METR schätzt, dass sich Anthropics Modellfähigkeiten bei klar definierten Aufgaben bis Oktober 2026 ungefähr doppelt so schnell verbesserten wie im Zeitraum von März 2024 bis Oktober 2025. Eine separate Auswertung von Benchmark-Daten ergibt eine Steigerung des AECI-Trends um den Faktor 1,9. Die oft daneben genannte Zahl 12 beschreibt dagegen einen informellen Selbstbericht von Beschäftigten zu einem internen Modell. METRs Bericht behandelt damit unterschiedliche Messgrößen, nicht drei Varianten derselben Kennzahl.
Was METR über Anthropics Fortschritt schätzt
Die grobe Einschätzung von etwa 2x bezieht sich auf Anthropics Modellfähigkeiten bei klar definierten Aufgaben. METR vergleicht den Stand bis Oktober 2026 mit dem Fortschritt zwischen März 2024 und Oktober 2025. Die Organisation betont die Unsicherheit ihrer Schätzung: Auch ein Wert näher an 1,3x oder 3x wäre mit ihrer Einschätzung vereinbar.
Davon getrennt ist die AECI-Auswertung. AECI ist Anthropics Variante des Epoch Capabilities Index und fasst Ergebnisse interner und externer Benchmarks zusammen. METR schätzt den Anstieg des Anthropic-spezifischen AECI-Trends seit Oktober 2025 auf 1,9x; das 95-Prozent-Konfidenzintervall reicht von 1,5x bis 2,8x. In der angepassten Trendlinie stieg der Index vor dem Wendepunkt mit 15 Punkten pro Jahr, danach mit 29. Ein Anstieg um 15 AECI-Punkte entspricht laut METR einer Verdopplung der Benchmark-Schwierigkeit.
Was die drei Zahlen jeweils messen
| Zahl | Was sie misst | Bezug und Zeitraum | Einordnung |
| Etwa 2x | METRs Einschätzung des Tempos, mit dem sich Modellfähigkeiten bei klar definierten Aufgaben verbessern | Anthropic, bis Oktober 2026 im Vergleich zu März 2024 bis Oktober 2025 | Grobe Einschätzung; METR hält auch Werte näher an 1,3x oder 3x für plausibel. |
| 1,9x | Anstieg des angepassten AECI-Benchmarktrends | Anthropics Modellreihe seit Oktober 2025 | 95-Prozent-Konfidenzintervall: 1,5x bis 2,8x; die Auswertung umfasst öffentliche und interne Modellschnappschüsse. |
| Etwa 12x | Von Beschäftigten selbst geschätzter Produktivitätsgewinn durch KI | Informelle Slack-Umfragen zu Anthropics internem Model 4 im Oktober 2026 | METR bezeichnet die Umfragen als sehr lockeren Beleg; der Wert ist keine Rate für die gesamte Entwicklung. |
Bei einer Beschleunigungszahl lohnt sich zuerst die Frage, was gemessen wurde: Benchmark-Fortschritt, eine allgemeine Einschätzung oder der selbst berichtete Nutzen für einzelne Beschäftigte.
Die 12x-Zahl stammt aus informellen Slack-Umfragen unter Beschäftigten zu Anthropics internem Model 4. METR nennt sie einen sehr lockeren Beleg und weist darauf hin, dass der berichtete Nutzen einzelner Beschäftigter nicht mit dem Entwicklungstempo des Unternehmens gleichzusetzen ist. Sie ist daher weder eine alternative Version der 1,9x-AECI-Auswertung noch der groben 2x-Einschätzung.
Welche Rolle METR der KI zuschreibt
METR schätzt subjektiv, dass möglicherweise 80 Prozent der aktuellen Beschleunigung auf den KI-Einsatz in Forschung und Entwicklung zurückgehen. Die Organisation hält diese Zuordnung ausdrücklich für sehr unsicher; auch andere Faktoren dürften den Fortschritt Ende 2025 beeinflusst haben. Zugleich sah METR überzeugende Hinweise dagegen, dass eine schneller wachsende Menge an Trainingsrechenleistung die Beschleunigung erklärte.
Nach METRs Einschätzung unterstützte KI die Forschung und Entwicklung vor allem, statt bereits hochbedeutende und vollständig autonome Beiträge zu den wichtigsten Phasen des Modelltrainings zu leisten. Die Forschenden berichteten von ersten Anzeichen für möglicherweise autonomere Beiträge in naher Zukunft; daraus folgt noch keine Aussage darüber, dass solche Beiträge bereits einen zentralen Teil des Trainings übernehmen.
Die Ergebnisse stehen auch im Zusammenhang mit der Debatte über das Entwicklungstempo. Anthropic-Chef Dario Amodei hat dafür plädiert, die Entwicklung besonders leistungsfähiger KI zu verlangsamen. NeoTeos frühere Einordnung von Amodeis Vorschlag behandelt diesen politischen Kontext; METRs Zahlen beziehen sich auf die hier beschriebenen Benchmarks und Einschätzungen.
Wie METR den Trend berechnete und wo seine Grenzen liegen
Für die AECI-Auswertung passte METR stückweise lineare Trends mit einem geschätzten Wendepunkt an. In der Hauptanalyse liegt dieser am 7. Oktober 2025. Je nach Annahmen zur mathematischen Funktion reichten die Beschleunigungsschätzungen von 1,1x bis 2,9x; bei getesteten Alternativen für Modellauswahl und Benchmarks lagen sie zwischen 1,9x und 2,2x.
Das Konfidenzintervall der Hauptanalyse berücksichtigt Unsicherheit in den AECI-Werten, nicht aber die Unsicherheit darüber, welche Modelle in die Anpassung aufgenommen wurden. Die Kennzahl beschreibt Benchmark-Ergebnisse bei klar definierten Aufgaben. Sie lässt sich deshalb nicht ohne Weiteres auf offene Alltagsaufgaben oder reale Auswirkungen übertragen.
Anthropic konnte nicht öffentliche Informationen im Bericht einseitig schwärzen. METR zufolge betrafen die Schwärzungen einen Großteil der Belege, die für seine Einschätzung der Risiken besonders aufschlussreich waren. METR erhielt außerdem keinen Abfragezugang zu unveröffentlichten Modellen. Diese Einschränkungen begrenzen, wie vollständig sich die gesamte Bewertung anhand des öffentlichen Berichts nachvollziehen lässt.