Eine aktuelle Windows-Installation oder ein abgelaufenes Secure-Boot-Zertifikat belegt nicht, dass Microsoft Windows Production PCA 2011 in der UEFI-Sperrliste DBX widerrufen wurde. Secure Boot prüft beim Start signierte Software; ob es eingeschaltet ist, ob neue Zertifikate hinterlegt sind und ob alte Bootmanager gesperrt wurden, sind getrennte Zustände.
Das ist für BlackLotus relevant, weil die Schadsoftware laut Microsoft die Schwachstelle CVE-2022-21894, auch Baton Drop genannt, nutzt, um Windows-Bootmanager auf verwundbare Versionen zurückzusetzen, die nicht in DBX stehen. Microsoft zufolge ließen sich mehrere frühere Schutzmaßnahmen umgehen. Die Sperre des Zertifikats Microsoft Windows Production PCA 2011 in DBX ist ein weitergehender Schritt. Microsofts technische Anleitung zur Sperrung verwundbarer Bootmanager
Warum ein aktuelles Windows den DBX-Status nicht klärt
UEFI ist die Firmware-Schnittstelle, die den Start des Rechners steuert. Secure Boot prüft vor dem Laden des Betriebssystems, ob Startsoftware vertrauenswürdig signiert ist. Die UEFI-Datenbank DB enthält zugelassene Signaturen und Zertifikate; DBX führt gesperrte Signaturen auf.
Ein Zertifikat kann ablaufen, ein neues Zertifikat kann in DB aufgenommen werden, und ein älterer Bootmanager kann in DBX gesperrt werden. Diese Vorgänge sind nicht dasselbe. Microsoft führt den Ablauf von Microsoft Windows Production PCA 2011 am 19. Oktober 2026 auf. Der Ablauf allein widerruft das Vertrauen in damit signierte Bootmanager nicht. Geräte ohne die neuen Zertifikate können weiterhin starten und normale Windows-Updates erhalten, bekommen laut Microsoft aber keine neuen Sicherheitsmaßnahmen für die frühe Startphase und keine entsprechenden Secure-Boot-Updates. Microsofts Informationen zum Ablauf und Austausch der Secure-Boot-Zertifikate
Welche 2011-Zertifikate abgelaufen sind
Microsoft nennt vier Zertifikate aus dem Jahr 2011 mit unterschiedlichen Aufgaben und Ersatz-Zertifikaten. Die Ablaufdaten liegen zum Veröffentlichungszeitpunkt zurück. Die Tabelle zeigt, wo Microsoft die jeweiligen Nachfolger in der UEFI-Datenbank verortet.
| Zertifikat von 2011 und Anwendungsbereich | Ablaufdatum | Nachfolger von 2023 | UEFI-Datenbank |
| Microsoft Corporation KEK CA 2011, Schlüssel für den Schlüsselaustausch | 24. Juni 2026 | Microsoft Corporation KEK 2K CA 2023 | KEK |
| Microsoft UEFI CA 2011, Drittanbieter-Bootloader und EFI-Anwendungen | 27. Juni 2026 | Microsoft UEFI CA 2023 | DB |
| Microsoft UEFI CA 2011, Signierung von Option-ROMs | 27. Juni 2026 | Microsoft Option ROM UEFI CA 2023 | DB |
| Microsoft Windows Production PCA 2011, Windows-Bootloader | 19. Oktober 2026 | Windows UEFI CA 2023 | DB |
Der Austausch eines zugelassenen Zertifikats in DB und der Widerruf eines alten Bootmanagers über DBX betreffen verschiedene Listen und Sicherheitszustände. Deshalb sagt weder ein Ablaufdatum noch der allgemeine Status „Windows ist aktuell“, ob die konkrete DBX-Sperre auf einem einzelnen Rechner eingetragen ist.
Was vor einer PCA-2011-Sperre vorbereitet werden muss
Microsoft nennt eine klare Reihenfolge: Zuerst muss DB aktualisiert und müssen Bootmanager bereitgestellt werden, die mit Windows UEFI CA 2023 signiert sind. Erst danach soll die Sperre von PCA 2011 in DBX erfolgen. Microsoft empfiehlt außerdem, die Schritte zunächst auf repräsentativen Geräten zu testen, die Firmware des Geräteherstellers aktuell zu halten und BitLocker-Wiederherstellungsschlüssel zu sichern.
Vor der DBX-Sperre erst die neuen Vertrauensanker und passende Bootmanager vorbereiten. Die Reihenfolge schützt auch den Zugriff auf Wiederherstellungswege.
Die Reihenfolge hat praktische Folgen: Ist PCA 2011 auf einem Gerät mit aktiviertem Secure Boot in DBX gesperrt, starten dort keine Windows-Bootmanager mehr, die mit diesem Zertifikat signiert sind. Das kann ältere Wiederherstellungsmedien, USB-Startmedien und veraltete Netzwerk-Startkomponenten betreffen. Microsoft warnt davor, DBX manuell vor dem DB-Update zu ändern, weil der Rechner dann möglicherweise nicht mehr startet und Sicherheitsprüfungen von Windows Update umgangen werden.
Was eine Statusprüfung aussagt
Eine Prüfung, ob Secure Boot eingeschaltet ist, beantwortet eine Konfigurationsfrage. Sie zeigt nicht automatisch, ob der PCA-2011-Widerruf in DBX steht. Auch ein aktuelles Windows ist für sich genommen kein Nachweis dieses konkreten Sperrstatus.
Und selbst ein aktiviertes Secure Boot samt DBX-Sperre ist keine Diagnose auf bereits vorhandene Schadsoftware. Die Konfiguration beschreibt eine Schutzmaßnahme beim Start, nicht den Infektionszustand des Rechners.