Eine von Brookings am 23. September 2026 veröffentlichte Zusammenfassung stellte das Modell von Stijn Van Nieuwerburgh vor: Für US-KI-Infrastruktur kalkuliert es Investitionen von 10,3 Billionen US-Dollar zwischen 2025 und 2032. Im zentralen Szenario wären bis 2032 jährlich 3,725 Billionen Dollar Umsatz nötig, damit sich der modellierte Ausbau bei den angenommenen Renditen trägt. Brookings zufolge wurde das Papier am 25. September 2026 auf einer Konferenz vorgestellt.
Was das Brookings-Modell für die US-KI-Infrastruktur berechnet
Van Nieuwerburghs Brookings-Papier fasst unter Infrastruktur die Gebäude von Rechenzentren, Stromversorgung, Netzwerktechnik sowie Spezialchips und weitere Ausrüstung. Die 10,3 Billionen US-Dollar sind eine modellierte Investitionssumme für 2025 bis 2032, kein bereits ausgegebener Betrag. Sie schließt auch Ausgaben für Projekte ein, die erst nach 2032 fertiggestellt würden.
Im Modell entspricht die durchschnittliche jährliche Investitionsquote für den Zeitraum 3,63 Prozent des US-BIP. Für 2032 setzt die Rechnung Investitionen von 2,058 Billionen Dollar an, also 5,1 Prozent des für dieses Jahr modellierten BIP. Die Quote von 3,63 Prozent bezieht sich auf Investitionen im Zeitraum 2025 bis 2032; die 5,1 Prozent sind die modellierte Investitionsquote für 2032 allein.
Investitionssumme und Umsatzhürde sind zwei verschiedene Größen
Die Investitionssumme beschreibt den Aufbau der Infrastruktur. Die Umsatzhürde bezieht sich dagegen auf die jährlichen Einnahmen, die der fertig ausgebaute Bestand im zentralen Szenario bis 2032 erwirtschaften müsste: 3,725 Billionen US-Dollar. Das entspricht 9,2 Prozent des im Papier angenommenen US-BIP von 40,481 Billionen Dollar im Jahr 2032.
Die 3,63 Prozent messen den durchschnittlichen jährlichen Investitionsanteil am BIP über 2025 bis 2032. Die 9,2 Prozent setzen den modellierten jährlichen Umsatzbedarf ins Verhältnis zum angenommenen BIP des Jahres 2032. Es sind also unterschiedliche Größen mit unterschiedlichen Zeitbezügen.
Welche Annahmen die Rechnung tragen
Für den zentralen Fall nimmt Van Nieuwerburgh eine Rendite von 10 Prozent auf das eingesetzte Kapital vor Finanzierungskosten und eine operative Cashflow-Marge von 50 Prozent an. Letztere beschreibt den Anteil des Umsatzes, der nach operativen Ausgaben als Cashflow übrig bleibt. Das Modell setzt für IT-Ausrüstung eine wirtschaftliche Nutzungsdauer von sechs Jahren an, für die übrigen Anlagen 20 Jahre.
Wie stark solche Annahmen das Ergebnis beeinflussen, zeigt die Sensitivitätsrechnung: Je nach Kombination aus Rendite und operativer Cashflow-Marge reicht der modellierte jährliche Umsatzbedarf von 2,291 bis 6,724 Billionen US-Dollar.
Ein Beispiel macht die Größenordnung greifbarer: Für einen typischen KI-Trainingsstandort mit 200 Megawatt Leistung kalkuliert das Papier anfängliche Investitionskosten von insgesamt 8,216 Milliarden Dollar. Davon entfallen 2,2 Milliarden auf das Gebäude, 0,4 Milliarden auf zusätzliche Strominfrastruktur und 5,616 Milliarden auf installierte IT-Ausrüstung. Die Modellkonfiguration umfasst 166,7 Megawatt kritische IT-Leistung bei einem PUE-Wert von 1,2 sowie rund 1.170 rackäquivalente Cluster-Einheiten.
Historische Infrastrukturinvestitionen im Vergleich
Das Papier vergleicht die durchschnittlichen jährlichen Kapitalausgaben für ausgewählte US-Infrastrukturphasen mit dem KI-Szenario. Angegeben ist jeweils der Anteil am BIP.
| Infrastrukturphase | Zeitraum | Durchschnittliche jährliche Kapitalausgaben als Anteil am BIP |
| KI-Infrastruktur, modelliertes Szenario | 2025–2032 | 3,63 % |
| Eisenbahnen | 1870–1890 | 2,24 % |
| Autobahnen | 1956–1973 | 1,13 % |
| Telekommunikation und Glasfaser | 1996–2003 | 1,10 % |
| Kanäle | 1836–1841 | 0,66 % |
| Elektrifizierung | 1905–1925 | 0,50 % |
Van Nieuwerburgh weist darauf hin, dass sich historische Quellen und Rechnungsweisen unterscheiden. Auch sind Bruttoinvestitionen in kurzlebige GPUs nicht ohne Weiteres mit der Netto-Kapitalbildung bei langlebiger Infrastruktur gleichzusetzen. Die Tabelle liefert deshalb einen Größenvergleich auf Basis der im Papier verwendeten Kennzahl, keine vollständig harmonisierte historische Messreihe.
Finanzierung und wirtschaftliche Risiken
Die Zusammenfassung von Brookings beschreibt neben Unternehmensinvestitionen Finanzierungsformen wie Leasing, Gemeinschaftsunternehmen, Projektkredite, Private Credit, Verbriefungen und Zweckgesellschaften. Solche Strukturen können Verpflichtungen und Risiken über mehrere Unternehmen und Finanzierungsvehikel verteilen.
Als Unsicherheiten nennt Van Nieuwerburgh die künftige Nachfrage nach KI, den technologischen Wandel, den Zugang zu Strom und Hardware sowie die Kreditwürdigkeit der Mieter von Rechenzentren. Ein bereits bestehendes systemisches Risiko vergleichbar mit früheren Kreditbooms abzuleiten, hält er für verfrüht.