eMudhra teilte am 22. Oktober 2026 mit, Sectigo-Zertifikate allen Kunden als Alternative bereitzustellen. Betroffen waren acht Zwischenzertifikate der Zertifizierungsstelle: sechs für TLS und zwei für Codesignaturen. Mozilla rekonstruierte die schwachen privaten Schlüssel unabhängig. eMudhra zufolge stellte keines der acht Zwischenzertifikate End-Entity-Zertifikate aus.
Was bei den Zertifikaten betroffen war
Eine Zertifizierungsstelle, kurz CA, stellt digitale Zertifikate aus. Zwischenzertifikate verbinden ein Root-Zertifikat mit den Zertifikaten für Websites oder andere Endpunkte. Die acht betroffenen Zwischenzertifikate stammten aus einer Schlüsselerzeugung am 30. April 2025, bei der ein Stapel von 24 untergeordneten CAs erzeugt wurde.
Mozilla verzeichnete am 17. Oktober 2026 die Meldung des Forschers Wayne und stellte die privaten Schlüssel anschließend unabhängig wieder her. Alle acht P-384-Schlüssel hatten private Ganzzahlwerte unter 256 und ließen sich laut Mozilla nahezu sofort rekonstruieren. Die Schwäche lag in den erzeugten Schlüsselwerten. Sieben Zwischenzertifikate waren nach Angaben von eMudhra nie im Produktivbetrieb; das einzige eingesetzte stellte keine End-Entity-Zertifikate aus.
Als vorläufigen Ablauf beschrieb eMudhra eine Abweichung bei einem Wrap-/Unwrap-Test, durch die ein zweites, schwaches Schlüsselpaar entstand. Dieses sei bei Zertifikatsanforderungen verwendet worden. Die Erklärung betrifft die Schlüsselerzeugung, nicht eine Schwäche der P-384-Kurve.
Was die Folgen für Kunden bedeuteten
Die acht kompromittierten Zwischenzertifikate und die Vertrauenseinstufung des zugehörigen ECC-Root-Zertifikats betreffen unterschiedliche Zertifikatsketten. eMudhra erklärte am 21. Oktober 2026, die Vertrauensentziehung für das Root-Zertifikat habe das Ökosystem eines US-Kunden betroffen; dessen Zertifikate würden ersetzt.
Ein am 21. Oktober erfasster Certificate-Transparency-Schnappschuss in Mozillas Incident-Datensatz zählte rund 30.800 noch gültige Vorzertifikate, die auf emSign ECC Root CA - G3 zurückführten. Davon stammten 30.791 von zwei untergeordneten Internet2/InCommon-CAs und 18 von eMudhra-Zwischenzertifikaten. Diese Zahlen betreffen die Kette unter dem Root-Zertifikat, nicht eine Ausstellung durch die acht kompromittierten Zwischenzertifikate.
Im englischsprachigen Interview mit ANI News erläuterte eMudhra-Mitgründer Kaushik Srinivasan die Sicht des Unternehmens auf den Vorfall und die Kundenauswirkungen.
Warum Betreiber auch Software außerhalb des Browsers prüfen sollten
Browser und andere Programme können unterschiedliche Vertrauensspeicher und Verfahren zur Prüfung widerrufener Zertifikate verwenden. Ein Browser-Update beantwortet deshalb nicht automatisch, welche Zertifikatskette eine Anwendung, ein VPN, ein Unternehmensgerät oder ein eingebettetes System akzeptiert. Betreiber sollten prüfen, welchen Vertrauensspeicher und welches Widerrufsverfahren ihre jeweilige TLS-Software nutzt, und verfügbare Herstellerkorrekturen für Software und Vertrauensspeicher einspielen.
Cisco Talos nannte Go 1.27.3 und 1.26.10 als Versionen, deren X.509-Prüfung Zertifikatsketten mit den Kennwerten der acht betroffenen Zwischenzertifikate herausfiltert. Talos berichtete, bis zum 21. Oktober 2026 um 14:00 UTC keine böswilligen Vorfälle mit den Zertifikaten beobachtet zu haben.
Widerruf und Reaktion
eMudhra widerrief die acht Zwischenzertifikate am 18. Oktober 2026; als Grund wurde caCompromise eingetragen. Am 22. Oktober teilte das Unternehmen mit, Sectigo-Zertifikate als alternative Option für alle Kunden bereitzustellen.