Französische Behörden meldeten am 22. Oktober 2026 den ersten dokumentierten Fall einer Shamonda-Infektion beim Menschen. Der schwer immungeschwächte Patient war in Lyon behandelt worden und starb Anfang Oktober. Santé publique France teilte am 23. Oktober mit, dass bis dahin keine Übertragung von Mensch zu Mensch und kein Risiko für die Allgemeinbevölkerung festgestellt worden seien. Die Untersuchungen liefen weiter.
Wie SHAV-EU1 nachgewiesen wurde
Neurologische Beschwerden führten zu einer breiten mikrobiologischen und genomischen Untersuchung. Santé publique France zufolge wies der Vergleich genetischer Sequenzen auf Shamonda hin. Der wissenschaftliche Fallbericht identifizierte die Linie SHAV-EU1 im Liquor, also im Nervenwasser. Dafür kam Metatranskriptomik zum Einsatz, ein Verfahren zur Analyse von RNA aus einer Probe; eine RT-PCR (Reverse-Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion) bestätigte den Nachweis.
Der Fallbericht beschreibt außerdem Nachweise des Virusgenoms in Serum-, Atemwegs- und Stuhlproben mindestens zwei Monate vor Beginn der Enzephalitis. Der Patient war schwer immungeschwächt; der Bericht nennt eine hämatologische Krebserkrankung und eine allogene Stammzelltransplantation etwa einen Monat vor Beginn der Enzephalitis.
Das französische Landwirtschaftsministerium hielt die zerebralen Komplikationen für sehr wahrscheinlich mit der Infektion verbunden. Der Virologe Ben Brennan sagte, ob Shamonda zum Tod des Patienten beigetragen habe, sei unklar.
Welche Exposition und Übertragung bekannt waren
Santé publique France nannte am 23. Oktober den Stich einer infizierten Gnitze der Gattung Culicoides im Osten Frankreichs als wahrscheinlichste Expositionsroute. Die Behörde untersuchte zugleich Umweltbedingungen, Reisen sowie mögliche Tier- und Insektenkontakte.
Shamonda gehört zu den Orthobunyaviren der Simbu-Serogruppe. Bei Tieren wird das Virus vor allem mit Gnitzen der Gattung Culicoides in Verbindung gebracht. Bis zur Aktualisierung von Santé publique France am 23. Oktober war keine Übertragung zwischen Menschen festgestellt worden; auch ein Risiko für die Allgemeinbevölkerung war nach damaligem Kenntnisstand nicht erkannt worden.
Was die Nachweise bei Rindern aussagten
Santé publique France meldete zum 20. Oktober Shamonda-Nachweise bei Rindern in 52 Départements des französischen Mutterlands. Die europäische Tierüberwachung unterscheidet die Linien SHAV-EU1 und SHAV-EU2; im menschlichen Fall wurde SHAV-EU1 identifiziert.