Credo und Oracle teilten am 4. November 2026 mit, die OCP Community habe zwei Spezifikationen des Optics Reliability Workstream gebilligt. Die eine legt fest, welche Telemetriedaten optische Transceiver bereitstellen und wie ihre Link-Gesundheit bewertet wird. Die andere beschreibt, wie Transceiver-DSPs Nachrichten über die bestehende Verbindung austauschen. OCP führt beide Dokumente als Beiträge des Workstreams auf; die Zustimmung meldeten Credo und Oracle.
Zwei Spezifikationen, zwei Aufgaben
Der Optics Reliability Workstream gehört zum Networking Project des Open Compute Project (OCP). Credo und Oracle zufolge richteten sie ihn im Januar 2026 ein. Die beiden am 8. Oktober 2026 datierten Dokumente setzen an verschiedenen Stellen der Verbindung an: Die Software-Spezifikation standardisiert Telemetrie und die Bewertung des Link-Zustands; der Entwurf für ePPS definiert die Nachrichtenübertragung zwischen den digitalen Signalprozessoren (DSPs) an beiden Enden.
| Spezifikation | Aufgabe | Geltungsbereich der Transceiver-Raten | Zentrale Funktion |
| Enhanced Telemetry Optics Product Software Specification | Telemetrie erfassen und den Link-Zustand bewerten | 400G, 800G und 1,6T | Messwerte, Link-Bewertung und Ereignisprotokollierung |
| Transparent Remote Optical Transceiver Messaging with ePPS Design Specification | Nachrichten zwischen den Transceiver-DSPs übertragen | 400G, 800G, 1,6T und 3,2T | Managementkanal im bestehenden Link, außerdem Zeitsynchronisation und Laufzeitkalibrierung |
Die Werte geben den jeweiligen Anwendungsbereich konformer Transceiver an. Die Telemetrie-Spezifikation umfasst die Transceiver-Firmware und ihre Messwerte sowie Host-Software, die typischerweise auf einem Switch läuft. Die konkrete Implementierung eines Telemetrie-Servers bleibt dem Anwender überlassen und liegt außerhalb des Dokuments.
Welche Messwerte die Link-Bewertung nutzt
Die Software-Spezifikation führt Messwerte von Host- und Medienseite auf. Dazu zählen das Signal-Rausch-Verhältnis (SNR), die Augenhöhe und der PAM4-Pegelübergangsparameter (LTP), optische Mehrwegeinterferenz (MPI), die Bitfehlerrate vor der Vorwärtsfehlerkorrektur (Pre-FEC-BER) sowie Fehlerkorrekturstatistiken (FEC). Hinzu kommen nicht korrigierbare Codewörter, Verbindungsabbrüche und erneute Verbindungsaufbauten, Signal- und Link-Verlust, Betriebszeit, Temperaturen von Modul und Laser sowie Diagnose- und Alarmflags. Die Aktualisierung der Telemetrie lässt sich auf Intervalle von einer bis zehn Sekunden einstellen.
Die Link-Bewertung mittelt die Kategorien nicht. Sie übernimmt den niedrigsten Kategorienwert aus den Stufen 80, 60 und 40. Eine einzelne schwache Messkategorie kann so nicht durch mehrere gute Werte ausgeglichen werden. Die Kategorien unterscheiden sich je nach Host- und Medienseite; Zähler für Link-Ausfälle und FEC sind standardmäßig von der Bewertung ausgenommen.
Nachrichten laufen über den bestehenden Link
Der ePPS-Entwurf sieht keinen separaten optischen Managementkanal vor. Stattdessen fügt er Managementdaten in den vorhandenen Datenstrom ein: Ein 256-Bit-Verwaltungsblock folgt nach einer konfigurierbaren Zahl von 256-Bit-Datenblöcken. Empfohlen wird ein Abstand von 30.000 Datenblöcken. Für eine Nachricht sind fünf Nutzdatenblöcke mit jeweils 240 Bit vorgesehen, zusammen 1.200 Bit; weitere 16 Bit pro Verwaltungsblock sind herstellerspezifisch. Das Dokument beschreibt eine Übertragungsbandbreite von ungefähr 3 Mbit/s.
Ein leicht erhöhter SerDes-Takt auf der Leitungsseite schafft Platz für die eingefügten Blöcke; die Host-Seite bleibt bei der nominalen Ethernet-Frequenz. Das Design sieht weder eine zusätzliche Glasfaser noch einen weiteren Laser oder Empfänger vor. Paketnummern, CRC-Prüfsummen sowie ACK/NACK-Rückmeldungen auf Firmware-Ebene sollen die Nachrichtenübertragung absichern. Die Spezifikation behandelt außerdem ePPS-Zeitsynchronisation und die Kalibrierung der Laufzeit über die Verbindung.
Grundlegende Verbindung ist nicht gleich erweiterte Telemetrie
Die Software-Spezifikation verlangt, dass ein konformes Modul auch mit Optiken anderer Anbieter eine Verbindung aufbauen kann. Diese Verbindung stellt jedoch nicht die erweiterten Telemetriedaten bereit. Dafür müssen die unterstützten Funktionen an den beteiligten Endpunkten vorhanden sein. Der ePPS-Entwurf gilt für konforme Transceiver mit den genannten Raten bis 3,2T.
Für den Betrieb beschreibt die Software-Spezifikation zudem einen nichtflüchtigen Ereignisspeicher. Seine 32 Byte großen Einträge enthalten einen UTC-Zeitstempel mit Nanosekundenauflösung sowie Ereigniskennung und Detaildaten. Eine standardmäßig auf zehn Sekunden eingestellte Sperrzeit kann doppelte Einträge desselben Ereignisses unterdrücken. Eine automatische Abschaltung bei einem als ungesund bewerteten Link ist optional und standardmäßig deaktiviert; wenn sie aktiviert wird, kann das Modul in einen Fehlerzustand wechseln und das Abschaltereignis protokollieren.
Credo und Oracle stellen weniger Verbindungsstörungen als angestrebten Nutzen der Spezifikationen dar. James Kelly von der OCP Foundation betonte, dass ihre tatsächliche Wirkung von der Übernahme im Ökosystem abhängt.