Fedora 45 Beta ist seit dem 15. September 2026 für öffentliche Tests verfügbar. Die neue Version ist kein kleiner Zwischenstand: Sie verschärft die Paket- und Prozesssicherheit, stellt mit GNOME 51 und Linux 7.2 zentrale Plattformkomponenten um und bringt mehrere Änderungen mit, die Entwickler und Administratoren vor einem Upgrade prüfen sollten. Fedora Project führt den 20. Oktober 2026 als ersten Zieltermin für die finale Veröffentlichung und den 27. Oktober als Ausweichtermin.
Fedora 45 Beta ist für Tests verfügbar
Fedora 45 Beta steht als Download für Workstation, KDE Plasma Desktop, Server, Cloud und IoT bereit. Hinzu kommen Atomic-Desktop-, Spin- und Lab-Inhalte. Für produktive Systeme ist die Beta wegen ihres Vorabstatus nicht die naheliegende Wahl; ihr eigentlicher Wert liegt im frühen Test der neuen Sicherheits- und Plattformänderungen.
Die Sicherheitsstandards ändern sich im Alltag
Die auffälligste Änderung steckt nicht in der Oberfläche, sondern in den Standardregeln für Software und Prozesse.
| Bereich | Fedora 45 Beta | Bisheriger Stand | Praktische Folge |
| RPM-Signaturen | Signaturprüfung ist standardmäßig verpflichtend | Keine erzwingende Standardeinstellung dieser Art | Uns signierte oder nicht prüfbare RPM-Pakete benötigen einen ausdrücklichen Override mit --nosignature oder der entsprechenden API |
| Prozess-Debugging | Einige ptrace-Operationen für unprivilegierte Nutzer sind standardmäßig eingeschränkt | Das frühere Verhalten war freier | Debugging-Werkzeuge können das traditionelle Verhalten über eine Sysctl-Konfiguration wiederherstellen |
| Secret Service | oo7 wird zum standardmäßigen Anbieter | GNOME Keyring und KWallet dienten als umgebungsabhängige Backends | Anwendungen greifen auf einen gemeinsamen, desktopübergreifenden Dienst zu |
| Containerverwaltung | Podman 6 mit API- und CLI-Änderungen | Frühere Podman-Generation | Skripte, Integrationen und Umgebungen müssen auf entfernte Komponenten geprüft werden |
Die verpflichtende RPM-Signaturprüfung betrifft auch lokal erstellte, unsignierte Pakete. Wer solche Pakete installiert, muss die Ausnahme bewusst setzen. Das ist ein zusätzlicher Schutz gegen manipulierte Paketquellen, aber kein Verbot eigener Builds.
ptrace wird von Debuggern und anderen Werkzeugen genutzt, um Prozesse zu beobachten. Fedora schränkt dabei einige Zugriffe durch unprivilegierte Nutzer ein. Für Entwickler ist entscheidend, dass Debugging weiterhin möglich bleibt, wenn die dafür vorgesehenen Werkzeuge und die zugehörige Sysctl-Konfiguration eingerichtet werden.
oo7 ist als Rust-basierter Secret-Service-Anbieter für org.freedesktop.secrets über D-Bus ausgelegt. Die Fedora-Planung sieht außerdem feinere Zugriffsrechte pro Anwendung oder Dienst sowie spätere FIDO2-Unterstützung vor. Diese Punkte beschreiben die vorgesehene Entwicklung von oo7, nicht bereits gemessene Sicherheitsgewinne.
Weitere Schutzmaßnahmen kommen hinzu: chpasswd und newusers erhalten PAM-Unterstützung und können damit Systemregeln für Passwortkomplexität, Historie und Auditing berücksichtigen. DNF5 deaktiviert Änderungen durch Anbieter standardmäßig, sodass installierte Pakete nicht ohne ausdrückliche Aktion durch Pakete eines anderen Anbieters ersetzt werden.
GNOME 51, Linux 7.2 und eine neue virtuelle Konsole
Fedora Workstation 45 Beta verwendet GNOME 51 als Standarddesktop. Die eigene KDE-Edition basiert auf KDE Plasma 6.7. GNOME 51 bringt unter anderem SVG-Cursor, eine neue Oberfläche für die Fingerabdruckverwaltung, zusätzliche Touchpad-Einstellungen und Unterstützung für den Wayland-Hintergrundeffekte-Mechanismus.
