Cequence berichtete am 28. Oktober 2026 von einem Scanner, der sich als rund 32 KI-Bots ausgab und nach Dateien mit Zugangsdaten suchte. In dem von Cequence geschützten Datenverkehr wurden fast alle Anfragen blockiert oder scheiterten. Die Beobachtungen stammen aus dem Schutzumfeld des Unternehmens, nicht aus einer Erhebung des gesamten Internets. Cequence Security
Wie der Scanner KI-Bot-Identitäten vortäuschte
Der Scanner wechselte zwischen Identitäten, die mit Anbietern wie OpenAI, Anthropic, Meta und Perplexity verbunden waren. Laut Cequence gab sich eine einzelne Maschine innerhalb weniger Sekunden als verschiedene Anbieter aus. Gefälschte Claude-Identitäten verwendeten außerdem Kontaktdaten des Anthropic-Crawlers; der Scanner selbst nannte weder eine Identität noch eine Kontaktadresse.
Ein User-Agent ist ein Feld in einer Webanfrage, das angibt, welcher Browser oder Bot sie sendet. Ein solcher Eintrag lässt sich jedoch selbst setzen und belegt für sich genommen nicht, wer tatsächlich anfragt. Cequence beobachtete zunächst zufällige, bedeutungslose Pfade. Damit sollte der Scanner Websites finden, die auf jede Anfrage antworten.
Welche Dateien gesucht wurden und was mit den Anfragen geschah
Der Scanner fragte ungefähr 90 Pfade ab, die zu sensiblen Dateien führen können, darunter .env-Konfigurationsdateien, Cloud-Zugangsdaten, private SSH-Schlüssel und Server-Umgebungsdaten. Pro Adresse folgten laut Cequence innerhalb von etwa acht Sekunden 50 bis 190 Anfragen, bevor der Scanner zur nächsten Adresse wechselte.
Cequence beobachtete die Aktivität in seinem geschützten Datenverkehr mindestens von Ende September bis Ende Oktober 2026. Dort wurden nahezu alle Anfragen des Scanners blockiert oder schlugen fehl. Cequence berichtete von einer Suche nach Zugangsdaten, nicht von einem bestätigten Diebstahl oder einem nachgewiesenen Einbruch. Die Beobachtung betrifft den von Cequence geschützten Datenverkehr.
Was die gemeldeten Verkehrsanteile aussagen
An einem Tag im Oktober erreichte der Scanner laut Cequence 48 Prozent der von dem Unternehmen geschützten Organisationen, bei denen an diesem Tag KI-Bot-Verkehr auftrat. Bei mehreren Organisationen stammten zudem mehr als 80 Prozent der als KI-Bot-Verkehr gekennzeichneten Anfragen vom Identitätsfälscher.
Eine andere Kennzahl betrifft den Finanzsektor: In den von Cequence untersuchten Finanzdienstleistungsunternehmen machten KI-Agenten, die im Auftrag von Kunden handelten, weniger als eine von 4.000 Anfragen aus. Das galt laut Cequence selbst für das am stärksten exponierte Unternehmen. Diese Kennzahl zählt Kundenanfragen durch KI-Agenten; die 80-Prozent-Angabe bezieht sich dagegen auf Anfragen, die als KI-Bot-Verkehr etikettiert waren.
Wie Unternehmen Bot-Identitäten prüfen können
Cequence empfiehlt, die Identität eines Bots über signierte Anfragen, veröffentlichte IP-Adressbereiche oder direkte Integrationen zu prüfen. Zusätzlich sollten Unternehmen kontrollieren, ob das Verhalten einer Anfrage zur behaupteten Identität passt. Ein Bot, der in kurzer Folge verschiedene Anbieter vorgibt, liefert dabei ein konkretes Warnsignal.
Eine IP-Sperrliste allein greift bei diesem Muster zu kurz: Cequence beobachtete mehr als 300 Cloud-Adressen an einem Tag und fast 400 innerhalb einer Woche. Das Unternehmen empfiehlt außerdem, Geheimnisse nicht in öffentlich erreichbaren Dateien abzulegen und Staging- sowie Administrationssysteme nicht öffentlich zugänglich zu machen.