AdLens untersuchte irreführende Softwareanzeigen in ausgewählten Themenbereichen des Google Ads Transparency Center. Die Forschenden berichten 238 Anzeigen-IDs mit Scareware, 3.346 mit irreführenden Versprechen und 258 mit irreführendem Design. Die dazu genannten Impressionen sind geschätzte Anzeigenkontakte, keine Zahl geschädigter Menschen. Die Studie bezieht sich auf Anzeigen, die in mindestens einem Land des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) gezeigt wurden.

Welche Anzeigenmuster AdLens erfasst

Die Forschenden ordneten Anzeigen drei Kategorien zu. Scareware bezeichnet Werbung mit falschen Sicherheits- oder Virenwarnungen. Eine solche Meldung in einer Anzeige ist keine Diagnose des Geräts. Die zweite Kategorie umfasst irreführende Behauptungen über Softwarefunktionen; die dritte Anzeigen, deren Gestaltung verschleiert, was beworben wird oder wer dahintersteht.

MusterAnzeigen-IDsTypisches Täuschungsmuster
Scareware238Falsche Sicherheits- oder Infektionswarnungen
Irreführende Versprechen3.346Unplausible Behauptungen über Softwarefunktionen
Irreführendes Design258Gestaltung verschleiert Angebot oder Werbetreibenden

Die Kategorien können sich überschneiden. Die Zahlen beschreiben daher keine jeweils getrennten Gruppen eindeutiger Anzeigenkampagnen. Für irreführendes Design nennt die Studie in den angeführten Ergebnissen keine vergleichbare Kategorie-Impressionszahl.

Was die Stichprobe zählt

Die Studie erfasste 90.000 Anzeigen-IDs aus den Themenbereichen Software, Mobile App Utilities sowie Computer & Consumer Electronics. Zu diesen IDs sammelten die Forschenden 188.834 Anzeigenmotive, weil eine Anzeigen-ID mehrere Varianten haben kann. Nach dem Entfernen von Motiven mit identischem OCR-Text blieben 112.761 übrig. OCR ist eine automatische Texterkennung.

AdLens untersuchte keine vollständige Werbebibliothek: Das System sortierte mögliche Treffer nach Ähnlichkeit und klassifizierte begrenzte Kandidatenmengen. Die berichteten Kategorie-Zahlen sind deshalb keine Vollerhebung aller Google-Anzeigen. Der geografische Rahmen umfasst Anzeigen, die mindestens in einem EWR-Land erschienen; die Studie liefert keine Schätzung speziell für Deutschland.

Wie AdLens mögliche Täuschung bewertet

Zuerst las OCR den Text in den Anzeigen aus. Eine semantische Suche sortierte mögliche Treffer vor; anschließend stuften zwei Bild- und Sprachmodelle sie ein. Ein drittes Modell entschied bei abweichenden Bewertungen. Drei menschliche Prüfer sichteten zudem mehr als 5.000 Anzeigen.

Für Uneinigkeitsfälle in einem von Menschen geprüften Datensatz mit 1.283 Anzeigen berichtet die Studie einen Makro-F1-Wert von 0,922. Diese Kennzahl fasst Präzision und Trefferquote über mehrere Kategorien zusammen. Sie beschreibt diesen Testdatensatz, nicht die allgemeine Erkennungsleistung bei sämtlichen Google-Anzeigen. Ein separater Test mit 253 Anzeigen enthielt nur drei positive Beispiele für irreführendes Design.

Was die Impressionen aussagen

Für ältere Anzeigen stellt Google Unter- und Obergrenzen der Impressionen für die Region EWR und Türkei bereit. AdLens verwendete den Mittelwert dieser Grenzen als Schätzung. Die Forschenden beziffern die Impressionen für Scareware auf mehr als 16 Millionen und für Anzeigen mit irreführenden Versprechen auf 89,9 Millionen.

Impressionen messen geschätzte Ausspielungen. Sie verraten weder, wie viele einzelne Menschen eine Anzeige gesehen haben, noch ob jemand darauf klickte, eine App installierte oder einen finanziellen Schaden erlitt.

In einem konkreten Fall berichten die Forschenden, dass sie eine von 42 Anzeigen mit einem Verweis auf pdfscraper.com meldeten. Google entfernte diese Anzeige; 41 weitere Anzeigen mit Verweis auf dieselbe Domain blieben nach Beobachtung der Forschenden aktiv. Die Studie bringt pdfscraper.com mit der Infostealer-Kampagne TamperedChef in Verbindung. Außerdem meldeten die Forschenden Google mehr als 20 Anzeigen. Die meisten stufte Google als nicht regelwidrig ein; bei einigen Anzeigen, bei denen die Forschenden eine Anerkennung des Verstoßes vermuteten, seien diese noch eine Woche nach der Antwort sichtbar gewesen.

Eine verdächtige Google-Anzeige melden

Wählen Sie in Googles Anzeige das Menü „Mehr“ oder „Info“, tippen Sie auf „Anzeige melden“, wählen Sie einen Grund und senden Sie das Formular ab. Googles Anleitung zum Melden einer Anzeige zufolge prüft Google die Meldung. Sie blockiert die Anzeige nicht automatisch.