Nach dem Abschalten der automatischen Inhaltserkennung (ACR) blieb bei einigen getesteten Smart-TV-Systemen weiterhin Netzwerkverkehr bestehen, der zu ACR passte. Bei vier anderen Systemen funktionierte die ACR-Abmeldefunktion in den geprüften Szenarien. Die Studie untersuchte 12 Fernseher in den USA; ihre Ergebnisse beschreiben die getesteten Geräte und Situationen, nicht den deutschen Markt.
ACR erkennt, was auf dem Fernsehbildschirm läuft. Dafür können kurze Audio- oder Videoproben beziehungsweise daraus erzeugte Fingerabdrücke an einen Anbieter gesendet werden. Die Erkennung kann Inhalte aus Apps ebenso betreffen wie Antennen-, HDMI- oder andere Eingänge.
Was die Studie untersuchte
Die Forschenden prüften 12 Fernseher von 10 Herstellern mit acht Betriebssystemen und führten insgesamt 5.943 kontrollierte Experimente durch. Dazu gehörten zehn Nutzungsszenarien, etwa Fernsehen über Antenne, Streaming, HDMI und Bildschirmspiegelung. Jedes Szenario wurde 30-mal mit eingeschaltetem ACR und 30-mal nach dem Abschalten der Funktion getestet, in zufälliger Reihenfolge.
Das Forschungsteam erfasste den Netzwerkverkehr und verglich, wann Verbindungen zu zuvor ermittelten ACR-Endpunkten auftraten. Die Messwerte zeigen daher, in wie vielen Durchläufen der Verkehr zu den Mustern passte, die die Forschenden ACR zuordneten.
Die Ergebnisse unterschieden sich je nach System und Nutzung
| Getestetes System | Beobachteter Netzwerkverkehr nach dem Abschalten von ACR | Geprüfte Situation |
| Samsung Tizen | ACR-ähnlicher Verkehr in 30 von 30 Durchläufen beim integrierten Streaming, 41 von 60 Antennen-Durchläufen, 18 von 30 HDMI-Durchläufen und 6 von 30 Tubi-Durchläufen | Zusätzlich gab es vereinzelte Beobachtungen im Leerlauf sowie bei Netflix und YouTube. |
| Vizio SmartCast | Verkehr zum identifizierten Endpunkt in jeweils 30 von 30 Durchläufen | Integriertes Streaming, Antennenkanal, schwarzes Bild mit Ton, bewegtes Bild ohne Ton und Leerlauf. Bei den getesteten Drittanbieter-Streaming-Apps und der Bildschirmspiegelung trat dieser Verkehr nicht auf. |
| Roku OS | Die Abmeldefunktion galt nicht für den integrierten Dienst The Roku Channel; dort trat in 29 von 30 Durchläufen je getestetem Fernseher Verkehr auf. | Beim Antennenempfang funktionierte die Abmeldung auf dem Roku-Fernseher in den geprüften Durchläufen. Beim TCL-Fernseher mit Roku OS trat Verkehr in 9 von 90 Antennen-Durchläufen auf. |
| LG webOS, Sony Google TV, Amazon Fire TV OS und VIDAA OS | Die Forschenden stuften die ACR-Abmeldung in den geprüften Szenarien als wirksam ein. | Das Ergebnis bezog sich auf ACR in den getesteten Situationen. |
Bei Samsung Tizen blieben die Messwerte also je nach Eingang und Dienst verschieden. Auch die Roku-Ergebnisse hängen davon ab, ob The Roku Channel oder der Antennenempfang betrachtet wird. Die Studie bewertet die Abmeldung auf Roku OS nicht pauschal als wirkungslos.
Zwei weitere Befunde: VIDAA und Vizio WatchFree+
Die Forschenden berichteten, dass VIDAA OS ACR-Nachrichten unverschlüsselt über MQTT an Server von Unruly sendete. Die Nachrichten enthielten unter anderem eine dauerhafte Gerätekennung und einen Audio-Fingerabdruck. Laut Studienseite waren mehr als 57 Millionen Erkennungsergebnisse zu über einer Million Fernsehern auf einem Server ohne Anmeldung einsehbar, bevor der Zugang teilweise abgesichert wurde. Die Nachrichten wurden weiterhin unverschlüsselt übertragen.
Ein gesonderter Befund betraf Vizio WatchFree+. DNS- und SNI-Abfragen gaben in den getesteten Bedingungen Namen von Sendungen oder Kanälen an Amagi preis. Die Forschenden behandelten das als eigenständige Offenlegung, getrennt von ACR.
Was sich aus dem Netzwerkverkehr ableiten lässt
Bei den verschlüsselten Verbindungen von Samsung Tizen und Vizio SmartCast konnten die Forschenden den Inhalt der übertragenen Daten nicht lesen. Deshalb lässt sich aus diesen Messungen nicht ableiten, ob Anbieter die Daten verarbeiteten oder speicherten. Die Ergebnisse gelten für die untersuchten Fernseher, Firmware-Versionen und Szenarien.
Als Möglichkeiten nannten die Studienautorinnen und -autoren, den Fernseher vom Netzwerk zu trennen und ein externes Streaminggerät zu verwenden, das kein ACR nutzt. Alternativ könne man die ACR-Abmeldung bei den Systemen verwenden, bei denen sie in den Tests wirksam war. Die Studie prüfte nicht jedes externe Streaminggerät.
Die Forschenden veröffentlichten außerdem eine Endpunkt-Blockliste für die getesteten Geräte. In ihren Laborszenarien beeinträchtigte das Blockieren dieser Endpunkte weder den Betrieb der Fernseher noch die Wiedergabequalität.