Gregory M. Kurtzer stellte Ginux am 27. Oktober 2026 als unabhängigen, Rust-first-x86-64-Kernel vor. Das Ginux-Projekt beschreibt einen QEMU-Test, in dem Rocky Linux 10 mit systemd bis zum Ziel multi-user.target startet. Der Test betrifft ausgewählte Linux-Programme, nicht beliebige Anwendungen oder Distributionen.

Rocky Linux 10 startet mit einer bestimmten System-Image-Variante

Terminalbefehle und Systemausgaben zeigen Rocky Linux 10, systemd am Ziel „Multi-User System“ und die Anmeldeaufforderung.

Für den systemd-Test nennt das Ginux-Projekt das Image rockylinux/rockylinux:10-ubi-init. Das Basis-Image rockylinux/rockylinux:10 enthält laut Projekt kein systemd.

Rocky-Linux-ImageBezug zum systemd-Test
rockylinux/rockylinux:10-ubi-initWird für den beschriebenen Test mit systemd verwendet.
rockylinux/rockylinux:10Enthält laut Projekt kein systemd.

Ginux ist kein Linux-Kernel-Fork

Ginux ist ein eigenständiger Kernel für x86-64, der laut Gregory M. Kurtzer Linux-Programme über eine Linux-kompatible Schnittstelle ausführen soll. Linux läuft dabei als sogenannte Personality, also als implementierte Kompatibilitätsschicht, nicht als Kernel unter Ginux. Das Projekt beschreibt ausgewählte Programme aus Alpine Linux mit musl und BusyBox sowie Programme aus Rocky Linux mit glibc.

Wie weit diese Kompatibilität reicht, beziffert das Projekt mit einem Verzeichnis für Linux 6.12 auf x86-64. Es ordnet allen 375 Systemaufrufnummern eine Kategorie zu, erklärt diese Einteilung aber ausdrücklich nicht zur vollständigen Linux-Konformität.

Einordnung im ProjektverzeichnisSystemaufrufe für Linux 6.12 auf x86-64
Vollständig umgesetzt82
Teilweise umgesetzt245
Aus Richtliniengründen abgewiesen48

Damit ist der Rocky-Linux-Start ein konkreter Testlauf, keine Zusage, dass beliebige Linux-Programme oder Distributionen funktionieren. Das dokumentierte Entwicklungsziel ist eine virtuelle x86-64-QEMU-Maschine vom Typ Q35 mit OVMF, Intel-IOMMU und Virtio-Geräten. Für QEMU nennt das Projekt KVM auf geeigneten x86-64-Linux-Systemen und TCG auf Apple Silicon als Ausführungswege.

Der ausgewertete Stand bestand den Gesamttest nicht

Der technische Bericht wertet den Stand vom 23. Oktober 2026 aus, Commit d11c126a048a51fe7eb9c4105f31760add1027ea. Für diesen Stand hält das Ginux-Projekt fest, dass der Gesamttest make test fehlschlug: Ein Test zur Lebenszyklusverwaltung des System-Supervisors nach execve() blieb nicht bestanden. Der Bericht über diesen Stand und Kurtzers Ankündigung vom 27. Oktober 2026 beziehen sich damit auf unterschiedliche Daten.

Kurtzer und sein Bericht beschreiben Human-Directed Agentic Engineering (HDAE) als Verfahren, bei dem ein Mensch Architektur, Vorgaben und Abnahmekriterien festlegt und ein Agent Implementierung sowie Tests in einer Überarbeitungsschleife übernimmt. Kurtzer bezifferte die Entwicklung auf elf Tage und rund 139.000 erhaltene Zeilen Implementierungs- und Testcode. Er schrieb diese Arbeit einer fortlaufenden Codex-Aufgabe mit GPT-5.6 Sol zu. Das Ginux-Projekt bezeichnet den Kernel als Forschungsprototyp und nicht als Ersatz für Linux oder als produktionsreifen Kernel.