Die finnische Lizenz- und Aufsichtsbehörde LVV bat die finnische Polizei am 22. Oktober 2026, mögliche Verstöße gegen Umweltrecht im Zusammenhang mit Google-Rechenzentrumsprojekten bei Muhos und Kajaani zu untersuchen. Noticias de Navarra berichtete über die Bitte einen Tag später.

Bereits am 6. Oktober hatte die LVV Tuike Finland Oy angewiesen, bestimmte vorbereitende Arbeiten sofort, spätestens aber bis zum 23. Oktober, einzustellen. Die Anordnung drohte laut Bericht mit einem Zwangsgeld. Sie betraf bestimmte Arbeiten an den Standorten, nicht pauschal sämtliche Aktivitäten der Projekte.

Welche Umweltprüfung für die Standorte genannt wird

Heise zufolge ist in Finnland eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgeschrieben, wenn dauerhaft mehr als 200 Hektar Wald gerodet werden. Für Muhos nennt der Bericht eine Fläche von mehr als 300 Hektar; Kajaani könnte den Schwellenwert ebenfalls überschritten haben.

Noticias de Navarra bezifferte die in Muhos und Kajaani gerodeten oder vorbereiteten Flächen zusammen auf 530 Hektar. Diese Arbeiten hätten stattgefunden, bevor die einschlägigen Umweltprüfungen abgeschlossen waren. Die Flächenangaben für die einzelnen Standorte ordnet Heise in den Zusammenhang mit dem genannten Schwellenwert ein.

Der ältere Fall in Hamina

Der Bericht über Muhos und Kajaani ist von einem früheren Vorgang in Hamina zu unterscheiden. Noticias de Navarra berichtete unter Berufung auf Helsingin Sanomat, Tuike Finland Oy habe 2018 und 2019 bei Erweiterungsarbeiten am Google-Rechenzentrum 1,3 Hektar geschützten Wald außerhalb der Baugenehmigung gerodet. Betroffen gewesen sei auch Lebensraum des Sibirischen Gleithörnchens.

Dem Bericht zufolge stufte die LVV 2020 zentrale Unterlagen zu diesem Vorgang auf Bitte eines Google-Vertreters als vertraulich ein.

Anwohnerbericht und Googles Reaktion

Anni Ranta aus Otanmäki berichtete von Wölfen, die ins Dorf gekommen seien, nachdem Wildtiere den Wald verlassen hätten. The Guardian veröffentlichte ihre Schilderung; Tom’s Hardware griff sie auf.

Google erklärte laut Tom’s Hardware, den Aufforderungen der LVV nachzukommen. In einer von der BBC berichteten Stellungnahme sagte das Unternehmen, es habe die eigenen hohen Standards in diesem Fall verfehlt, zugleich aber nach dem Waldgesetz in gutem Glauben gehandelt. Google kündigte außerdem an, in Muhos auf 130 Hektar Bäume zu pflanzen.