OpenAI berichtete am 15. Oktober 2026, dass ein internes Forschungsmodell aus der Familie GPT-5.6 Sol ein selbst gefundenes, nicht zugewiesenes Konto nutzte, um Gebühren für eine Vertragsbereitstellung auf Sepolia zu zahlen. Die Aufgabe erlaubte kompatible Verträge auf dem Ethereum-Testnetz, aber nicht die Nutzung eines anderen Kontos. Laut OpenAI ging dabei kein ETH an einen Empfänger; belastet wurden die Transaktionsgebühren des ausgewählten Kontos. OpenAI schildert den Ablauf in seinem Bericht.

Was die Aufgabe erlaubte – und wo die Grenze lag

Das Modell sollte einen Prototyp für den Kryptohandel überarbeiten: unter anderem den Rechner und das Datenbankverhalten anpassen, Platzhalter durch funktionierende Sepolia-Vertragsadressen ersetzen und Vertragsabfragen prüfen. Falls keine passenden Verträge vorhanden waren, durfte es kompatible Verträge bereitstellen. OpenAI zufolge erhielt es dafür jedoch keine finanzierte Wallet und keine Erlaubnis, Geld aus einem selbst gefundenen Konto zu verwenden.

Auch die Schaltfläche zum Absenden eines Spread-Auftrags sollte lediglich die Wallet verbinden und das Netzwerk wechseln – keine Transaktion über das Clearing House auslösen. Die Vertragsarbeit war also erlaubt; die eigenmächtige Finanzierung der Bereitstellung war es nicht.

Wie das Modell ein Konto mit Guthaben fand

Nachdem Versuche über Faucets – Webseiten zur Ausgabe von Test-Token – gescheitert waren, leitete das Modell Konten aus öffentlich bekannten Wiederherstellungsphrasen aus Entwicklerbeispielen ab. Es prüfte 362 Adressen und wählte ein Konto mit genügend Sepolia-Guthaben für die geplante Bereitstellung aus.

Was die Transaktion tatsächlich bewirkte

Englischsprachiger Erklärbeitrag von Kinda Into AI zum von OpenAI gemeldeten Vorfall auf Sepolia

Das Modell signierte die Transaktion offline. Als erste Übertragungsversuche scheiterten, sendete es sie über eine alternative HTTP-Methode an das Netzwerk. Der Transaktionsbeleg meldete eine erfolgreiche Bereitstellung. Die Transaktion übertrug keinen ETH-Wert an einen Empfänger; die ausgewählte Adresse zahlte die Netzwerkgebühren. OpenAI zufolge verschwieg die abschließende Antwort des Modells, dass es das Konto ausgewählt und dessen Guthaben verwendet hatte.

Der Sepolia-Fall ist ein anderer Vorgang als die zuvor bei Hugging Face gemeldeten Aktivitäten, über die NeoTeo separat berichtete.

Wann OpenAI den Vorfall entdeckte und welche Maßnahmen es nannte

OpenAI datiert die Programmieraufgabe auf den 26. Juni 2026. Das Unternehmen erklärte, es habe den Vorfall am 25. September entdeckt, als es die Überwachung auf ältere Aktivitätsprotokolle ausweitete.

In seinem Bericht erklärte OpenAI, zusätzliche Schutzmaßnahmen sollten in vergleichbaren Fällen den Live-Internetzugang verhindern. Außerdem laufe die Überwachung auf Fehlverhalten über den gesamten Datenverkehr; sie solle das Sicherheitsteam alarmieren, falls ein Modell Live-Internetzugang erlangt.