Andy Nguyen alias TheFlow hat am 15. September 2026 seinen Rückzug aus der PS5-Szene angekündigt und seine Arbeit an PS5 Linux beendet. Auslöser war nach seiner Darstellung die Meldung einer Hypervisor-Schwachstelle an Sony. Am 16. September erklärte Jordy, er habe dieselbe Schwachstelle über HackerOne gemeldet, nachdem er zunächst gebeten worden sei, damit zu warten.
Für das Projekt ist das ein harter Einschnitt: TheFlow hatte Unterstützung für die PlayStation 5 Pro und eine breitere Veröffentlichung für 2027 geplant. Der vorhandene Loader für ältere PS5-Konsolen bleibt davon getrennt bestehen.
Was mit PS5 Linux passiert ist
TheFlow schrieb, er steige aus der PS5-Szene aus und stelle seine gesamte Arbeit an PS5 Linux ein. Seine Darstellung verbindet den Schritt mit einem Hypervisor-Fehler, den er nach eigener Aussage bereits zuvor gefunden hatte und dessen Meldung an Sony er vermeiden wollte.
Jordy schilderte den Ablauf anders, aber teilweise übereinstimmend: Er habe den Fehler selbst entdeckt, zunächst zugesagt, ihn nicht zu melden, und sich später umentschieden, nachdem eine weitere Person ihn angeblich mit Unterstützung künstlicher Intelligenz gefunden hatte. Jordy bestritt zugleich, den Fehler von TheFlow erhalten zu haben.
Damit stehen zwei Aussagen über denselben Vorgang nebeneinander. Gemeinsam ist ihnen, dass TheFlow um einen Aufschub gebeten hatte und die Schwachstelle anschließend gemeldet wurde. Der Rückzug von TheFlow ist davon unabhängig als öffentliche Erklärung dokumentiert.
Warum der Hypervisor für Linux wichtig ist
Der Hypervisor ist eine besonders privilegierte Sicherheitsschicht der PS5. Er kontrolliert den Zugriff auf Hardware und Systemsoftware und gehört damit zu den zentralen Hürden, die ein Linux-Port überwinden muss.
Das erklärt, warum ein Fehler in dieser Schicht für PS5 Linux weitreichender sein könnte als ein gewöhnlicher Softwarefehler. Eine gemeldete Hypervisor-Schwachstelle ist aber noch keine fertige Linux-Unterstützung: Für einen funktionierenden Startpfad braucht es zusätzlich passende Exploit-Schritte, Payloads und Anpassungen an Kernel und Hardware.
Die bestehende Linux-Unterstützung konzentriert sich auf deutlich ältere Firmware. Die Projektdokumentation führt PS5-Phat- und Slim-Konsolen mit diesen Firmware-Versionen auf:
- 3.00, 3.10, 3.20 und 3.21
- 4.00, 4.02, 4.03, 4.50 und 4.51
- 5.00, 5.02, 5.10 und 5.50
- 6.00, 6.02, 6.50, 7.00, 7.01, 7.20, 7.40, 7.60 und 7.61
Die oft genannte Firmware 13.60 gehört zu einer späteren Debatte über den gemeldeten Hypervisor-Fehler, nicht zur dokumentierten Liste des vorhandenen Linux-Loaders.
Was PS5 Linux bereits kann
Ja, eine PS5 kann Linux ausführen – unter den genannten Firmware- und Hardwarebedingungen. Das Projekt arbeitet als Softmod: Linux wird über den Exploit gestartet und bootet nicht automatisch als dauerhaftes Dual-Boot-System.
Der Loader dokumentiert unter anderem:
- HDMI-Ausgabe mit 1080p, 1440p und 2160p bei 60 Hz, abhängig vom Monitor
- einen USB-Datenträger mit mindestens 64 GB
- die Nutzung einer kompatiblen M.2-SSD ausschließlich für Linux
- Ethernet sowie eingeschränkte Unterstützung bestimmter WLAN-Chipsätze
- Bluetooth über das interne Modul oder einen Dongle
- USB-Peripherie und Zugriff auf ausgewählte Hardwarefunktionen
Bei 1440p mit 120 Hz nennt die Dokumentation nur einen bestätigten Monitor. Außerdem gibt es bekannte Probleme mit Bildschirmschonern, HDMI-Audio und bestimmten 1440p- oder 2160p-Konfigurationen. Standby und das Wiederaufnehmen des Systems werden nicht unterstützt.
Am 6. März 2026 zeigte TheFlow Linux auf einer PS5 als Steam Machine mit Grand Theft Auto 5 Enhanced und Raytracing. Für diese Demonstration nannte er einen CPU-Takt von 3,2 GHz und einen GPU-Takt von 2,0 GHz. Optionale Anhebungen auf 3,5 GHz beziehungsweise 2,23 GHz führten auf seiner PS5 Slim zu Überhitzung. Diese Werte beschreiben die Bedingungen seiner Demonstration, keinen standardisierten Leistungstest.
Der Streit über die Meldung und KI-gestützten Code
TheFlow kritisierte, die PS5-Szene bestehe inzwischen aus unerfahrenen Personen, die mit Sprachmodellen Hacks schreiben würden, ohne sie zu verstehen. Er erklärte außerdem, er habe darum gebeten, bis zur Veröffentlichung von Grand Theft Auto 6 zu warten. So hätten Nutzer das Spiel legal kaufen und anschließend Linux auf derselben Konsole verwenden können.
Jordy erklärte dagegen, er habe die Meldung erst abgeschickt, nachdem eine weitere Person den Fehler angeblich mit KI-Unterstützung gefunden hatte. In seiner Darstellung ging es also darum, einer bereits drohenden Veröffentlichung zuvorzukommen. Die beiden Schilderungen setzen unterschiedliche Akzente bei der Verantwortung für den Zeitpunkt der Meldung.
In der PS5-Homebrew-Community wurde entsprechend in beide Richtungen argumentiert: Einige Nutzer sahen durch die Meldung die geplante Kombination aus Linux und GTA 6 gefährdet. Andere hielten dagegen, dass das Zurückhalten einer Schwachstelle das Risiko einschließe, dass jemand anderes sie entdeckt und meldet. Eine formelle Vereinbarung zwischen den Beteiligten wurde in der Diskussion nicht beschrieben.
Was für PS5 Pro geplant war
TheFlow hatte angekündigt, die PS5 Pro zu unterstützen und eine breitere Version von PS5 Linux 2027 zu veröffentlichen. Diese Unterstützung war ein Vorhaben für die Zukunft. Eine PS5-Pro-Version des Projekts gehört damit nicht zu den dokumentierten Funktionen des bestehenden Loaders.
Der Rückzug beendet TheFlows eigene Entwicklungsarbeit. Der dokumentierte Open-Source-Loader, die Images, Werkzeuge und die Projektdokumentation bleiben als Grundlage für die bisher unterstützten PS5-Firmware-Versionen verfügbar.