Im Juni des vergangenen Jahres berichteten wir über ein Projekt der University of Washington, das die Möglichkeit untersuchte, von verschiedenen Personen – darunter Schauspieler und Politiker – „digitale Marionetten“ zu erschaffen. Nun geht eine neue Entwicklung der Stanford University noch einen Schritt weiter: eine Plattform, die Echtzeit-Erfassung und -Ersetzung von Gesichtsausdrücken auf dem Gesicht einer beliebigen Person in einem herkömmlichen Video durchführen kann – mit nur einer einfachen Webcam.

Face2Face: Gesichtsausdrücke in Echtzeit auf Prominenten- und Politikergesichtern
Face2Face

Die Grenze zwischen Realität und Fälschung verschwimmt

Fälschungen sind im Web an der Tagesordnung. Langsam wird die Linie zwischen Realem und Fiktivem mit jeder neuen Generation von Design- und Bearbeitungswerkzeugen dünner, verstärkt durch die Macht der Algorithmen, der künstlichen Intelligenz und des maschinellen Lernens. Ein Foto zu verändern ist so einfach, dass es jeder tun kann – aber ein wahrer Meister der Befehle lässt uns wochen- oder sogar monatelang ratlos zurück. Bei Videos sind die Veränderungen jedoch immer noch zu offensichtlich, um ein geschultes Auge zu täuschen. Dennoch haben wir bereits gesehen, was Hollywood leisten kann, wenn es tote oder ältere Schauspieler durch digitale Avatare ersetzt. Was nun folgt, ist noch erstaunlicher und – warum auch nicht – noch beunruhigender.

So funktioniert Face2Face

Das Projekt Face2Face besteht aus Forschern der Stanford University, des Max-Planck-Instituts und der Universität Erlangen-Nürnberg. Im Kern schlägt es eine Echtzeit-Erfassung des Gesichts und die anschließende Nachbildung vor, bei der die ursprünglichen Ausdrücke ersetzt werden. Auf diese Weise schafft es das System, dass eine Person etwas sagt, das in Wirklichkeit nie über ihre Lippen kam – vorausgesetzt, andere Details wie Training und Stimme sind gelöst. Falls die Ergebnisse von Face2Face für sich genommen nicht überraschen, wird man sich wohl vor der Tatsache beugen, dass es mit herkömmlichen RGB-Videos (z. B. von YouTube) arbeitet und nur eine einfache Webcam als Quelle zur Erkennung der Ersatzausdrücke verwendet.

Noch nicht perfekt – aber beunruhigend

Face2Face ist noch weit von der Perfektion entfernt, doch die Zeit arbeitet auf seiner Seite, und alle Rendering-„Fehler“ im Mundbereich auftreten, sollten in Zukunft verschwinden. Der Einsatz von Politikern in den Demonstrationen von Face2Face hat definitiv eine größere Wirkung. Die falschen Aussagen unserer Regierenden sind viel häufiger als ihre Wahrheiten – aber wenn wir jetzt so etwas wie Face2Face haben, nun ja ...

Offizielle Website:

Quelle: