Steam kann einige Windows-Programme unter Linux starten, wenn du sie als Steam-fremde Einträge hinzufügst und mit Proton oder einem anderen Kompatibilitätswerkzeug ausführst. Proton ist Steams auf Wine basierende Kompatibilitätsschicht für Windows-Software. Ob ein Programm läuft, hängt von der jeweiligen Anwendung ab.

Windows-Installer in Steam einrichten

Du brauchst Steam unter Linux und den heruntergeladenen Windows-Installer. Nach der Installation muss der Steam-Eintrag auf die eigentliche Programmdatei zeigen, nicht mehr auf den Installer.

  1. Füge den Installer zu Steam hinzu. Öffne im Menü „Spiele“ die Funktion zum Hinzufügen eines Steam-fremden Spiels und wähle die heruntergeladene Installationsdatei aus.
  2. Wähle ein Kompatibilitätswerkzeug. Öffne die Eigenschaften des neuen Eintrags, aktiviere auf der Registerkarte „Kompatibilität“ ein bestimmtes Steam-Play-Werkzeug und wähle eine Proton-Version. Proton Experimental ist eine mögliche Wahl; je nach Eintrag lassen sich auch andere Proton-Versionen oder die Steam Linux Runtime auswählen.
  3. Führe den Installer aus. Starte den Steam-Eintrag und schließe die Installation des Windows-Programms ab.
  4. Suche die installierte Programmdatei. In dem von XDA beschriebenen Setup liegen Anwendungsdaten unter ~/.local/share/Steam/steamapps/compatdata/. Öffne den passenden Ordner und gehe über pfx/drive_c zum Programmordner, häufig unter Program Files oder Program Files (x86).
  5. Richte den Steam-Eintrag auf das installierte Programm aus. Ändere in den Eigenschaften „Target“ zur ausführbaren Programmdatei und „Start in“ zu dem Ordner, in dem diese Datei liegt.

Starte anschließend den Eintrag erneut. Öffnet sich das Programm, verweist Steam auf die installierte Anwendung. XDA beschreibt für jede so eingerichtete Anwendung eine eigene Windows-Dateiumgebung.

Der Ablauf auf dem Steam Deck

Cave Maniac STG zeigt in diesem englischsprachigen Tutorial vom 14. März 2022, wie ein Windows-x64-MAME-Programm im Desktop-Modus als Steam-fremder Eintrag mit Proton Experimental gestartet wird.

Auf dem Steam Deck demonstrierte Cave Maniac STG den Ablauf im Desktop-Modus mit der Windows-x64-Version von MAME und Proton Experimental. Der Ersteller berichtete außerdem, dass manche Anwendungen im Desktop-Modus laufen, im Gaming-Modus aber nicht vollständig starten könnten. Das ist ein Hinweis auf einen möglichen Unterschied zwischen den beiden Modi, kein Ergebnis für andere Programme. Für MAME nannte der Ersteller Proton Experimental als seinen bevorzugten Ausgangspunkt.

Die Ergebnisse unterscheiden sich je nach Anwendung

Die von João Carrasqueira bei XDA beschriebenen Tests zeigen verschiedene Ergebnisse: Notepad++ lief gut, Clip Studio Paint stürzte nach der Installation ab, Microsoft 365 ließ sich nicht installieren und Obsbot Center stürzte ab, als der Autor eine Webcam anschloss. Auch der Affinity-Installer startete über Steam nicht. Unter Wine ließ sich Affinity zwar installieren, die Anwendung lief in diesem Test jedoch ebenfalls nicht.

Bei Vivaldi und OnlyOffice behob der Wechsel von Proton zur Legacy Steam Runtime in den beschriebenen Tests ein Darstellungsproblem mit KDE-Fensterrahmen. Vivaldis Webcam funktionierte in einem Discord-Anruf, João Carrasqueira konnte die anderen Teilnehmenden jedoch nicht sehen.

Proton baut auf Wine auf. Steam bietet die Verwaltung über die Bibliothek und getrennte Dateiumgebungen pro Eintrag; Bottles stellt mehr Konfigurationsmöglichkeiten bereit, darunter getrennte Umgebungen und unterschiedliche Wine-Versionen. Wer Einstellungen umfassender pro Anwendung anpassen möchte, findet in Bottles mehr Stellschrauben.

Was Valves Anleitung zum Steam Deck abdeckt

Valves Steam-Deck-Leitfaden beschreibt, wie du für ein bestimmtes Spiel in deiner Steam-Bibliothek ein Kompatibilitätswerkzeug erzwingst, und empfiehlt, die neueste Proton-Version auszuprobieren. Für Anwendungen außerhalb von Steam rät Valve dazu, zunächst die Unterstützung durch die Arch-Linux-Distribution zu prüfen. Die Anleitung bezieht sich damit auf ein Spiel aus der Bibliothek beziehungsweise auf die Arch-Linux-Unterstützung von Nicht-Steam-Anwendungen.

Bei Systemproblemen empfiehlt Valve, verfügbare Updates zu installieren und das Steam Deck neu zu starten. Wenn eine Nicht-Steam-Anwendung instabil läuft, rät Valve außerdem, Drittanbieter-Apps zu beenden oder zu deaktivieren und das Gerät neu zu starten. Bleibt das Problem bestehen, soll der Nutzer den Support der jeweiligen Anwendung kontaktieren. Valves Steam-Deck-Leitfaden