Die Community rund um den Raspberry Pi (und damit auch um Linux) hat eine beeindruckende Menge an Entwicklungen hervorgebracht, doch ein Element, mit dem sie sich seit langem schwer tut, ist der proprietäre Code, der mit dem VideoCore IV-Videochip von Broadcom verbunden ist, der in allen Modellen des Rechners steckt. Der klassische Weg, um Funktionalität zu erhalten, ist das sogenannte „Blob“, aber die Entwicklerin Kristina Brooks hat nun einen vorläufigen Bootloader veröffentlicht, der genau dieses Schloss am Raspberry Pi öffnen soll.
Der Kampf gegen proprietäre Software
Die Free Software Foundation bezeichnet die Notwendigkeit von proprietärem Code zur ordnungsgemäßen Initialisierung eines Raspberry Pi als „fatale Schwäche“. Natürlich erstreckt die FSF diese Kritik auf jede Hardware, die sich in einer ähnlichen Lage befindet, doch wir müssen zugeben, dass das Duell zwischen der Community und dem Broadcom-VPU VideoCore IV schon viel länger andauert, als wir ursprünglich gedacht hätten (der Raspberry Pi ist seit über vier Jahren auf dem Markt). Die Vorteile des Raspberry Pi sind groß genug, um diese technische Einschränkung beiseite zu lassen, aber wenn das Ziel darin besteht, die Plattform „offener“ zu machen, wird man sich früher oder später damit auseinandersetzen müssen.
Ein Open-Source-Bootloader von Kristina Brooks
Kristina Brooks hat auf GitHub einen Open-Source-Bootloader für den VPU im Raspberry Pi veröffentlicht. Die offizielle Beschreibung spricht von einer kleinen Firmware, die in der Lage ist, UART, den PLL des VPU und ARM zu initialisieren. Die Idee ist, dass dieser neue Code die bootcode.bin ersetzt auf der SD-Karte des Raspberry Pi, und er wurde bereits auf den drei Hauptgenerationen des Rechners getestet. Brooks erklärt, dass UART benötigt wird, wenn man eine Ausgabe erwartet, und es bleiben mehrere Probleme zu lösen, darunter die ordnungsgemäße Verwendung der Kerne in den neuen Modellen des RPi.
Überflüssig zu erwähnen, dass die Entwicklung noch weit davon entfernt ist, Linux zu booten, und aus mancher Sicht ist es sinnvoller, den Bootloader als Proof of Concept zu betrachten. Die Richtung des Projekts ist richtig, und sowohl Brooks als auch die übrigen auf der GitHub-Seite genannten Mitarbeiter haben eine formidable Arbeit geleistet, einschließlich Broadcom selbst für die Freigabe der „Header“. Kritische Aspekte wie Hardwarebeschleunigung und Codec-Unterstützung stehen noch aus, und vielleicht erreichen sie nie eine optimale Position, aber mit Geduld, Anstrengung und größerer Zusammenarbeit werden wir sicherlich einen „offeneren“ Raspberry Pi sehen als heute.