Linux 7.2 bildet den Kernel der Beta. Die Version enthält Cache Aware Scheduling sowie erste Unterstützung für HDMI 2.1 FRL im AMDGPU-Treiber und USB4STREAM-Unterstützung für Intel-Hardware. Fedora 45 übernimmt außerdem neue Versionen der Entwicklungswerkzeuge: GCC 16.2, binutils 2.47, glibc 2.44 und GDB 17.2 gehören zum GNU-Stack; LLVM 23, Go 1.27, Python 3.15, Perl 5.44 und Lua 5.5 kommen ebenfalls hinzu.
KMSCON ersetzt die bisherige Kernel-Konsole für virtuelle Terminals. Gemeint sind die Textkonsolen, die du etwa über Tastenkürzel wie Strg+Alt+F3 erreichst. Grafische Terminalprogramme wie Ptyxis, Konsole oder Kitty bleiben davon unberührt. Wer also befürchtet, Fedora tausche seine Terminal-App aus, kann aufatmen: Hier geht es um eine andere Schicht des Systems.
Auch die Atomic Desktops erhalten technische Änderungen. Fedora verwendet für ihre ISO-Abbilder künftig image-builder anstelle von lorax und ergänzt erste Installationsabläufe über die Anaconda-Weboberfläche. Eine WebUI-Installation aus der Ferne ist für Atomic Desktops ebenfalls vorgesehen.
Wo beim Upgrade Kompatibilitätsarbeit anfällt
Die größten Stolpersteine liegen bei Entwickler- und Serverwerkzeugen. Setuptools 82 entfernt pkg_resources, Pandas wechselt auf die 3.0-Serie und libxml2 springt auf 2.15.3, verbunden mit einer ABI-Änderung. Wer eigene Python-Umgebungen, Bibliotheken oder Anwendungen betreibt, sollte diese Abhängigkeiten vor dem Wechsel gesondert prüfen.
Podman 6 bringt API- und CLI-Änderungen mit und entfernt slirp4netns, cgroups v1 sowie das BoltDB-Backend. Bestehende Container-Skripte und Automatisierungen können deshalb Anpassungen benötigen.
Auch die Datenbankstandards verschieben sich: MySQL wechselt von 8.4 auf 9.7, MariaDB von 11.8 auf 12.3. NetworkManager aktiviert IPv6-mostly standardmäßig. Fedora berichtet außerdem von mehr als 90 Prozent reproduzierbaren Paketen. Reproduzierbare Builds sollen bei identischem Quellcode, identischer Build-Umgebung und identischen Anweisungen bitgenau gleiche Pakete erzeugen.
Was Beta-Tester vor dem Wechsel einplanen sollten
Ein Upgrade von Fedora 44 ist über den vorgesehenen Offline-Aktualisierungspfad möglich; Nutzer haben entsprechende Wechsel bereits beschrieben. Ein Backup bleibt trotzdem sinnvoll, weil Hardware, installierte Pakete und eigene Entwicklerumgebungen sehr unterschiedlich ausfallen können.
Aus der Beta-Phase wurden außerdem einzelne Probleme gemeldet: Manche Live-Abbilder starteten über Ventoy nicht korrekt, bei KDE traten zeitweise SDDM- und Schwarzbildfehler auf. Andere Nutzer beschrieben Schwierigkeiten mit Suspend, mehreren Monitoren und der Wiederherstellung von Sitzungen. Das sind konkrete Erfahrungen einzelner Beta-Tester, keine allgemeine Fehlerbeschreibung jeder Fedora-45-Installation.
Für Linux-Enthusiasten, Entwickler und Administratoren ist Fedora 45 Beta damit vor allem ein Testfeld für neue Sicherheitsregeln und einen deutlich aktualisierten Plattform-Stack. Die finale Veröffentlichung bleibt für den 20. Oktober 2026 vorgesehen, mit dem 27. Oktober als Ausweichtermin.