Anthropic bestätigte am 27. Oktober 2026 die Übernahme von Mithril Medicine. Laut R&D World hatte der Kauf bereits im Juli stattgefunden. Mit Mithrils Programmen begann Anthropic seine eigene Arzneimittelentwicklung. Das Unternehmen will Claude dabei in realen Entwicklungsaufgaben einsetzen, um dessen Stärken und Grenzen besser zu verstehen und Verbesserungen gezielter voranzutreiben.

Warum Anthropic Mithril übernommen hat

Mithril arbeitete an Programmen für zwei seltene Erkrankungen: die LAMA2-bedingte kongenitale Muskeldystrophie (LAMA2-CMD) und die Alpha-Dystroglykanopathie. Anthropic bezeichnet die beiden Vorhaben als seine ersten internen Arzneimittelentwicklungsprogramme. Das Unternehmen erklärt, praktische Arbeit über verschiedene Entwicklungsschritte hinweg könne zeigen, wo Claude hilft und wo das Modell Schwächen hat. Daraus wolle Anthropic Verbesserungen ableiten und Fallbeispiele für Unternehmen aus den Lebenswissenschaften gewinnen. Parallel dazu unterhält Anthropic nach eigener Darstellung sechs Partnerschaften mit Arzneimittelentwicklern.

Wie Claude die Laborarbeit koordinierte

Mithril hatte einen Vollzeitbeschäftigten: den Gründer Cody Tranbarger. Acht bezahlte Berater und externe Fachleute unterstützten das Unternehmen. Nach Angaben von Anthropic half Claude dabei, Verträge, Logistik und Experimente mit elf externen Laboren zu koordinieren. Die Labore führten die praktische Forschungsarbeit aus; die Organisation blieb auf menschliche Leitung angewiesen.

R&D World beschrieb eine Woche, die Mithril als sein bestes jüngeres Beispiel ausgewählt hatte: Claude fasste einen 341-seitigen Produktionsbericht zu 113 Antikörperkonstrukten in weniger als acht Minuten zusammen. Nachdem ein Mensch eine Empfehlung des Modells verworfen hatte, überarbeitete Claude den Plan und zugehörige Entwürfe für 89 Konstrukte innerhalb von vier Minuten.

Tranbarger schätzte laut R&D World, dass sich der Entwurf eines neuen Programmplans samt Versuchsstrategie mit Claude in zwei bis drei Tagen erstellen ließ. Ohne Claude hätte derselbe Arbeitsschritt nach seiner Schätzung ein bis zwei Monate gedauert. Die Angabe bezieht sich auf Planung, nicht auf die gesamte Arzneimittelentwicklung.

R&D World berichtete auch über Fehler in diesem Arbeitsablauf. Untersucht wurden sechs Claude-Fehler; mindestens drei tauchten in bearbeiteten E-Mails auf, die an externe Labore verschickt wurden. Zwei Fehler in Produktionsdaten blieben mehr als vier Tage unentdeckt.

Was die frühen Mausdaten zu LAMA2-CMD zeigen

Mithrils Forschungsansatz nutzt bispezifische Antikörper. Diese Moleküle sollen zwei verschiedene Zielstrukturen binden und eine Brücke bilden, die Verbindungen zwischen Muskelfasern unterstützt. Die berichteten Ergebnisse betreffen Mausversuche zur LAMA2-CMD.

R&D World zufolge erhielten sieben Mäuse ein Antikörperformat, während vier Kontrolltiere eine Kontrolllösung bekamen. Bei den etwa sechs Wochen alten Tieren lagen die gemessene Griffkraft und die maximale Trizepskraft in der behandelten Gruppe jeweils bei ungefähr dem Doppelten der Kontrollgruppe.

Die Tiere wurden laut R&D World nach Würfen zugeteilt, nicht zufällig. Die beiden Gruppen wurden im Abstand von 126 bis 161 Tagen getestet; zwischen den Messungen wurde die Kolonie verlegt. R&D World berichtete zudem, dass der technische Bericht eine zeitgleiche, verblindete Wiederholung der Versuche vorsah. Anthropic beschreibt seine Arbeit in den Lebenswissenschaften insgesamt als überwiegend präklinisch.

Welche Entwicklungsschritte Anthropic in Aussicht stellt

R&D World zufolge wollte Mithril 2027 formelle Wirkstoffkandidaten auswählen. Für das Programm zur LAMA2-CMD hielt Anthropic einen Beginn klinischer Studien am Menschen frühestens Ende 2028 für möglich, sofern sich die Kandidaten weiter als tragfähig erweisen. Für das Programm zur Alpha-Dystroglykanopathie nannte R&D World Studien ab 2029 als Ziel.