Google kündigt am 17. September 2026 eine Vereinbarung mit Stegra über Umweltattributzertifikate für bis zu 91.000 Tonnen Stahl aus dem ersten Produktionsjahr der geplanten Anlage in Boden, Schweden, an. Google kauft damit nicht zwingend das Metall selbst, sondern den damit verbundenen Umweltwert – ein wichtiger Unterschied für die künftige Beschaffung von Baustoffen für Rechenzentren.

Google kauft den Umweltwert, nicht eine Stahllieferung

Die Vereinbarung sieht den Erwerb von Environmental Attribute Certificates (EACs), also Umweltattributzertifikaten, vor. Eine physische Lieferung des grünen Stahls an Google ist dabei nicht erforderlich. Der mit den Zertifikaten verbundene Stahl kann über etablierte Märkte verkauft werden, während Google den zugehörigen Umweltwert beansprucht.

Stegra beschreibt das Modell als Book and Claim. Es soll Unternehmen ermöglichen, die Umweltattribute eines Produkts zu erwerben, auch wenn der physische Werkstoff nicht bis zum eigenen Standort transportiert wird. Das ist besonders für globale Lieferketten interessant, in denen eine direkte Zuordnung jeder einzelnen Stahlcharge aufwendig wäre.

Was ein Stegra-Zertifikat darstellt

Nach Stegras Definition steht ein EAC für den grünen Wert von einer Tonne nahezu emissionsfreien Stahls aus Boden. Die Zertifikate werden entlang einer zertifizierten Book-and-Claim-Kette vom Ausstellen bis zur Nutzung verfolgt. Stegra beschreibt außerdem eine externe Prüfung von Transaktionen und Berechnungen.

Der physische Stahl, der mit den Zertifikaten verbunden ist, kann laut Stegra als sogenannter Non-Prime-Stahl über konventionelle Vertriebswege verkauft werden. Für diesen Stahl soll nach der Abtrennung des Umweltwerts kein eigener Anspruch auf die entsprechende grüne Eigenschaft geltend gemacht werden. Der Käufer der EACs erhält dagegen das Recht, diesen Umweltwert für seine eigene Klimastrategie anzurechnen.

Wasserstoff statt Kohle im geplanten Stahlwerk

Animation erklärt Stegras geplanten Weg von erneuerbarem Strom und Wasserstoff über die Eisenreduktion bis zu Gießen, Walzen und Verzinken

Stegras Verfahren soll erneuerbaren Strom und grünen Wasserstoff anstelle von Kohle einsetzen. Strom spaltet dabei Wasser per Elektrolyse in Wasserstoff und Sauerstoff. Der Wasserstoff reduziert anschließend Eisenerz; danach wird das Eisen in einem mit erneuerbarer Energie betriebenen Elektrolichtbogenofen zu Stahl verarbeitet. Gießen, Walzen, Kühlen und weitere Verarbeitungsschritte schließen sich an.

Für die geplante Wasserstoffanlage in Boden ist ein Elektrolyseur mit 740 MW Leistung vorgesehen. Google sagt, der Prozess könne die Produktionsemissionen gegenüber der herkömmlichen Hochofenherstellung um bis zu 95 Prozent senken. Das ist eine Schätzung zur geplanten Produktionsroute.

Was sich Google für seine Rechenzentren davon verspricht

Google verbindet den Zertifikatekauf mit dem Ziel, die Emissionen aus dem Bau künftiger Rechenzentren zu senken. Das Unternehmen schätzt, dass Materialien mit geringerer CO₂-Bilanz die gebundenen Emissionen der Infrastruktur um bis zu 40 Prozent reduzieren könnten. Google erklärt außerdem, 2025 in mehr als 20 Bauprojekten emissionsärmeren Beton, Stahl oder beides eingesetzt zu haben.

Damit wird der Stahl nicht automatisch zu einem Bauteil in einem bestimmten Google-Rechenzentrum. Die Vereinbarung schafft vielmehr einen bilanziellen Anspruch auf den Umweltwert einer geplanten Stahlproduktion, während das physische Material unabhängig davon gehandelt werden kann.

Boden soll bis 2027 den Betrieb aufnehmen

Die Anlage in Boden soll bis 2027 den Betrieb aufnehmen. Langfristig ist eine Jahresproduktion von fünf Millionen Tonnen Stahl vorgesehen. Die Zertifikate aus Googles Vereinbarung beziehen sich zunächst auf bis zu 91.000 Tonnen aus dem ersten Produktionsjahr.

Google bezeichnet den Kauf als einen Hebel, um emissionsärmere industrielle Technologien zu skalieren. Für Stegra verbindet sich damit ein geplanter Produktionsstart mit einem Abnehmer für den Umweltwert des Stahls, noch bevor die Anlage ihre vorgesehene industrielle Produktion erreicht.