Am 27. September kam eine Zuschreibungsfrage zu Anthropics ART-Ankündigung auf: Der Computational Biologe Mario Rodríguez Mestre sagte, sein Team habe vier Jahre lang verwandte Enzyme untersucht und wichtige Erkenntnisse mit Anthropic-Modellen geteilt.
Anthropic hatte ART am 23. September vorgestellt. Mestre äußerte außerdem die Sorge, Informationen aus seiner Forschung könnten zum Training künftiger Modellversionen verwendet worden sein.
Wie Anthropic Claudes Beitrag beschreibt
Anthropic zufolge suchten Claude-Agenten DNA-Daten nach interessanten Reverse Transkriptasen ab. Dabei hätten sie ein ungewöhnliches Muster aus DNA-Wiederholungen neben einem Gen für eine Reverse Transkriptase erkannt und einen Bericht für die Prüfung durch Menschen erstellt. Eine Reverse Transkriptase ist ein Enzym, das RNA in DNA umschreibt. Die Forschenden prüften die Kandidaten und führten die Laborversuche durch.
Anthropic bezifferte den beschriebenen Suchlauf auf rund 950 Claude-Agenten, 21 Stunden und 210 Millionen Tokens. Die Agenten sammelten nach Unternehmensangaben mehr als 200.000 Reverse Transkriptasen, identifizierten 3.500 Kandidatensysteme und erstellten zu 20 besonders vielversprechenden Kandidaten ausführliche Analyseberichte.
Was über ART bekannt ist
Anthropic bezeichnet das System als array-associated reverse transcriptases (ARTs), auf Deutsch arrayassoziierte Reverse Transkriptasen. Es bestehe aus einer Reverse Transkriptase, einem benachbarten Partnergen und einem Array gleichmäßig angeordneter DNA-Wiederholungen. Das Unternehmen verortet ART vor allem in Bakteriophagen – Viren, die Bakterien infizieren.
In ersten Laborversuchen seien aus dem Array unterschiedliche kurze RNA-Moleküle entstanden, teilte Anthropic mit. Welche biologische Funktion ART erfüllt, sei noch unbekannt.
Die frühere Forschung zu MarsHill gp206
Eine Studie von Korn et al. aus dem Jahr 2021 beschrieb die Reverse Transkriptase MarsHill gp206 und einen 1.200 Basenpaare langen, vorgelagerten nichtcodierenden Abschnitt. Die Forschenden vermuteten darin eine nichtcodierende RNA, die mit einem Retroelement verbunden ist.
Anthropic zufolge war die Reverse Transkriptase selbst bereits in früheren Studien identifiziert worden. Das Unternehmen schreibt Claude die Erkennung des Wiederholungsarrays und des benachbarten Partnergens als Bestandteile eines Systems zu.
Mestres Angaben zur Zusammenarbeit
Mestre sagte, sein Team habe Anthropic-Modelle in den drei Jahren vor seiner Aussage regelmäßig für Programmierung, Manuskriptentwürfe und weitere Aufgaben genutzt. Dabei habe die Gruppe wichtige Erkenntnisse zu den Enzymen geteilt. Seine Sorge betrifft die mögliche Nutzung dieser Informationen für das Training künftiger Modellversionen.