Am 5. Oktober 2026 wurden Interviews mit acht ehemaligen Beschäftigten von OpenAI, Anthropic und Google DeepMind veröffentlicht. Sie nannten unterschiedliche Gründe für ihren Weggang. Jacob Coxon sagte, informelle Gespräche mit Forschungsleitenden bei Anthropic über die Pläne für 2027 hätten zu seiner Kündigung beigetragen.

Acht ehemalige Beschäftigte schilderten unterschiedliche Gründe

Die Erfahrungen reichen von Sorgen über die Entwicklung leistungsfähiger KI bis zu Frust über den eigenen Einfluss, Einwänden gegen Verteidigungsarbeit, Fragen zu den Folgen für Beschäftigte und Unzufriedenheit mit der Unternehmenskultur oder dem eigenen Forschungsumfeld. Die Befragten beschrieben keine gemeinsame Erklärung für ihre Abschiede.

Coxon arbeitete von 2023 bis 2026 bei OpenAI und anschließend von Mai bis September 2026 bei Anthropic. Daniel Kokotajlo sagte, er habe OpenAI verlassen, weil er das Vertrauen in die Unternehmensführung verloren und außerhalb des Unternehmens freier sprechen und Forschung veröffentlichen wollte. Jeff Wu beschrieb ebenfalls mehrere Faktoren statt eines einzelnen Auslösers: Dazu gehörten für ihn die Ausrichtung des Unternehmens, die Forschungsprioritäten und seine persönlichen Erfahrungen. Entwicklungen wie der Weggang von Jan Leike und die Auflösung des Superalignment-Teams ordnete Wu als Teil eines größeren Kulturwandels ein, nicht als direkte Ursache seines Abschieds.

Was Jacob Coxon über Gespräche bei Anthropic erzählte

Coxon berichtete von wiederholten informellen Gesprächen, in denen Forschende bei Anthropic das Jahr 2027 als besonders folgenreich eingeschätzt hätten. Nach seiner Darstellung rechneten die Gesprächspartner nicht damit, dass staatliche Regulierung oder internationale Zusammenarbeit rechtzeitig greifen würden. Diese Erwartungen trugen laut Coxon zu seiner Entscheidung bei, Anthropic zu verlassen.

Coxon äußerte außerdem die Möglichkeit, dass eine spätere Modellgeneration selbstständig Forschungsideen entwickeln könnte. Das beschrieb er als Erwartung über eine mögliche künftige Fähigkeit, nicht als eine bereits vorgeführte Leistung heutiger Systeme.

Einfluss von außen und gescheiterte interne Versuche

Kokotajlo setzte auf öffentliche Arbeit außerhalb eines Unternehmens, um seine Bedenken zu äußern und Forschung zu veröffentlichen. Alex Turner schilderte einen anderen Konflikt: Bei Google DeepMind versuchte er, die Reaktion auf einen Vertrag mit dem US-Verteidigungsministerium zu beeinflussen. Er organisierte intern und schlug eine alternative Vertragsformulierung vor. Nach seiner Darstellung kam der Vertrag dennoch zustande; Turner sagte, existenzielle Risiken seien nicht der Grund für seinen Weggang gewesen.

Eine Sprecherin von Google DeepMind erklärte, das Unternehmen habe Turners Rahmenvorschlag geprüft. Sie sagte außerdem, Turner fehle das Verständnis für die Arbeit des Unternehmens in diesem Bereich.

Audits, Arbeit und Unternehmenskultur

Miles Brundage sagte, sein Einfluss innerhalb von OpenAI habe abgenommen und seine Führungsrolle seine Möglichkeit zu öffentlichen Äußerungen eingeschränkt. Nach seinem Abschied gründete er AVERI, eine gemeinnützige Organisation für externe Prüfungen von KI-Unternehmen. Brundage beschrieb solche Audits als mögliche Kombination aus Modelltests, Einblicken in interne Abläufe, Dokumentenprüfungen, Gesprächen mit Beschäftigten und der Sichtung interner Auswertungen.

Pamela Mishkin sagte, sie habe ihre Arbeit zu den Folgen von KI für Menschen und Arbeitsplätze außerhalb eines Labors für sinnvoller gehalten. Sie verwies zugleich darauf, dass die Entscheidung zu gehen von den persönlichen Möglichkeiten abhänge. Rosie Campbell verließ OpenAI, nachdem ihr Team für Policy-Frontiers aufgelöst worden war und sie intern keine andere Gruppe für die Arbeit gefunden hatte, die sie machen wollte.

Warum manche Forschende in KI-Laboren bleiben

Ein Abschied nach draußen erschien den Befragten nicht automatisch als der bessere Weg. Mishkin verwies auf die Rechenleistung, die Mittel, die Ressourcen und den Informationszugang innerhalb eines Labors – ebenso wie auf die Möglichkeit, dort Einfluss zu nehmen. Jacob Hilton beschrieb den beruflichen Sog der großen Labore: Zugang zu Spitzentechnologie, Prestige und gute Bezahlung könnten den Verbleib attraktiv machen und es unabhängigen Organisationen erschweren, erfahrene Forschende zu gewinnen.

So stehen zwei unterschiedliche Möglichkeiten nebeneinander: Manche hoffen, außerhalb eines Unternehmens freier sprechen oder andere Arbeit leisten zu können; andere schätzen den Zugang und die Einflusschancen innerhalb eines Labors. Die persönlichen Berichte liefern darauf keine allgemeingültige Antwort.