Microsoft kündigte Microsoft-Decision-1 am 9. Oktober 2026 als öffentliche Vorschau in Microsoft Foundry an. Das Modell soll feste Auswahlmöglichkeiten bewerten und strukturierte Zahlen liefern, statt freie Texte zu verfassen. Microsoft zufolge trainierte das Unternehmen dafür Qwen3.5-9B nach. Microsofts Ankündigung
Drei Fragetypen, drei Ergebnisse
Die API unterscheidet drei Arten von Fragen. Ihr gemeinsamer Nenner: Microsoft-Decision-1 gibt numerische Entscheidungen aus, aber keine schriftliche Begründung. Die Microsoft-Dokumentation beschreibt die Fragetypen und Rückgaben so:
| Fragetyp | Aufgabe | Rückgabe |
noul | Eine Ja-Nein-Bedingung bewerten | Wahrscheinlichkeit für die Bedingung |
choice | Eine Option aus mehreren auswählen | Ausgewählte Option und Wahrscheinlichkeiten für die Optionen |
score | Eine geordnete Skala bewerten | Wahrscheinlichkeitsgewichteter Wert auf der Skala |
Damit eignet sich das Modell laut Microsoft etwa für Klassifizierung, Weiterleitung, Rangfolgen und die Steuerung von Abläufen. Braucht eine Anwendung zusätzlich eine Erklärung in natürlicher Sprache, muss eine generative KI oder eine andere Komponente diese liefern.
So ist ein API-Aufruf aufgebaut
Für den Zugriff muss ein Entwickler Microsoft-Decision-1 in Foundry bereitstellen und eine Anfrage an den Ressourcendpunkt senden, der auf /providers/microsoft/v1/systemone endet. Die Anfrage enthält den Namen der Bereitstellung, einen Zustand und eine oder mehrere typisierte Fragen. Der Zustand kann Text oder JSON sein. Die Anmeldung funktioniert laut Microsoft mit Microsoft Entra ID oder einem API-Schlüssel.
Die drei Fragetypen bilden dabei den Kern der Anfrage: Statt eine offene Antwort zu erbitten, legt die Anwendung fest, welche Entscheidung das Modell treffen soll. Das Ergebnis lässt sich so strukturiert weiterverarbeiten – eine schriftliche Herleitung des Ergebnisses gehört jedoch nicht zur Rückgabe.
Was Microsofts Tempovergleich aussagt
The Next Web berichtete, Microsofts Vergleich habe 36 Benchmarks und knapp 150.000 Fragen umfasst. Microsoft meldete darin die höchste Genauigkeit und gab an, Microsoft-Decision-1 sei 35-mal schneller als GPT-6 Sol. Der Bericht von The Next Web gibt diese Leistungsangaben als Ergebnisse von Microsoft wieder.
Für eigene Anwendungen empfiehlt Microsoft, repräsentative Anfragen zu testen und dabei Laufzeit, Entscheidungsqualität und Kalibrierung zu prüfen. Ein Tempovergleich ersetzt diese Prüfung mit der eigenen Arbeitslast nicht.
Wo Microsoft Grenzen sieht
Microsoft warnt, dass die Ergebnisse davon abhängen können, wie Fragen und Antwortoptionen formuliert und angeordnet sind. Die Kalibrierung sei bei vertrauten Aufgabentypen am stärksten. Bei der Nutzung für Sicherheitsfilter könne das Modell außerdem subtil schädliche Inhalte übersehen oder harmlose Inhalte fälschlich markieren.
Für folgenreiche Entscheidungen über einzelne Menschen sollte Microsoft-Decision-1 laut Microsoft nicht die alleinige Grundlage sein. Das Unternehmen empfiehlt eine sinnvolle menschliche Prüfung, etwa bei Entscheidungen zu Krediten, Beschäftigung, Wohnraum, Gesundheit oder Rechtsfragen.
Fahd Mirza zeigt in einem englischsprachigen Video einzelne Versuche zu Sicherheitsregeln, Routing und Klassifizierung. Bei einem Routing-Test mit einer Keyword-Falle fällt sein Ergebnis gemischt aus; solche Einzelversuche ergeben keine allgemeine Zuverlässigkeitsbewertung.