Am 29. Oktober 2026 veröffentlichte Google Ergebnisse aus zwei Bildungsstudien: In einem britischen Mathematikversuch schnitt beaufsichtigtes Gemini-Tutoring bei mehreren nahen Lernmaßen ähnlich ab wie menschliche Nachhilfe. Einen Gesamtvorteil bei der standardisierten Prüfung Star Maths stellte die Studie jedoch nicht fest. Aus Italien meldete Google Veränderungen bei Unterrichtsformen und beim berichteten Engagement.
Was die beiden Studien untersuchten
Der britische Versuch verglich über zehn Unterrichtswochen vier Arten der Unterstützung auf der Lernplattform Eedi. Die italienische, ein Jahr laufende Untersuchung betrachtete Unterricht, den Lehrkräfte gemeinsam mit Gemini geplant hatten.
Die britische Studie war eine vorab registrierte, randomisierte Untersuchung mit 1.179 Schülerinnen und Schülern im Alter von 12 bis 15 Jahren. Sie fand an 10 staatlich finanzierten weiterführenden Schulen mit insgesamt 58 Mathematikklassen statt. Die Teilnehmenden wurden einer von vier Gruppen zugeteilt: Standardförderung auf Eedi, Nachhilfe durch Fachlehrkräfte oder Gemini-Tutoring mit Aufgaben- beziehungsweise zusätzlichem Lernkontext. Die Schulen setzten Eedi im Mathematikunterricht ein; die Standardförderung war also kein Unterricht ohne Unterstützung. Sie umfasste Videos, Übungen zum flüssigen Rechnen und von Lehrkräften verfasste Hinweise. Einzelne Schulen lieferten sieben bis zehn Unterrichtswochen der Förderung.
Googles technischer Bericht zur britischen Studie beschreibt auch die menschliche Aufsicht: Lehrkräfte prüften Gemini-Entwürfe, bevor sie an die Schülerinnen und Schüler gingen. Von 94.385 geprüften Entwürfen genehmigten sie 94,7 Prozent unverändert; andere konnten sie bearbeiten oder neu erzeugen lassen. Während der Studie wechselte das eingesetzte Modell von Gemini 3.1 Pro zu Gemini 3 Flash und später zu Gemini 3.5 Flash.
Aufgaben und Quiz fielen anders aus als Star Maths
Bei unmittelbaren Aufgaben und einem Zwischenquiz lagen die beiden Gemini-Gruppen nahe an der Gruppe mit menschlicher Nachhilfe. Die standardisierte Prüfung Star Maths ergab dagegen keinen festgestellten Gesamtvorteil einer der beiden Gemini-Bedingungen gegenüber der Standardförderung. Die Tabelle gibt die berichteten Mittelwerte wieder; bei Star Maths handelt es sich um Effekte gegenüber der Standardförderung in Standardabweichungen. Die 95-prozentigen Glaubwürdigkeitsintervalle für alle drei Tutoring-Gruppen schlossen null ein.
| Studienbedingung | Sofortige Korrektur: richtige Antworten | Transfer zur nächsten Eedi-Einheit: richtige Antworten | Zwischenquiz: richtige Antworten | Star Maths: Effekt gegenüber der Standardförderung |
| Standardförderung | 43,4 % | 50,5 % | 59,6 % | Referenz |
| Nachhilfe durch Fachlehrkräfte | 57,7 % | 59,1 % | 61,8 % | −0,09 SD (95-%-Intervall: −0,25 bis +0,07) |
| Gemini mit Aufgabenkontext | 56,9 % | 58,4 % | 62,1 % | −0,01 SD (95-%-Intervall: −0,15 bis +0,14) |
| Gemini mit personalisiertem Kontext | 56,5 % | 58,3 % | 63,5 % | +0,02 SD (95-%-Intervall: −0,12 bis +0,16) |
Die ersten drei Messgrößen erfassten unmittelbare Fehlerkorrektur, die erste richtige Antwort in der nächsten Lerneinheit und ein acht Fragen umfassendes Zwischenquiz. Star Maths wurde zu Beginn und am Ende eingesetzt und maß breitere Mathematikleistungen. Die Ergebnisse der Plattformaufgaben und des Quiz sind deshalb nicht mit dem Ergebnis der standardisierten Prüfung gleichzusetzen.
Während des Versuchs bearbeiteten die Schülerinnen und Schüler in jeder Gemini-Gruppe im Median 99 Eedi-Lerneinheiten. In der Gruppe mit menschlicher Nachhilfe waren es 77, in der Standardförderung 132. Der Bericht nennt die geringere Themenabdeckung als eine mögliche Erklärung für das Ergebnis bei Star Maths. Das ist eine mögliche Deutung, kein nachgewiesener Grund für den Prüfungsbefund.
Auch die personalisierte Bedingung hatte eine Einschränkung: Wegen eines Plattformfehlers flossen frühere Zusammenfassungen der Tutoring-Gespräche nicht in den Lernkontext ein. Berücksichtigt wurden weiterhin Eedi-Leistung, Lerntempo, Kenntnisstand und Fehlvorstellungen. Die Studie prüfte somit nicht die vorgesehene Personalisierung mit Gesprächszusammenfassungen.
Was Google aus Italien berichtete
Die einjährige Untersuchung umfasste laut Googles Studienbericht zu Großbritannien und Italien 31 Schulen, 1.600 Lehrkräfte und mehr als 24.500 Schülerinnen und Schüler im Alter von 13 bis 18 Jahren. Erfasst wurden Unterrichtsaktivitäten und Selbstauskünfte zur Unterrichtsplanung mit und ohne Gemini for Education.
Google berichtete, dass die von Schülerinnen und Schülern angegebene Beteiligung in gemeinsam mit Gemini geplanten Unterrichtsstunden von 77 auf 84 Prozent stieg. Lehrkräfte meldeten häufiger größere Kreativität beim Planen und Unterrichten: 79 Prozent gegenüber 30 Prozent in der Vergleichsbedingung. Traditioneller Frontalunterricht ging den Angaben zufolge um 38 Prozent zurück; gemeinschaftliches Lernen unter Leitung der Schülerinnen und Schüler war nahezu dreimal so häufig. Diese Angaben beschreiben Unterrichtsaktivitäten und Selbstauskünfte, nicht standardisierte Lernergebnisse.