Morgen sind es drei Jahre und acht Monate her, dass der sogenannte „Tscheljabinsk-Bolid“ unseren Planeten besuchte. Angesichts dieses Datums wäre eine logische Frage: „Und wie läuft eigentlich dieses Weltraumprogramm?“ Doch offensichtlich wird die Lösung nicht von Politikern kommen; die interessanteren Vorschläge stammen von Wissenschaftlern. Der jüngste davon ist Asgardia, eine „Nation im Weltraum“, die nicht nur als unabhängiger Staat fungiert, sondern auch die Rolle eines Schutzschilds gegen Asteroiden und Weltraumschrott übernehmen soll.
Die Science-Fiction lehrt uns, dass die meisten Weltraumkolonien früher oder später ihre Unabhängigkeit von der Erde erklären – was danach als fruchtbarer Boden für allerlei Konflikte in Büchern, auf Bildschirmen und in Videospielen dient. Doch über Unabhängigkeit zu sprechen ist nichts Unnatürliches. Noch heute wird darüber diskutiert, und das beschränkt sich nicht nur auf die Ebene der Staaten: Städte und Gemeinden rund um den Globus erwägen, sich abzuspalten oder zu teilen.
Doch „sich von der Erde unabhängig zu machen“ klingt heute noch etwas seltsam – es sei denn, der Vorschlag kommt von Wissenschaftlern, die sehr daran interessiert sind, die Zukunft der menschlichen Spezies zu bewahren. Genau das will Asgardia erreichen, ein Projekt, das von Dr. Igor Ashurbeyli vorgestellt wurde, dem Präsidenten des Komitees für Weltraumwissenschaft der UNESCO. Das geltende Weltraumrecht schreibt vor, dass Regierungen alle ihre Programme – selbst kommerzielle – genehmigen und überwachen müssen. Doch einer der Schlüssel, um diese Kette zu durchbrechen, ist, Asgardia als Nation im Orbit zu deklarieren. Asgardia wurde bereits als „künftiges Mitglied der Vereinten Nationen“ präsentiert, und vergangenen Mittwoch wurden die ersten 100.000 Staatsbürgerschaften angekündigt; außerdem startete ein gemeinschaftliches Projekt zur Entwicklung einer eigenen Flagge.
Ein politisches Experiment und kosmischer Schutzschild
Abgesehen davon, dass Asgardia das fortschrittlichste und komplexeste politische Experiment der Geschichte sein dürfte, übernimmt die Weltraumnation auch eine weitere Rolle: als kosmischer Schutzschild gegen Asteroiden und andere massive Objekte, die auf der Erdoberfläche großen Schaden anrichten könnten. Präzise technische Details zu diesem „Schild“ habe ich nicht finden können, aber ich stelle mir vor, dass es mit einem umfangreichen Tracking-System beginnen wird. Der erste Satellit der Asgardia-Initiative soll nächstes Jahr starten. Eine Nation im Weltraum. Würdest du umziehen?