Tencent Zhuque Lab veröffentlichte am 12. Oktober 2026 eine technische Analyse zu Vghost (CVE-2026-74580), einer Schwachstelle im Linux-Subsystem vhost. Tencent beschreibt neben einem lokalen Weg zur Rechteausweitung einen Gast-zu-Host-Pfad, über den ein Gast unter bestimmten Virtualisierungsbedingungen einen Schreibzugriff außerhalb des vorgesehenen Speicherbereichs im Prozess QEMU auslösen kann. Tencent Zhuque Lab

Wie ein veralteter Cache die Prüfung umgeht

Die Schwachstelle entsteht, wenn vhost nach einer Änderung an einer laufenden virtio-Warteschlange alte Metadaten im Cache weiterverwendet. VHOST_SET_VRING_ADDR kann die Ring-Adressen ändern; VHOST_SET_VRING_NUM verändert die Größe der Bereiche. Laut Ubuntu Security wird der Metadaten-Cache bei diesen Änderungen nicht zurückgesetzt. Ein Treffer im veralteten Cache kann dadurch die Prüfung umgehen, ob die neue Adresse innerhalb der IOTLB-Zuordnung liegt. Die IOTLB ist eine Tabelle, die Adressen eines Geräts auf Speicherbereiche abbildet.

Tencent nennt als betroffenen Upstream-Bereich Linux-Kernelversionen von 4.11 bis 7.2-rc4. Der lokale Angriffsweg setzt voraus, dass ein Angreifer auf einen vhost-Geräteknoten zugreifen kann. Tencent berichtet, die lokale Rechteausweitung auf fünf konkreten Distributions-Kernelversionen reproduziert zu haben.

Wie der Gast laut Tencent den Schreibzugriff in QEMU auslösen kann

Der Gast-zu-Host-Pfad setzt laut Tencent drei Bedingungen voraus: ein virtio-Gerät hinter einer virtuellen IOMMU, aktiviertes iommu_platform und vhost im device-IOTLB-Modus. In dieser Konfiguration kann ein Gast nach der Beschreibung von Tencent mit VIRTIO_F_RING_RESET eine virtio-Warteschlange zurücksetzen und erneut aktivieren. QEMU konfiguriert den laufenden Ring daraufhin über den bestehenden Dateideskriptor mit VHOST_SET_VRING_ADDR neu, ohne den alten Metadaten-Cache zu leeren. Ein späterer Queue-Kick kann dann die alte IOTLB-Zuordnung wiederverwenden und einen Schreibzugriff außerhalb des vorgesehenen Bereichs im QEMU-Speicher verursachen.

Tencent beschreibt diese Folge als technischen Demonstrationspfad. Sie gilt für die genannten Voraussetzungen, nicht pauschal für jede virtuelle Maschine.

Welche Kernel Tencent getestet hat

Tencent beschreibt Vghosts bedingten Pfad vom Gast zu QEMU

Tencent meldet erfolgreiche Tests der lokalen Rechteausweitung auf diesen fünf Distribution-Kernelversionen. Die Geräteberechtigungen beziehen sich ebenfalls auf die jeweiligen Test-Images: Tencent fand /dev/vhost-vsock auf dem Ubuntu-Image mit 0660 root:kvm, auf den vier anderen Images mit 0666 root:kvm.

TestsystemKernelversionBerechtigung für /dev/vhost-vsock im Test-Image
Ubuntu 26.04 LTS7.0.0-28-generic0660 root:kvm
RHEL 9.85.14.0-687.5.3.el9_8.x86_640666 root:kvm
Amazon Linux 2023.12.202608176.1.180-225.360.amzn2023.x86_640666 root:kvm
Microsoft Azure Linux 3.06.6.150.1-1.azl30666 root:kvm
Oracle Linux 10.26.12.0-204.92.4.2.el10uek0666 root:kvm

Welche Versionen den Fehler beheben

Der Fix setzt den Metadaten-Cache bei einer Neukonfiguration des virtio-Rings zurück, sodass die neuen Adressen erneut durch die IOTLB-Prüfung laufen. Tencent zufolge erreichte die Änderung am 3. August 2026 den Upstream-Hauptentwicklungszweig. Für die stabilen Upstream-Zweige nennt Tencent folgende erste korrigierte Versionen:

Upstream-ZweigErste korrigierte Version laut Tencent
5.10.y5.10.265
5.15.y5.15.216
6.1.y6.1.183
6.6.y6.6.152
6.12.y6.12.104
6.18.y6.18.45
7.1.y7.1.9
7.27.2

Distributionen können den Fix zurückportieren und unter einer eigenen Paketversion ausliefern. Deshalb muss die sichtbare Kernelnummer nicht der Upstream-Versionsnummer entsprechen.

Ubuntu führte in seinem am 13. Oktober 2026 zuletzt aktualisierten Sicherheitshinweis das Paket linux für Ubuntu 22.04 als behoben in Version 5.15.0-198.208. Für dasselbe Paket in Ubuntu 24.04 und 26.04 lautete der Status „verwundbar; Arbeiten im Gange“. Diese Angaben betreffen die jeweiligen linux-Paketzeilen des Hinweises. Ubuntu Security

Bis ein korrigierter Kernel installiert ist, empfiehlt Tencent, den Zugriff auf vhost-Geräteknoten einzuschränken, weltweite Zugriffsrechte zu entfernen, die zugehörige Gruppe auf vertrauenswürdige Virtualisierungsdienste zu begrenzen und die Geräte nicht an nicht vertrauenswürdige Container weiterzugeben. Für den beschriebenen Gast-zu-Host-Pfad ist laut der Berichterstattung von The Hacker News ein korrigierter Kernel erforderlich; Zugriffsbeschränkungen für Geräteknoten bieten dafür keine Zwischenlösung. Tencent Zhuque Lab · The Hacker News

Welche Rolle Tencent seinen KI-Werkzeugen zuschreibt

Tencent zufolge half das Forschungssystem Corvus AI dabei, den Fehler in zwei Stunden aufzuspüren. Das Unternehmen beschreibt eine andere Aufgabe für Tencent Hunyuan Hy4-preview: Das Modell sei bei der Exploit-Überprüfung und der Regressionanalyse des Patches eingesetzt worden.