CryoPyr stufte das Monitoringjahr 2025–2026 als Jahr mit den dritthöchsten jährlichen Eisverlusten seit Beginn seiner Aufzeichnungen 2012 ein. Trotz einer Rekordmenge an Frühjahrsschnee sank die mittlere Eisdicke an Aneto, Monte Perdido und Ossoue jeweils um mehr als zwei Meter. Die Ergebnisse veröffentlichte CryoPyr am 29. Oktober 2026.

CryoPyrs Messwerte für drei Gletscher

GletscherMittlerer Verlust der Eisdicke 2025–2026
Aneto2,4 m
Monte Perdido2,3 m
Ossoue3,1 m

In CryoPyrs Aufzeichnungen waren die Verluste 2021–2022 und 2022–2023 noch höher. Neben den Mittelwerten beschreibt der Bericht unterschiedliche Veränderungen an den drei Gletschern: Am Aneto nahm die Fragmentierung des Eises zu. Am Monte Perdido legte der Rückzug neuen Fels frei; ein tiefer gelegener westlicher Teil entwickelt sich zu einem kleinen Eisrest. Am Ossoue war keine erkennbare Bewegung zu beobachten. CryoPyr meldete außerdem Ablagerungen von Geröll und eine verbreitete Verdunkelung der Gletscheroberflächen. CryoPyrs Bericht zum Monitoringjahr 2025–2026

Was die Modellprojektion für 2034 beschreibt

Eine separate, 2025 veröffentlichte Studie modellierte die Entwicklung der drei größten Pyrenäen-Gletscher. Für 2034 projiziert sie wenig oder kein verbleibendes Eis am Monte Perdido und am Ossoue. Am Aneto dürfte das Eis demnach in kleine Flächen zerfallen, die zusammen weniger als zwei Hektar umfassen; keine einzelne Fläche soll größer als ein Hektar sein. Die Studie von López-Moreno und Mitautoren berechnet diese Entwicklung für mehrere Szenarien: RCP4.5, fortgesetzten Eisverlust unter den Klimabedingungen von 2010 bis 2020 sowie eine Wiederholung der extremen Bedingungen des Jahres 2022.

Als Ausgangspunkt dienten rekonstruierte Eisvolumen zum Ende des Jahres 2024. Das verwendete Instructed Glacier Model (IGM) simuliert Eisdicke, Ausdehnung und Fließgeschwindigkeit anhand der Massenerhaltung, der Oberflächenmassenbilanz und der Physik des Eisflusses. Die Projektion ist damit ein Szenarioergebnis für die drei untersuchten Gletscher. Sie beschreibt keine bereits gemessene Entwicklung bis 2034.

Wie die Studie den Ausgangszustand rekonstruierte

Für die Rekonstruktion kombinierte das Forschungsteam 11,4 Kilometer Bodenradarprofile aus verschiedenen Jahren mit Messreihen zu Höhenänderungen. Drohnenaufnahmen aus dem September und Oktober 2024 aktualisierten die Gletscherkarten. Um die Radarwerte auf die übrigen Flächen zu übertragen, nutzte die Studie eine Interpolation mit radialen Basisfunktionen.

Zum Ende des Jahres 2024 lag die rekonstruierte mittlere Eisdicke bei 11,6 Metern am Aneto, 15,0 Metern am Monte Perdido und 15,1 Metern am Ossoue. Für den Zeitraum von 2011 bis 2024 berechnete die Studie eine Ausdünnung um 16,4, 15,8 beziehungsweise 21 Meter. Für ihre Rekonstruktionen nennt sie unterschiedliche Unsicherheiten: einen mittleren Fehler von ±1,2 Metern bei der Kreuzvalidierung am Ossoue, eine verbleibende Unsicherheit von ±5 Metern in wasserreichen Bereichen des Monte Perdido und eine Interpolationsunsicherheit von ±0,3 Metern am Aneto.

Was eine ältere Untersuchung am Monte Perdido fand

Eine 2016 veröffentlichte Studie untersuchte den Monte-Perdido-Gletscher von 1981 bis 2014. Die lokale Entwicklung von Temperatur und Niederschlag schien den Autoren nicht auszureichen, um die beschleunigte Ausdünnung in diesem Zeitraum zu erklären. Als mögliche Erklärungen diskutierten sie ein Ungleichgewicht zwischen Gletscher und Klima sowie Rückkopplungen in der Energiebilanz. Die historische Untersuchung zum Monte Perdido bezieht sich auf diesen Gletscher und diesen Beobachtungszeitraum.