Am 13. September 2026 wurde ein Vorfall gemeldet, bei dem ein 12V-2x6-Kabel während des Betriebs einer NVIDIA RTX PRO 6000 Blackwell am PSU-seitigen Modularanschluss einer ASRock Taichi TC-1650T geschmolzen sein soll. Beide Kabelenden sollen vollständig eingesteckt gewesen sein. Die GPU soll den Vorfall überstanden haben.

Das ist vor allem deshalb brisant, weil die ASRock Taichi TC-1650T mit ASRock TempGuard eine Schutzfunktion besitzt, die gefährliche Erwärmung am Anschluss erkennen und das System abschalten soll. Warum das in diesem Fall nicht geschah, lässt sich technisch plausibel diskutieren – die konkrete Ursache des Schadens ist damit aber nicht bewiesen.

Der gemeldete Schaden saß am Netzteil

Der betroffene Anschluss lag laut der Schilderung auf der Netzteilseite, also an der modularen Buchse der ASRock Taichi TC-1650T. Es ging nicht um den Stromanschluss an der NVIDIA RTX PRO 6000 Blackwell. Der gemeldete Schaden betraf den 12V-2x6-Stecker beziehungsweise die Verbindung zur Netzteilbuchse.

Die Kombination ist für eine leistungsstarke Workstation ausgelegt: Die GPU wird mit einer gemeldeten Gesamtplatinenleistung von bis zu 600 W beschrieben und nutzt einen einzelnen PCIe-CEM5-Anschluss im 16-Pin-Format, der im betroffenen System als 12V-2x6 ausgeführt war. Die ASRock Taichi TC-1650T ist auf 1.650 W ausgelegt, wird mit ATX 3.1 und PCIe 5.1 beschrieben und besitzt zwei native 12V-2x6-Kabel.

Die Angaben beziehen sich auf unterschiedliche Größen: 600 W beschreibt die gemeldete Leistungsaufnahme der GPU, 1.650 W die Nennleistung des Netzteils. Das Netzteil liefert also nicht einfach „1.650 W durch diesen Stecker“.

Warum die TempGuard-Erklärung offenbleibt

Technische Analyse der 12V-2x6-Verbindung, der NTC-Messung und der Überwachung einzelner Strompfade

ASRock TempGuard arbeitet mit einem NTC-Sensor. Ein NTC ist ein temperaturabhängiger Widerstand, dessen Messwert sich mit der Wärme verändert. Die Schutzlogik soll dadurch eine gefährliche Erwärmung erkennen und eine Abschaltung auslösen.

ASRock ordnet den Sensor in den Produktspezifikationen dem VGA-Anschluss zu. Die technische Kritik setzt an der Messmethode an: Entsteht die Wärme direkt an einem einzelnen Kontakt mit erhöhtem Übergangswiderstand, kann sich dieser Kontakt deutlich stärker erhitzen als die äußere Kabelisolierung. Ein außen liegender Sensor muss diese Wärme nicht rechtzeitig oder in ausreichendem Maß erfassen.

Für den konkreten Schaden bleibt das jedoch eine technische Hypothese. Die Sensorposition und die Physik eines einzelnen überhitzten Kontakts liefern eine mögliche Erklärung dafür, warum TempGuard nicht abschaltete; sie beweisen nicht, dass genau dieser Mechanismus den gemeldeten Defekt verursacht hat.

Eine direktere Schutzstrategie wäre die Überwachung des Stroms durch einzelne Kontakte. Sie könnte eine ungleichmäßige Stromverteilung erkennen, bevor die daraus entstehende Kontaktwärme den Kabelmantel erreicht. Auch das ist eine technische Einordnung des Schutzkonzepts, keine nachträgliche Diagnose dieses Netzteils.

Ein früherer Fall betraf die GPU-Seite

Im März 2026 wurde ein davon getrennter Vorfall gemeldet. Dabei soll ein Kabel an der GPU-Seite einer Kombination aus NVIDIA RTX PRO 6000 und ASRock Taichi TC-1650T Spuren von Überhitzung gezeigt haben. PNY soll die Karte als funktionsfähig beurteilt haben; ASRock soll das Kabel ersetzt haben.

Dieser Fall ist von dem am 13. September 2026 veröffentlichten Bericht zu unterscheiden: Im früheren Fall ging es um die GPU-Seite, im späteren Bericht um den PSU-seitigen Modularanschluss.

Was Besitzer prüfen sollten

Für Systeme mit einem 12V-2x6-Anschluss gelten einige unspektakuläre, aber wichtige Regeln:

  • Verwende ein für das konkrete Netzteil vorgesehenes natives Kabel. Kabel anderer Netzteile sind nicht automatisch kompatibel.
  • Stecke beide Enden vollständig ein. Der Stecker sollte gerade sitzen und nicht durch Zug am Kabel belastet werden.
  • Vermeide enge Biegungen und mechanische Spannung direkt am Anschluss. Der nötige Abstand hängt von den Vorgaben des jeweiligen Kabel- und Netzteilherstellers ab.
  • Prüfe Stecker und Buchse auf Verfärbungen, angeschmolzenen Kunststoff oder andere sichtbare Schäden.
  • Schalte das System ab und verwende beschädigte Kabel oder Anschlüsse nicht weiter, bis sie fachgerecht beurteilt oder ersetzt wurden.

Diese Schritte reduzieren vermeidbare Montage- und Belastungsrisiken. Sie sind jedoch keine Garantie dafür, dass ein Hochstromanschluss unter allen Bedingungen fehlerfrei bleibt.