Anthropic veröffentlichte am 16. Oktober 2026 einen Bericht zu den Ursprüngen von NIST-Kurven-Seeds. Darin schreibt das Unternehmen, Claude habe die Seeds von fünf Primkurven auf den Pseudozufallszahlengenerator lrand48 zurückgeführt, der mit Unix-Zeitstempeln initialisiert worden sei. Anthropic bewertet den Fund nicht als kryptografischen Bruch, neuen Angriff oder neue Schwachstelle.

Fünf NIST-Primkurven und Zeitstempel

Anthropic zufolge betrifft die Rekonstruktion P-192, P-224, P-256, P-384 und P-521. Die 20 Byte langen Seed-Kandidaten seien aus Ausgaben nach dem Muster lrand48() >> 23 gebildet worden. Die von Anthropic aufgeführten Zeitstempel für diese Primkurven liegen zwischen Mai 1997 und April 1998. Das Unternehmen berichtet dasselbe Ausgabemuster auch für fünf Beispiel-Seeds aus ANSI X9.62.

Anthropic zufolge identifizierte Claude die Zusammenhänge in weniger als einer halben Stunde. Die Kurven-Seeds sind Parameter, die in Verfahren wie ECDSA eingesetzt werden können. ECDSA selbst ist ein digitales Signaturverfahren auf Grundlage elliptischer Kurven, keine Kurvenfamilie. NIST beschreibt elliptische Kurven und ihre Verwendung in der Kryptografie in SP 800-186. Der Kommentator bascule weist ebenfalls darauf hin, dass ECDSA auch mit Kurven außerhalb der NIST-P-Familie verwendet werden kann (r/cryptography). Der Befund betrifft damit ausgewählte Kurvenparameter, nicht sämtliche ECDSA-Anwendungen.

P-256: Kandidat 876 war ebenfalls brauchbar

Den veröffentlichten P-256-Seed ordnet Anthropic Kandidat 1.842 in der rekonstruierten Folge zu. Auch Kandidat 876 habe eine brauchbare Primzahlordnungs-Kurve mit passender Größe und dem beschriebenen Parameterverfahren ergeben. Anthropic kennt nach eigener Darstellung die Auswahlkriterien nicht.

Sechs Basispunkte und weitere ungeklärte Ursprünge

Für P-192 und fünf Beispielkurven aus ANSI X9.62 berichtet Anthropic außerdem, die Erzeugung der Basispunkte mit dem Softwarepaket FreeLIP nachvollzogen zu haben. Das beschriebene Verfahren beginnt mit einem kleinen Startwert, verwirft sieben Generatorausgaben und bildet aus 26-Bit-Ausgaben x-Kandidaten, die modulo p reduziert und auf der Kurve geprüft werden.

Die Herkunft des Seeds für B-163 bleibt laut Anthropic ungeklärt. Ebenso ungelöst sind die Ursprünge der Basispunkte von P-224, P-256, P-384, P-521 und den NIST-Binärkurven.

Was der Fund für die Sicherheit bedeutet

Anthropic sagt, die rekonstruierte Seed-Herkunft sei weder ein kryptografischer Bruch noch ein neuer Angriff oder eine Schwachstelle der ECDSA-Kurven. Das Unternehmen sieht für Nutzer keinen Handlungsbedarf.