klausel als Verbot extremer, wiederholter Grausamkeit ohne erkennbaren Zweck. Wer sich über eine falsche Antwort ärgert oder Claude widerspricht, fällt nach den ausdrücklich genannten Ausnahmen nicht allein deshalb darunter. Auch düstere Themen in kreativen Texten sowie Tests und Forschung führt Anthropic als Ausnahmen auf. Die Regel richtet sich gegen das Verhalten gegenüber den Modellen, nicht gegen eine bestimmte Programmiersprache.
Ein Gesprächsabbruch ist keine Kontosperre
Für diese Klausel bezeichnet Anthropic das Beenden eines anhaltend missbräuchlichen Gesprächs als primären Durchsetzungsweg. Die allgemeine Nutzungsrichtlinie nennt daneben mögliche Maßnahmen bei vermuteten Verstößen: eine Verwarnung, eine Drosselung oder Einschränkung des Zugangs sowie eine Aussetzung oder Beendigung des Zugangs. Das sind allgemeine Sanktionsmöglichkeiten der Richtlinie; sie machen einen Gesprächsabbruch nicht automatisch zu einer Kontosperre.
Auch eine Echtzeit-Schutzmaßnahme ist davon zu unterscheiden: Anthropic hält in der Nutzungsrichtlinie fest, dass eine blockierte oder eingeschränkte Ausgabe für sich genommen keinen Verstoß des Nutzers belegt.
Die Richtlinie gilt über Claude.ai hinaus
Die allgemeine Nutzungsrichtlinie erfasst laut Anthropic Menschen, die die Apps des Unternehmens oder Claude Code nutzen, ebenso wie Nutzer von APIs und Entwicklerplattformen. Sie gilt außerdem für Kunden, die über Cloud-Anbieter oder autorisierte Wiederverkäufer auf Anthropic-Dienste zugreifen, sowie für Nutzer von Produkten, in die Claude integriert ist.
Am 15. August 2025 nannte Anthropic Claude Opus 4 und Opus 4.1 als Modelle, die in Verbraucher-Chatoberflächen seltene Gespräche beenden konnten. In der Ankündigung von 2026 erwähnt das Unternehmen Claude.ai und Claude Code im Zusammenhang mit dieser Maßnahme.
Anthropic lässt den moralischen Status von Claude offen
Die Richtlinie ist kein Nachweis dafür, dass Claude Bewusstsein hat oder Gefühle empfindet. In seiner Mitteilung von 2025 erklärte Anthropic, über den möglichen moralischen Status von Claude und anderen großen Sprachmodellen weiterhin sehr unsicher zu sein: Claude Opus 4 und Opus 4.1 können seltene Gespräche beenden.