Claroty Team82 berichtete am 13. Oktober 2026, Claude Sonnet 4.6 habe bekannte Schwachstellen eines Danfoss AK-SM 800A in rund 28 Minuten reproduziert – vom Beginn der Analyse bis zum funktionierenden Exploit. Der Versuch fand in einem Labor statt und wurde von Forschenden begleitet. Claroty zufolge war der tatsächliche Angriffsweg bei den französischen Supermärkten ungeklärt. Clarotys Bericht zum Test beschreibt damit die Reproduktion bereits bekannter Fehler, nicht die Methode der Angreifer.

Was im 28-Minuten-Test geschah

Claroty nutzte Claude Sonnet 4.6 im Reasoning-Modus „medium“ über den KI-Editor Cursor. Als Ziel diente ein Danfoss AK-SM 800A, ein Steuergerät für Kälteanlagen, im Labor. Zum Ausgangsmaterial gehörten öffentliche Informationen zu den Sicherheitslücken, öffentlich verfügbare Danfoss-Firmware und Analysewerkzeuge.

Die rund 28 Minuten beziehen sich laut Claroty auf die Zeit von der ersten Analyse bis zu einem funktionierenden Exploit. Am Ende demonstrierte das Team Root-Zugriff auf das Laborgerät. Claroty bezifferte die KI-Nutzung auf etwa 6 US-Dollar – nicht die Gesamtkosten des Versuchs.

Warum Forschende eingreifen mussten

Claude reproduzierte zunächst zwei der drei untersuchten Schwachstellen, ging bei der Umgehung der Anmeldung aber in die falsche Richtung. Die Forschenden korrigierten den Ansatz und stellten eine Ghidra-Integration bereit, mit der sie eine 67 MB große Anwendungsdatei des Controllers analysierten. Danach reproduzierte Claude auch diese Schwachstelle; anschließend verketteten die Forschenden sie mit einer Befehlsinjektion, um den Root-Zugriff zu demonstrieren.

Der Ablauf macht den Umfang des Ergebnisses greifbar: Die KI arbeitete mit öffentlichen Informationen und Werkzeugen, während Menschen Fehler erkannten, die Analyse neu ausrichteten und zusätzliche technische Unterstützung lieferten. Claroty beschrieb den Versuch als unterstützte Reproduktion bekannter Schwachstellen.

Die drei Schwachstellen und Clarotys Abhilfe

Clarotys technische Untersuchung vom 9. August 2026 behandelt drei Probleme im Danfoss AK-SM 800A:

  • CVE-2025-41450: Umgehung der Authentifizierung, also der Anmeldung.
  • CVE-2025-41451: Befehlsinjektion.
  • CVE-2025-41452: Injektion in die Nginx-Konfiguration.

In der technischen Untersuchung erklärt Claroty, dass Danfoss-Firmware R4.3.1 die dort beschriebenen Schwachstellen behebt. Claroty empfiehlt außerdem, Verwaltungsoberflächen nicht direkt aus dem Internet erreichbar zu machen und den Zugriff auf vertrauenswürdige Netzwerke zu beschränken oder über VPNs abzusichern.

In derselben Untersuchung berichtete Claroty von 2.765 öffentlich erreichbaren AK-SM-800A-Geräten. Das ist ein Ergebnis der damaligen Untersuchung, keine Zahl bestätigter verwundbarer Geräte. Für Betreiber zählt daher vor allem, ob ihre Anlage das betroffene Modell und eine der beschriebenen Firmware-Versionen nutzt.

Was der Test mit den Angriffen auf Supermärkte zu tun hat

Claroty veröffentlichte am 12. Oktober 2026 einen Bericht über Angriffe auf Kühlanlagen französischer Supermärkte und erklärte darin, der konkrete Angriffsweg sei nicht geklärt. La Tribune berichtete am 14. Oktober von mehr als 400 betroffenen Supermärkten. Diese Zahl bezieht sich auf den gemeldeten Vorfall, nicht auf Clarotys Labortest.

Die Verbindung zwischen beiden Geschichten ist der Typ des untersuchten Geräts: Claroty reproduzierte bekannte Schwachstellen an einem Kälteanlagen-Steuergerät. Der Versuch belegt nicht, dass die Angreifer in Frankreich dieselben Fehler ausnutzten. NeoTeo hat auch Anthropics Bericht zu weiteren Fällen des Claude-Missbrauchs eingeordnet.