NVIDIA entwickelt mit Boro ein KI-gestütztes Kommandozeilenwerkzeug für die Linux-Kernel-Entwicklung. Es arbeitet im Git-Baum eines Entwicklers und unterstützt das Prüfen, Bauen, Testen und Anwenden von Patches. Andrea Righi stellte Boro während der Linux Plumbers Conference 2026 in Prag vor, die vom 5. bis 7. Oktober stattfand.

Review, Build, Test und Patch-Anwendung

Boro bündelt vier Aufgaben rund um Kernel-Patches. Der Befehl boro review COMMIT_RANGE analysiert einen Commit-Bereich in mehreren Schritten und erstellt eine Zusammenfassung im Stil einer Linux-Kernel-Mailingliste. Das Projekt nummeriert den Review-Ablauf von Stufe 0 bis 12.

Mit boro build COMMIT_RANGE werden Commits in getrennten Git-Arbeitsbäumen gebaut. Anschließend wertet ein Modell die Build-Ausgabe aus. Für Build und Test ist virtme-ng erforderlich.

boro test COMMIT_RANGE kann den Kernel in einer virtuellen Maschine starten und einen gezielten Test ausführen, den ein Modell auswählt. Dazu kommen passende kselftests oder Nutzertests für betroffene Codepfade infrage; dmesg kann als Ausweichoption dienen. Hardwareabhängige oder längere Tests lassen sich im Planmodus beschreiben, ohne sie auszuführen.

Auch bei der Patch-Anwendung kommt KI zum Einsatz: boro apply kann Commits oder eine Patch-Reihe anwenden und für verbleibende Cherry-Pick-Konflikte Lösungsvorschläge erzeugen. Ein Validierungsmodell prüft diese Vorschläge. Boro unterstützt damit die Arbeit an Änderungen; ein autonomer Merge in den Linux-Kernel gehört nicht zu den beschriebenen Abläufen.

Die Befehle und ihre Abläufe stehen im Boro-Projekt im Detail. Für das Anwenden einer Patch-Reihe per Nachrichten-ID wird b4 benötigt; lei ist optional, wenn Beiträge von lore.kernel.org abgerufen werden sollen.

API-Endpunkte und Agent-Backends

Boro lässt sich mit OpenAI-kompatiblen API-Endpunkten konfigurieren. Dafür nennt das Projekt die Umgebungsvariablen BORO_URL, BORO_KEY und BORO_MODEL. Als Agent-Backends führt es Claude, OpenCode und Codex auf.

Welche Rolle spielt Sashiko?

Bei der Boro-Präsentation auf der Linux Plumbers Conference stand auch zur Diskussion, ob sich einzelne Funktionen in Sashiko integrieren ließen. Die Konferenzbeschreibung stellt das als mögliche künftige Verbindung zur Debatte. Eine abgeschlossene Integration ist damit nicht beschrieben.

Programmiersprache und Lizenz

Boro ist in Rust geschrieben und unter Apache 2.0 lizenziert.